Bohrplattform im Golf Mitarbeiter wussten von Mängeln
Zwei Berichte belasten den Eigentümer der "Deepwater Horizon" schwer: Bereits Wochen vor dem Unglück sollen Arbeiter die Mängel bemerkt und aus Angst geschwiegen haben.
© Charlie Neibergall-Pool/Getty Images

Mitarbeiter Mickey Fruge auf einer Bohrplattform im Golf
Bislang richteten sich die Vorwürfe vor allem gegen den britischen Konzern BP . Nun aber werfen neue Berichte die Frage auf, welche Mitschuld den Eigentümer der gekenterten Plattform Deepwater Horizon , Transocean, an der Ölpest im Golf von Mexiko trifft. Wie die New York Times berichtet , wussten die Mitarbeiter von Transocean bereits Wochen vor dem Unglück um die Sicherheitsmängel auf der Bohrinsel. Zwar hätten sie versucht, die Probleme auf der Plattform selbst zu lösen. Eine Meldung an das Management von Transocean unterließen sie aber – offenbar aus Angst.
Die Zeitung beruft sich auf zwei Berichte der Lloyd's Register Group, einer auf das Risikomanagement spezialisierten Organisation. Transocean selbst soll sie in Auftrag gegeben haben. Der erste, auf den März 2010 datierte Report behandelt die "Sicherheitskultur" auf der Deepwater Horizon . Darin berichten befragte Mitarbeiter von Transocean von teilweise schwerwiegenden Mängeln auf der Plattform. Das fortlaufende Anzapfen des Ölfeldes sei wichtiger gewesen als geplante Wartungsarbeiten. "Bei einer Laufzeit von neun Jahren war die Deepwater Horizon niemals in einem Trockendock", wird ein Arbeiter zitiert. Ein anderer Mitarbeiter gibt zu Protokoll, die Devise von Transocean sei gewesen: "Lass es laufen, verschleißen und flicke es dann."
Zwar hätten die Mitarbeiter überwiegend das Gefühl gehabt, solche Mängel auf der Plattform selbst ansprechen und beheben zu können. Da das Transocean-Management im texanischen Houston jedoch "Angsttaktiken" anwende, hätten viele Mitarbeiter potentiell "riskante" Situationen lieber verschwiegen. Die Sicherheitsberichte für die Firmenspitze in Houston seien daher verzerrt gewesen, schreiben die Lloyd's-Ermittler.
BP hatte die Deepwater Horizon im Jahr 2001 von Transocean geleast. Die Firma mit Hauptsitz in der Schweiz spielte auch eine wesentliche Rolle beim Betrieb der Plattform: Laut New York Times waren am Tag des Untergangs von den 126 auf der Bohrinsel anwesenden Mitarbeitern 79 von Transocean.
Der zweite Bericht für Transocean, aus dem die Zeitung zitiert, datiert auf den April 2010 und beschäftigt sich mit der Sicherheitstechnik auf der Deepwater Horizon . Auch dieser Report legt nahe, dass Transocean große Risiken in Kauf genommen hat, um Kosten zu sparen. Zahlreiche Schlüsselkomponenten seien seit dem Jahr 2000 nicht vollständig überprüft worden, obwohl die Richtlinien alle drei bis fünf Jahre eine Inspektion vorsahen. Mindestens 26 Komponenten und Systeme auf der Plattform seien in "schlechtem" oder "mangelhaftem" Zustand gewesen, heißt es in dem Bericht – darunter mindestens eine Schlammpumpe und das Messgerät für den Druck in dem Förderrohr. Amerikanische Ermittler vermuten zugleich, dass die Plattform durch eine ungeeignete Bohrflüssigkeit kollabierte, die von Transocean verwendet wurde.
Ein Sprecher von Transocean sagte, an der Deepwater Horizon habe es sieben Jahre lang keinen Störfall gegeben. Die meisten der im Bericht erwähnten defekten Komponenten seien nachrangig gewesen. Zugleich sei das Dichtungssystems am Bohrloch, der sogenannte Blowout Preventer, im vorgegebenen Zeitraum vom Hersteller geprüft worden. Das defekte Ventil gilt als Auslöser der Ölpest im Golf von Mexiko. Im Notfall hätte es eigentlich ein unkontrolliertes Ausströmen des Öls verhindern sollen.
