Militärtransporter Bestellerländer rücken vom A400M ab

Deutschland, Spanien und Co. müssen sparen – und könnten deshalb weniger Militärtransporter ordern als geplant. Airbus warnt vor dem endgültigen Aus des A400M.

Streitfall A400M: Der Militärtransporter sorgt für neuen Ärger zwischen EADS/ Airbus und den Bestellnationen

Streitfall A400M: Der Militärtransporter sorgt für neuen Ärger zwischen EADS/ Airbus und den Bestellnationen

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa wollen die sieben Bestellernationen noch mehr Maschinen vom Typ A400M abbestellen als ohnehin bislang geplant. In dem Fall würden sie weniger als die zuletzt vereinbarten 170 Flugzeuge kaufen. Alle Nationen überdächten gerade die auf sie entfallenden Stückzahlen, hieß es demnach in Verhandlungskreisen. Der Spardruck sei wegen der angespannten Haushalte in allen Ländern hoch.

Der A400M gilt als Prestigeprojekt für den Airbus-Mutterkonzern EADS . Eigentlich sollte der A400M bereits seit vergangenem Oktober im Einsatz sein. Wegen Problemen mit der Motortechnik ist EADS/Airbus aber mindestens vier Jahre im Verzug. Dadurch entstehen Mehrkosten in Höhe von 5,2 Milliarden Euro. Monatelang hatten Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien, Belgien, Luxemburg und die Türkei mit dem Konzern über die Übernahme der Mehrkosten gestritten. Im März schließlich einigten sie sich : Die Vertragsstaaten übernehmen 3,5 Milliarden Euro der veranschlagten Mehrkosten, 1,5 Milliarden Euro davon in Form von Kreditbürgschaften.

Anzeige

Doch die Verhandlungen sind noch nicht abgeschlossen. Derzeit geht es um die endgültigen Lieferverträge und Stückzahlen für die jeweiligen Länder. In diesen Gesprächen stand offenbar auch die im März vereinbarte Gesamtorder erneut zur Disposition. Sie erlaubte es den Bestellnationen, die A400M-Stückzahl insgesamt um bis zu 10 Maschinen zu reduzieren, also nicht mehr die ursprünglichen 180, sondern nur noch 170 Maschinen zu bestellen. Auch diese Marke könnte nun fallen. Weitere komplizierte Verhandlungen über die Aufteilung der Kosten wären die Folge.

Schon warnt die EADS-Tochter Airbus vor dem  Scheitern des gesamten Projekts. "Bei unter 170 Fliegern hat das A400M-Programm keine wirtschaftliche Grundlage mehr", sagte Airbus-Sprecher Rainer Ohler.

Offen ist aber noch, wer wie viel abbestellt. Großbritannien hat bereits angekündigt, seine Bestellung um drei Flugzeuge zu kürzen, um seinen Beitrag zum Rettungspaket für den A400M zu leisten. Damit haben die übrigen Staaten nur noch Spielraum für die Abbestellung von sieben Flugzeugen.

Deutschland wollte ursprünglich 60 Maschinen für die Bundeswehr anschaffen und hatte dann im März eine geringfügige Reduzierung angekündigt. Eine genaue Zahl nannte die Bundesregierung auch jetzt nicht. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, die Vertragsverhandlungen dauerten an. "Der Umfang einer möglichen Reduzierung der Stückzahlen steht derzeit nicht fest."

Wann die Verhandlungen abgeschlossen sein sollen, ist ebenfalls unklar. Das Ministerium nannte keine Frist. EADS-Chef Louis Gallois sprach zuletzt vom Jahresende. Dann soll Klarheit über Haushaltslage und Spielräume der Bestellnationen herrschen.

Ginge es nach dem Koalitionspartner FDP, würde die schwarz-gelbe Bundesregierung deutlich weniger der Prestige-Flieger ordern. "Die vom Bundesrechnungshof vorgeschlagenen 40 Stück des A400M sind wesentlich realistischer als die geplanten 60", sagte Fraktionsvize Jürgen Koppelin. Seine Partei erwarte bis zu den Haushaltsberatungen für den Etat 2011 konkrete Ergebnisse zur Anzahl der zu beschaffenden Transportflugzeuge sowie völlige Klarheit über die Gesamtkosten. "Sollte es keine Klarheit geben, muss daraus auch bei den Haushaltsberatungen Konsequenzen gezogen werden", forderte Koppelin.

 
Leser-Kommentare
  1. Vielleicht kann man diesen völlig überteuerten aber völlig ungeeigneten Vogel doch noch abschießen!

    Selbst die teuersten Alternativen kosten lediglich die Hälfte... und das bei ausgereiften Flugzeugen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 07.08.2010 um 10:28 Uhr

    ....verkündet, dass man einen Deal hatte. Nun soll der Vertrag doch nicht gelten? Was ist da genau geschehen. Wurde der Wähler falsch informiert?

    • joG
    • 07.08.2010 um 10:28 Uhr

    ....verkündet, dass man einen Deal hatte. Nun soll der Vertrag doch nicht gelten? Was ist da genau geschehen. Wurde der Wähler falsch informiert?

  2. Wir brauchen ganz dringend jede Menge Transportflugzeuge, die 3.100 km ohne Zwischenlandung fliegen können, um unser Land zu verteidigen.
    Am Hindukusch oder sonstwo.
    Vielleicht kommt noch jemand auf die verrückte Idee, das eingesparte Geld in Aus- und Weiterbildung umzuleiten?!
    Wie soll denn da am deutschen Wesen die Welt genesen?

