Wachstum Deutschlands Konzerne verdienen wieder prächtigSeite 2/2

Doch dieser auslandsgetriebene Boom lässt sich nicht in die Zukunft fortschreiben. Viele Unternehmen profitieren von Sondereffekten. Adidas beispielsweise half die Fußball-WM. Etwas Vergleichbares ist erst einmal nicht in Sicht. Im Gegenteil: Vorboten einer schwächeren Konjunktur in den USA, der größten Volkswirtschaft, dämpfen den Optimismus vieler Firmenmanager. Zudem laufen die staatlichen Förderprogramme für die einst angeschlagene Wirtschaft aus. Das verringert künftige Investitionen und Sanierungen öffentlicher Gebäude. Die Sparprogramme vieler Regierungen lassen einen schwächeren Konsum befürchten.

Obendrein versuchen die Staaten, ihre Einnahmen zu erhöhen, indem sie Steuern heraufsetzen und neue Abgaben erfinden. Einen Vorgeschmack darauf erhalten ausgerechnet die erfolgsverwöhnten Versorger. Die Bundesregierung will mit ihrer Brennelementesteuer jährlich 2,3 Milliarden Euro einnehmen. Analysten kappen deshalb die Gewinnprognosen. JP Morgan errechnet für Eon ab 2011 jährliche Belastungen von 950 Millionen Euro und für RWE von 650 Millionen Euro.

Doch selbst im günstigsten Fall, wenn also die Konjunktur im zweiten Halbjahr wider Erwarten gar nicht schwächeln sollte, "wird sich das Wachstum bei den Firmengewinnen abschwächen", sagt Steffen Neumann von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Ursache dafür sind allein schon die rechnerischen Effekte.

Im ersten Quartal steigerten die 110 größten deutschen Konzerne ihre Nettogewinne um 191 Prozent, errechnete die LBBW. Zu Jahresanfang verglichen sich die Unternehmen noch mit den miserablen Erträgen aus den Wintermonaten des Rezessionsjahres 2009. Damals verdienten alle Unternehmen zusammen nur 6,3 Milliarden Euro.

Niedrige Vergleichszahlen ermöglichen also hohe Zuwachsraten. Im zweiten Quartal dürften die Nettogewinne noch um fast 100 Prozent zulegen – in den beiden Schlussquartalen aber weit weniger als um 50 Prozent. Ab Frühjahr 2009 ging es mit der Wirtschaft und den Erträgen rasant bergauf. Im Herbst war die Rezession bereits Vergangenheit. Deshalb liegt nun die Messlatte in jedem Quartal immer höher.

Insgesamt dürften Deutschlands Unternehmen im zweiten Boomquartal 2010 gut 16 Milliarden Euro eingefahren haben. Das ist so viel wie in den besten Phasen früherer Boomjahre. Das legt den Schluss nahe: Prozentual zwei-, drei- oder gar vierstellige Steigerungsraten wird es so schnell nicht wieder geben.

(Zuerst erschienen im Handelsblatt vom 30. Juli 2010)

 
Leser-Kommentare
  1. gerade die autoindustrie hat durch werkverträge, gründung hauseigener leiharbeitsfirmen und strategisch genutzte leiharbeiter so viele gewinne erzielt!

    jetzt gibt es keine ausreden mehr für lohndumping! auch wäre es gerecht, wenn anteile des gewinns zurück an den steuerzahler gehen, da er mit seinem geld die ganzen geringverdiener auf algII-niveau aufstocken musste!!

  2. Da wird ja bald der Ruf erschallen, um die Gewinne zu stabilisieren, Opfer von den Mitarbeitern zu verlangen und die Lohnnebenkosten von dem Arbeitgeberanteil für die Krankenversicherung von den Arbeitnehmern alleine zahlen zu lassen. Minister Rösler ist ja bereits bei der "Arbeit".
    Erst wenn die Mitarbeiter Lebensmittelgutscheine klaglos akzeptieren ist das Ideal für die Konzerne erreicht.
    Da Ideale aber nicht erreicht werden, genügt Lohndumping und Angsterzeugung um die Arbeitsplätze zunächst erst einmal aus.....

    • iDog
    • 02.08.2010 um 15:58 Uhr

    wenn der aktionaer dann eine schoene dividende ausgeschuettet bekommt, kann uns ja egal sein, was dem rest der bevölkerung oder dem rest der menschheit so passiert.

    zur not werden die anderen eben als soldaten ins feld geschickt. helden werden immer gebraucht , um die rechtfertigung für unmenschlichen kriegseinsaetze mit ihrem tod zu bezahlen ... auf allen seiten.

    und was ist mit systematischen loesungen, globalen loesungen, friedlichen loesung ? pustkuchen ... aha ... ist ja auch logisch, damit wir hier weiter im wirtschaftsimperialismus baden gehen koennen, muessen woanders selbstverstaendlich bomben fallen.

    armes deutschland - hat sich selbst verraten und verkauft - mal wieder.

    moussolini sagt: Faschismus ist der schulterschluss von regierung und wirtschaft. na, der muss es wohl gewusst haben.

    frohes wettruesten noch. die BRD liegt weltweit auf platz 3 der ruestungsindustrienationen. herzlichen glueckwunsch an die kriegstreiber in den grosskonzernenn, bankhaeusern und regierungen der "demokratischen" welt.

    ach sie haben nicht für krieg gestimmt? komisch ...

  3. bei einigen wenigen angekommen!

    Ist doch schön!

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