Die Deepwater Horizon war im April nach einer Explosion gesunken. Elf Menschen starben infolge des Unglücks. Seit dem Kentern der Plattform sind vermutlich mehrere Hunderte Millionen Liter Öl ins Meer gelaufen .
- Datum 22.07.2010 - 13:03 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE
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Schön dass an dieser Stelle so freimütig über das Wissen der kleinen Fische in dieser Sache berichtet wird. Nur welche Konsequenzen ergeben sich daraus? Abgesehen davon, sollte tatsächlich ein Schuldiger oder eine Gruppe Verantwortlicher ausgemacht werden, wie soll man das in Relation zum immer noch nicht absehbaren Schäden setzen?
Ist es darüber hinaus unter Umständen reine Ablenkung wenn man sich derzeit mit dem Blick in die Vergangenheit den Blick nach vorne versperrt? Sind wir überhaupt zutreffend und umfänglich informiert? Ich denke das darf bezweifelt werden. Die Angelegenheit ist von BP aus gutem Grunde auf kleiner Flamme gehalten worden und die US-Regierung hat das ihrige zur Zensur beigetragen, bis hin zu entsprechenden Regeln und Strafen für Berichterstatter die keine Genehmigung hatten.
Sehen wir noch weiter nach vorne. Wenn der Top Kill möglicherweise zum Overkill wurde, was dann? Man kann da einen Deckel auf das Loch setzen und dann zusehen, wie das Öl im näheren Umkreis völlig unkontrolliert aus dem Meeresboden quillt. Wie kann sowas sein? Davon bekommen wir natürlich auch keine Bilder, es wäre ja auch zu hässlich eingestehen zu müssen, rein gar nichts vor Ort im Griff zu haben.
Jetzt, nach Monaten und einer Pleite nach der andern kann man anfangen zu verstehen, warum BP von Anfang an nur auf die Entlastungsbohrungen gesetzt hat, um dem Übel von unten zu begegnen. Weil es auf den oberen Metern offenbar gar nicht kontrollierbar ist und dort nur kosmetische Operationen für die Fernsehkameras und zur Volksberuhigung laufen. Wenn man sich darüber hinaus klarmacht, dass BP ggf. auch mit den Entlastungsbohrungen seine „Erfolgsserie“ fortsetzt, dann wird es einem vor lauter Öl schwarz vor Augen. Will damit sagen, desto mehr daran herumgepfuscht wird, umso größer werden die Chancen, dieses Loch nicht in den Griff zu bekommen. Da bliebe dann nur noch die Abdeichung des Golf von Mexiko.
Etwas bitterer findet man die andere Betrachtung an dieser Stelle: http://qpress.de/2010/06/...
Letztlich bin ich mir noch nicht ganz sicher, ob man wirklich so schlecht denken kann, wie es noch kommen kann! Allein den zwischendurch immer wieder gestreuten positiven Botschaften mag ich nicht tauen. Im Ergebnis haben wir doch seit Monaten nur die Verschiebung etwaiger Erfolge zu vernehmen. Und die Reglementierung der Berichterstattung erinnert an die sogenannte „Saubere Kriegsführung”, da wird zwar auch gemetzelt und gestorben, aber die grauenhaften Bilder werden nicht gezeigt und schon ist das alles nicht mehr so schlimm. Auch hier geht die Frage an die Journalisten, „Wie sieht heute investigativer Journalismus aus?”
Das spricht mir aus der Seele.
Und liebe ZEIT:
Es gab da ein Telefonat mit
dem Zitat "Sind Sie jetzt
zufrieden - sie brennt!"
Das war auch ein eher kleiner
Fisch und am anderen Ende ein
Verantwortlicher...
Und auf den Bericht zu diesem
Zitat warte ich schon seit
Wochen - bislang findet man
das nur im Netz...
