Sonnenenergie "Wir bringen die Wüste nach Europa"Seite 2/2

Frage: Wie groß ist die Differenz?

Van Son: In Spanien kostet eine Kilowattstunde Solarthermie etwa 25 Cent. Strom wird an der Börse für fünf bis sechs Cent gehandelt.

Frage: Das ist aber sehr weit von der Rentabilität entfernt.

Van Son: Wir glauben jedoch, dass die Kosten schon in den nächsten zehn Jahren um etwa 50 Prozent sinken können.

Frage: Alles in allem klingt das so, als wäre das Mammutprojektvon vornherein zum Scheitern verurteilt.

Van Son: Ich bin überzeugt, dass alle Probleme zu lösen sind. Wir gehen ja Schritt für Schritt vor. Außerdem ist Desertec langfristig angelegt. Das Investitionsaufkommen wird gerade in der zweiten Hälfte, also ab 2030, steil ansteigen. Dann werden sich Investitionen wegen des dann hohen Ölpreises und der steigenden Umweltkosten erst so richtig rechnen.

Frage: Sie sind also in den ersten Jahren auf staatliche Subventionen angewiesen?

Van Son: Ja. Wir brauchen zunächst in den einzelnen afrikanischen und europäischen Ländern Anreizprogramme, um den Wüstenstrom zu fördern.

Frage: Helfen Ihnen solche Ereignisse wie die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko bei Ihrer Mission?

Van Son: Solche Katastrophen fördern sicherlich die Einsicht, auf erneuerbare Energiequellen umzusteigen. Aber die afrikanischen Staaten haben in den vergangenen Jahrzehnten selbst erlebt, wie brutal die Schwankungen des Ölpreises für ihre Volkswirtschaft sein können.

Frage: Haben Sie schon etwas erreicht?

Van Son: Wir sind kurz vor Abschluss der Verhandlungen mit dem tunesischen Stromkonzern Steg Energies Renouvelables, der als Gesellschafter hinzukommen wird. Und wir werden bald einen industriellen Partner in Ägypten bekanntgeben. In Europa wird sich noch der italienische Netzbetreiber Terna unserem Konsortium anschließen.

Frage: Und wann wird es den ersten Strom aus der Wüste geben?

Van Son: Wir wollen möglichst schnell erste Referenzprojekte in Betrieb nehmen. Wir haben dafür in Rainer Aringhoff extra einen sehr erfahrenen Chief Operating Officer an Bord geholt. Der war gerade in Marokko unterwegs, um sich geeignete Standorte anzusehen. Dort planen wir den ersten Kraftwerkspark.

Frage: Das heißt: Sie haben bereits das erste Projekt im Visier?

Van Son: Ja, und das wird gleich richtig groß, insgesamt 500 bis 1 000 Megawatt umfassen. Wir wollen den Nachweis führen, dass die Idee richtig ist. Wir werden mehrere Technologien betrachten, nicht nur Solarthermie, sondern auch Photovoltaik und Windkraft. Außerdem können wir in Marokko sowohl für den heimischen Markt produzieren als auch Strom nach Europa exportieren. Schließlich gibt es dort schon eine Leitung nach Spanien. Das Projekt ist so groß, dass wir Skaleneffekte nachweisen können. Wir werden zeigen, dass die Kosten deutlich sinken, je größer die Anlagen sind.

Frage: Und wenn, trotz aller Bemühungen, das Projekt scheitert?

Van Son: Die Sonne schickt täglich so viel Energie auf die Erde, die wir nicht nutzen, und wir nutzen stattdessen Brennstoffe, die sowohl umwelt- als auch geopolitisch problematisch sind. Ich wette eine gute Flasche Barolo, dass wir Ende 2012 eine gute Gesamtplanung für Desertec vorlegen werden und dass dann die ersten Referenzprojekte in Vorbereitung sind. Ich bin überzeugt: Wir bringen die Wüste nach Europa.

Zuerst erschienen am 09.07.2010 im Handelsblatt

 
Leser-Kommentare
  1. Unrichtigerweise wird hier ein Foto mit Photovoltaik-Solarzellen gezeigt. Dies ist eben gerade NICHT die Technik, die Desertec benutzt, sondern es handelt sich um Solarthermie, die einfach die Sonnenwärme ausnutzt, ohne irgendwelche Solarzellen zu benötigen.

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    Also das Photo, das ich sehe, passt durchaus zur Bildunterschrift. Das sind keine Photovoltaik-Solarzellen, sondern Spiegel (Heliostaten) und die Türme im Hintergrund sind die Receiver.
    Es gibt verschiedene Bauweisen bei der Solarthermie.

    Siehe wikipedia-Artikel, zweites Bild:
    http://en.wikipedia.org/w...