  3. Klasse! Ohne den Militärtransporter gibt es weniger Kriege in der Welt!

  4. Es würde die fernen Kriege befeuern, sonst gar nichts! Besser und billiger wäre es mit den Russen zusammen so ein Ding zu bauen, das auch für zivile Zwecke zu bezahlen sein würde.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    mit denen die Bundeswehr ihre Materialien von Leipzig aus fliegen lässt, passt fast doppelt soviel rein (auch gewichtsmässig) wie in die kleinen AM400, die nicht mal einen Leo2 wegfliegen kann, während die Antonow fast mit 2 Stück abheben könnte.

    Nun braucht man in der neuen Aufgabenwelt der Bundeswehr sicher nicht unbedingt die Leos verlegen, aber auch anderes wichtige Großgerät ist für die AM400 noch zu voluminös oder zu schwer, um dieses einigermassen kostenoptimiert zu transportieren.

    Da waren die russischen Transporter immer schon um Längen besser.

    Die Frage bleibt, wie das Lastenheft entworfen wurde, was davon übriggeblieben bzw. verändert ist und was AirBus davon umsetzen konnte (und wollte).

    Was nützt (empfindliches) HighTech zu Höchstpreisen, wenn es erst gar nicht abhebt und zu wenig aufnehmen kann für die Bedürfnisse europäischer Militärs?

    Von Sinn und Zweck des Ganzen mal ganz abgesehen.

    mit denen die Bundeswehr ihre Materialien von Leipzig aus fliegen lässt, passt fast doppelt soviel rein (auch gewichtsmässig) wie in die kleinen AM400, die nicht mal einen Leo2 wegfliegen kann, während die Antonow fast mit 2 Stück abheben könnte.

    Nun braucht man in der neuen Aufgabenwelt der Bundeswehr sicher nicht unbedingt die Leos verlegen, aber auch anderes wichtige Großgerät ist für die AM400 noch zu voluminös oder zu schwer, um dieses einigermassen kostenoptimiert zu transportieren.

    Da waren die russischen Transporter immer schon um Längen besser.

    Die Frage bleibt, wie das Lastenheft entworfen wurde, was davon übriggeblieben bzw. verändert ist und was AirBus davon umsetzen konnte (und wollte).

    Was nützt (empfindliches) HighTech zu Höchstpreisen, wenn es erst gar nicht abhebt und zu wenig aufnehmen kann für die Bedürfnisse europäischer Militärs?

    Von Sinn und Zweck des Ganzen mal ganz abgesehen.

  5. mit denen die Bundeswehr ihre Materialien von Leipzig aus fliegen lässt, passt fast doppelt soviel rein (auch gewichtsmässig) wie in die kleinen AM400, die nicht mal einen Leo2 wegfliegen kann, während die Antonow fast mit 2 Stück abheben könnte.

    Nun braucht man in der neuen Aufgabenwelt der Bundeswehr sicher nicht unbedingt die Leos verlegen, aber auch anderes wichtige Großgerät ist für die AM400 noch zu voluminös oder zu schwer, um dieses einigermassen kostenoptimiert zu transportieren.

    Da waren die russischen Transporter immer schon um Längen besser.

    Die Frage bleibt, wie das Lastenheft entworfen wurde, was davon übriggeblieben bzw. verändert ist und was AirBus davon umsetzen konnte (und wollte).

    Was nützt (empfindliches) HighTech zu Höchstpreisen, wenn es erst gar nicht abhebt und zu wenig aufnehmen kann für die Bedürfnisse europäischer Militärs?

    Von Sinn und Zweck des Ganzen mal ganz abgesehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    zwischen der An-124 und A400M liegen Welten. die Zivile Version der An-124 kann 4x und die Militärische 5x soviel transportieren wie die a400m, dass gleiche beim Frachtraum, dieser ist 4x so groß.

    zwischen der An-124 und A400M liegen Welten. die Zivile Version der An-124 kann 4x und die Militärische 5x soviel transportieren wie die a400m, dass gleiche beim Frachtraum, dieser ist 4x so groß.

    • Harzer
    • 07.08.2010 um 0:40 Uhr

    ...Seit Ende 1997 zog die Bundeswehr in Betracht, einige Antonow An-70 zum Ausbau der Langstreckentransportkapazitäten zu beschaffen, die durch das bisherige Transportflugzeug Transall nicht mehr bewältigt werden können. Auf massiven Druck des NATO-Partners USA hin und aus dem Wunsch, eine europäische Autarkie bei der Neubeschaffung von Wehrtechnik zu erreichen, wurde schließlich Airbus mit der Konstruktion der Airbus A400M beauftragt....

  6. "Der A400M gilt als Prestigeprojekt für den Airbus-Mutterkonzern EADS."

    "Wegen Problemen mit der Motortechnik ist EADS/Airbus aber mindestens vier Jahre im Verzug."

    Bin ich der einzige, der irgendwie einen "leichten" Widerspruch zwischen diesen beiden Aussagen sieht...? ;-)

  7. Airbus hatte 2003 für den A400M eine vertragliche Zusicherung von 20 Mio pro Stück gegeben ( http://stefanroock.wordpr...! ).

    Das war sicherlich ziemlich leichtfertig. Der Stückpreis eines Flugzeugs hängt ja sowohl von einem klaren und auch fixierten Lastenheft ab als auch von einer festgeschriebenen Stückzahl.

    Sowohl Airbus als auch die Militärs der Auftrag erteilenden Länder haben hier bei Vertragsabschluß aller Wahrscheinlichkeit nach sich in einem Wolkenkuckucksheim befunden. Airbus war sich offenbar nicht ganz im klaren über die technischen Implikationen. Aber das Militär wußte wohl auch nicht, was es denn eigentlich möchte.

    Es wäre eine interessante Recherche der Journalisten herauszufinden, was denn von dem ursprünglichen Lastenheft noch übrig geblieben ist.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service