Das spricht mir aus der Seele.
Und liebe ZEIT:
Es gab da ein Telefonat mit
dem Zitat "Sind Sie jetzt
zufrieden - sie brennt!"
Das war auch ein eher kleiner
Fisch und am anderen Ende ein
Verantwortlicher...
Und auf den Bericht zu diesem
Zitat warte ich schon seit
Wochen - bislang findet man
das nur im Netz...
Das spricht mir aus der Seele.
Und liebe ZEIT:
Es gab da ein Telefonat mit
dem Zitat "Sind Sie jetzt
zufrieden - sie brennt!"
Das war auch ein eher kleiner
Fisch und am anderen Ende ein
Verantwortlicher...
Und auf den Bericht zu diesem
Zitat warte ich schon seit
Wochen - bislang findet man
das nur im Netz...
Oder wie muss man die Grafik interpretieren? Der einzige Fleck, dem ich den Farbton "Erhebliche Verschmutzung" zuordnen kann - ist Berlin. ;-)
Dazu die hörenswerte Deurschlandfunk Reportage "Profit um jeden Preis" die als Artikel und als Podcast verfügbar ist
http://www.dradio.de/dlf/...
Besten Gruß
Joern
Die Presse schreit nach dem Kopf des BP-Chefs, doch jetzt, wo der Fall vor den Kadi kommt, sieht die Sache etwas anders aus. Juristisch gesehen sind Bohrinseln ja überhaupt keine Inseln, sondern in offener See verankerte Schiffe, mit einem Kapitän und einer Mannschaft. Das Schiff gehört im vorliegenden Fall der Schweizer Firma Transocean, die die alleinige juristische Verantwortung für die fahrlässige Bohrung trägt, die zum Tod mehrerer Mannschaftsmitglieder führte, egal welche Ölfirma zufällig ihr Auftraggeber war.
Fünf Angehörige der Transocean-Mannschaft, darunter der aus 30 Meter Höhe abgesprungene Kapitän, müssen sich jetzt vor dem Gericht wegen diverser Delikte, darunter fahrlässige Tötung, verantworten.
wie wärs hiermit? - die offiziellen Analysen von BP über den Meeresboden und die Gefahren des Bohrens für Umwelt & Tiere, inklusive der Auflistung der Tiere, die davon betroffen werden können, wenn man dort bohrt:
http://www.biologicaldive...
http://www.gomr.mms.gov/P...
und hier der Bericht eines Forschungsschiffes, dass am 3.Juni 2010 eine Untersuchung des Meeresbodens vorgenommen hat:
http://www.noaa.gov/scien...
Zusammengefasst: Man hat bereits zu diesem Zeitpunkt eine seltsame Ölverteilung gefunden, die darauf schließen lässt, dass es womöglich aus mehreren Löchern bzw. Spalten sprudelt.
Also wenn wir schon bei verschwiegenen Risiken und Fakten sind, dann bitte auch alles. Schade dass sowas nicht von einem investigativen Journalisten der Zeit näher untersucht wird...gebt euch mal 'nen Ruck, die Wahrheit ist nicht der Weltuntergang, es ist einfach nur fair, auch wenns manchen Leuten im Geldbeutel oder am Ego weh tut.
Gestern in den Nachrichten (n-tv) um 21Uhr:
Der schlimme Fotoshop-Faker hat an den Bildschirmen herummanipuliert, wie schrecklich, dafür muss BP bestraft werden. Zum Fortschritt: Das Loch ist gestopft, man hofft, dass der Druck sich nicht erhöht und das Öl eventuell an anderen Stellen wieder austritt. Ganz nebenbei sagte der Sprecher "es gibt bereits 5 dieser Austrittsstellen".
Wenigstens einer hat die Cohones zu sagen, dass da mehr schief gegangen ist als dieses eine Loch...wenn auch nur zaghaft und ohne weitere Details, aber besser als nichts.
Das Ausmaß dieser Katastrophe ist damit glaube ich über jede Herunterspielung erhaben, oder?
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