    Also das Photo, das ich sehe, passt durchaus zur Bildunterschrift. Das sind keine Photovoltaik-Solarzellen, sondern Spiegel (Heliostaten) und die Türme im Hintergrund sind die Receiver.
    Es gibt verschiedene Bauweisen bei der Solarthermie.

    Siehe wikipedia-Artikel, zweites Bild:
    http://en.wikipedia.org/w...

  2. Also das Photo, das ich sehe, passt durchaus zur Bildunterschrift. Das sind keine Photovoltaik-Solarzellen, sondern Spiegel (Heliostaten) und die Türme im Hintergrund sind die Receiver.
    Es gibt verschiedene Bauweisen bei der Solarthermie.

    Siehe wikipedia-Artikel, zweites Bild:
    http://en.wikipedia.org/w...

    • joG
    • 09.07.2010 um 15:38 Uhr

    "Van Son: In Spanien kostet eine Kilowattstunde Solarthermie etwa 25 Cent. Strom wird an der Börse für fünf bis sechs Cent gehandelt.

    Frage: Das ist aber sehr weit von der Rentabilität entfernt.

    Van Son: Wir glauben jedoch, dass die Kosten schon in den nächsten zehn Jahren um etwa 50 Prozent sinken können."

    Wenn das also stimmt und wir die Kosten des Transports vernachlässigen, so müsste Strom sich in den nächsten 10 Jahren verdreifachen.

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    Na ja, geht man davon aus, dass sich durch Inflation der Wert des Geldes aller 15 Jahre halbiert, die Inflation wird wohl bald wieder ansteigen, wäre es nicht ganz so schlimm. Zusätzlich warten noch die vertraglich abgesicherten ca. 100 Mrd. Euro teuren "Solarunterstützungsabgaben", das knapper werdende Öl, die Klimaerwärmung, mit den daraus steigenden Energiepreisen. Summa summarum wäre eine Verdreifachung der Energiepreise noch moderat.
    Da wir dann aber alle in Plusenergiehäusern leben, werden wir alle glücklich.

    ... natürlich sind auch 12,5 ct/kWh noch nicht günstig genug, obwohl man damit schon locker in den Bereich der Spitzenlaststrompreise (z.B. mittags) kommt.

    Aber bei den solarthermischen Kraftwerken stehen wir auch erst ganz am Anfang der Massenproduktion und auch hier gilt, dass jede Verdopplung des Produktionsvolumens durch die Skaleneffekte die Preise um ca. 20% reduziert.

    Dabei ist Desertec ein Projekt das über einen Zeitraum von 40 Jahren angedacht ist. Konkret wird ja auch ein massiver Anstieg der Investitionen erst ab ca. 2030 genant.

    Die Wikipedia gibt einen guten Überblick über das Projekt:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Entsprechend bleibt noch viel Zeit, die Massenproduktion anzukurbeln und dann werden auch die Preise weiter fallen.

    Übrigens besteht Desertec nicht nur aus solarthermischen Kraftwerken, sondern auch z.B. aus Windparks in Nordafrika.

    Na ja, geht man davon aus, dass sich durch Inflation der Wert des Geldes aller 15 Jahre halbiert, die Inflation wird wohl bald wieder ansteigen, wäre es nicht ganz so schlimm. Zusätzlich warten noch die vertraglich abgesicherten ca. 100 Mrd. Euro teuren "Solarunterstützungsabgaben", das knapper werdende Öl, die Klimaerwärmung, mit den daraus steigenden Energiepreisen. Summa summarum wäre eine Verdreifachung der Energiepreise noch moderat.
    Da wir dann aber alle in Plusenergiehäusern leben, werden wir alle glücklich.

    ... natürlich sind auch 12,5 ct/kWh noch nicht günstig genug, obwohl man damit schon locker in den Bereich der Spitzenlaststrompreise (z.B. mittags) kommt.

    Aber bei den solarthermischen Kraftwerken stehen wir auch erst ganz am Anfang der Massenproduktion und auch hier gilt, dass jede Verdopplung des Produktionsvolumens durch die Skaleneffekte die Preise um ca. 20% reduziert.

    Dabei ist Desertec ein Projekt das über einen Zeitraum von 40 Jahren angedacht ist. Konkret wird ja auch ein massiver Anstieg der Investitionen erst ab ca. 2030 genant.

    Die Wikipedia gibt einen guten Überblick über das Projekt:

    http://de.wikipedia.org/w...

    Entsprechend bleibt noch viel Zeit, die Massenproduktion anzukurbeln und dann werden auch die Preise weiter fallen.

    Übrigens besteht Desertec nicht nur aus solarthermischen Kraftwerken, sondern auch z.B. aus Windparks in Nordafrika.

  3. .....keine Investoren vorhanden.....

    Nicht das das alleine schon eine gewisse Barriere darstellt, aber das klingt doch für einem Zukunftsgeschäft etwas seltsam.

