Bislang richteten sich die Vorwürfe vor allem gegen den britischen Konzern BP . Nun aber werfen neue Berichte die Frage auf, welche Mitschuld den Eigentümer der gekenterten  Plattform Deepwater Horizon , Transocean, an der Ölpest im Golf von Mexiko trifft. Wie die  New York Times berichtet , wussten die Mitarbeiter von Transocean bereits Wochen vor dem Unglück um die Sicherheitsmängel auf der Bohrinsel. Zwar hätten sie versucht, die Probleme auf der Plattform selbst zu lösen. Eine Meldung an das Management von Transocean unterließen sie aber – offenbar aus Angst.

Die Zeitung beruft sich auf zwei Berichte der Lloyd's Register Group, einer auf das Risikomanagement spezialisierten Organisation. Transocean selbst soll sie in Auftrag gegeben haben. Der erste, auf den März 2010 datierte Report behandelt die "Sicherheitskultur" auf der Deepwater Horizon . Darin berichten befragte Mitarbeiter von Transocean von teilweise schwerwiegenden Mängeln auf der Plattform. Das fortlaufende Anzapfen des Ölfeldes sei wichtiger gewesen als geplante Wartungsarbeiten. "Bei einer Laufzeit von neun Jahren war die Deepwater Horizon niemals in einem Trockendock", wird ein Arbeiter zitiert. Ein anderer Mitarbeiter gibt zu Protokoll, die Devise von Transocean sei gewesen: "Lass es laufen, verschleißen und flicke es dann."

Zwar hätten die Mitarbeiter überwiegend das Gefühl gehabt, solche Mängel auf der Plattform selbst ansprechen und beheben zu können. Da das Transocean-Management im texanischen Houston jedoch "Angsttaktiken" anwende, hätten viele Mitarbeiter potentiell "riskante" Situationen lieber verschwiegen. Die Sicherheitsberichte für die Firmenspitze in Houston seien daher verzerrt gewesen, schreiben die Lloyd's-Ermittler.

BP hatte die Deepwater Horizon im Jahr 2001 von Transocean geleast. Die Firma mit Hauptsitz in der Schweiz spielte auch eine wesentliche Rolle beim Betrieb der Plattform: Laut New York Times waren am Tag des Untergangs von den 126 auf der Bohrinsel anwesenden Mitarbeitern 79 von Transocean.

Der zweite Bericht für Transocean, aus dem die Zeitung zitiert, datiert auf den April 2010 und beschäftigt sich mit der Sicherheitstechnik auf der Deepwater Horizon . Auch dieser Report legt nahe, dass Transocean große Risiken in Kauf genommen hat, um Kosten zu sparen. Zahlreiche Schlüsselkomponenten seien seit dem Jahr 2000 nicht vollständig überprüft worden, obwohl die Richtlinien alle drei bis fünf Jahre eine Inspektion vorsahen. Mindestens 26 Komponenten und Systeme auf der Plattform seien in "schlechtem" oder "mangelhaftem" Zustand gewesen, heißt es in dem Bericht – darunter mindestens eine Schlammpumpe und das Messgerät für den Druck in dem Förderrohr. Amerikanische Ermittler vermuten zugleich, dass die Plattform durch eine ungeeignete Bohrflüssigkeit kollabierte, die von Transocean verwendet wurde.

Ein Sprecher von Transocean sagte, an der Deepwater Horizon habe es sieben Jahre lang keinen Störfall gegeben. Die meisten der im Bericht erwähnten defekten Komponenten seien nachrangig gewesen. Zugleich sei das Dichtungssystems am Bohrloch, der sogenannte Blowout Preventer, im vorgegebenen Zeitraum vom Hersteller geprüft worden. Das defekte Ventil gilt als Auslöser der Ölpest im Golf von Mexiko. Im Notfall hätte es eigentlich ein unkontrolliertes Ausströmen des Öls verhindern sollen.

Die Deepwater Horizon war im April nach einer Explosion gesunken. Elf Menschen starben infolge des Unglücks. Seit dem Kentern der Plattform sind vermutlich mehrere Hunderte Millionen Liter Öl ins Meer gelaufen .