    Also klar, die Länder in Nordafrika haben da keine Ausschreibungen veröffentlicht, weil sie gar nicht wissen das sie sowas planen. Trotzdem klingt 2012 als Vorgabetermin für eine "Gesamtplanung" sehr spannend.

    Ich finde zwar, die Wüste kann ruhig bleiben wo sie ist, doch wäre es sicher sehr interessant zu sehen wer da ein Übertragungsnetzsystem aufbaut, dessen Regulation im besten Netzsystem der Welt, also in Europa, schon erhebliche Probleme bereitet. Das wäre ja dann bis 2013 auch sehr positiv betroffen.

    Hoffentlich kommt das zwischen der Fußball Europameisterschaft und den Olympischen spielen heraus.
    Dann findet der Jubel in 2012 keine lange Pause.

    Ich meine, das wäre die größte Oase der Welt !

  4. Sebstverständlich bilden sich Preise auf dem Markt. Aber irgend etwas kann doch da nicht stimmen, wenn Energie, die es unbegrenzt gibt (z.B. Solarstrom) um das Mehrfache teurer ist als das Ausbeuten begrenzter Ressourcen. Hinzu kommt, dass die der Erde über Jahrmillionen entzogene Energie (gespeichert als fossile Energie) in nur wenigen Jahrzehnten ihr massiv zurückgegeben wird. Das heißt, es kommen kaum noch kalkulierbare Ressorcenverbräuche hinzu, die sich in den unsere Lebensgrundlage entziehenden Umweltveränderungen niederschlagen. Wenn - wie öknomisch korrekt definiert - Kosten den Ressourchenverbrauch zur Lesitungserstellung widerspiegeln, dann wären fossile Brennstaoffe kaum noch bezahlbar.

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    Es ist in der Konkurrenzsituation marktwirtschaftlich unvermeidlich, irreversible Schäden zu verursachen, sofern diese nicht (selbst) bezahlt werden müssen.

    Erst müssen alle verbrennbaren Ressourcen vernichtet werden, bevor der Kapitalist umdenken darf. Selbst die Ausrottung der Menschheit wäre jetzt kein Problem, sofern sie erst in hundert Jahren einträte.

    Regulierung oder gar Subventionen sind des Teufels -- so sind sie, unsere Maktgläubigen.

    Das Mineralöl wird in Zukunft -- unabhängig von der Energiefrage -- der chemischen Industrie fehlen. Sei's drum, jetzt verbrennen wir erst mal alles.

    Es ist in der Konkurrenzsituation marktwirtschaftlich unvermeidlich, irreversible Schäden zu verursachen, sofern diese nicht (selbst) bezahlt werden müssen.

    Erst müssen alle verbrennbaren Ressourcen vernichtet werden, bevor der Kapitalist umdenken darf. Selbst die Ausrottung der Menschheit wäre jetzt kein Problem, sofern sie erst in hundert Jahren einträte.

    Regulierung oder gar Subventionen sind des Teufels -- so sind sie, unsere Maktgläubigen.

    Das Mineralöl wird in Zukunft -- unabhängig von der Energiefrage -- der chemischen Industrie fehlen. Sei's drum, jetzt verbrennen wir erst mal alles.

  5. Es ist in der Konkurrenzsituation marktwirtschaftlich unvermeidlich, irreversible Schäden zu verursachen, sofern diese nicht (selbst) bezahlt werden müssen.

    Erst müssen alle verbrennbaren Ressourcen vernichtet werden, bevor der Kapitalist umdenken darf. Selbst die Ausrottung der Menschheit wäre jetzt kein Problem, sofern sie erst in hundert Jahren einträte.

    Regulierung oder gar Subventionen sind des Teufels -- so sind sie, unsere Maktgläubigen.

    Das Mineralöl wird in Zukunft -- unabhängig von der Energiefrage -- der chemischen Industrie fehlen. Sei's drum, jetzt verbrennen wir erst mal alles.

  6. 7. @Azeon

    Was soll denn fehlen.

    Wir verfeuern doch gerade, also müßte das doch jetzt der chemischen Industrie fehlen ?

    Oder verfeuern wir vielleicht was die chemische Industrie nicht braucht.

  7. 8. @ joG

    Na ja, geht man davon aus, dass sich durch Inflation der Wert des Geldes aller 15 Jahre halbiert, die Inflation wird wohl bald wieder ansteigen, wäre es nicht ganz so schlimm. Zusätzlich warten noch die vertraglich abgesicherten ca. 100 Mrd. Euro teuren "Solarunterstützungsabgaben", das knapper werdende Öl, die Klimaerwärmung, mit den daraus steigenden Energiepreisen. Summa summarum wäre eine Verdreifachung der Energiepreise noch moderat.
    Da wir dann aber alle in Plusenergiehäusern leben, werden wir alle glücklich.

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