Modell des geplanten Stuttgarter Hauptbahnhofs. Der Schienenverkehr wird unter die Erde verlegt © dpa

In dem Gutachten für das Umweltbundesamt (UBA) heißt es, die Infrastrukturpolitik müsse "grundlegend umgestaltet" werden und diese Kehrtwende dulde "keinen weiteren Aufschub". Ohne "Verzicht auf die Prestigeprojekte" beim Schienenbau seien "die sinnvollen Vorhaben nicht einmal bis 2030 finanzierbar".

Das Gutachten liegt der ZEIT vor. Die Gutachter empfehlen auf das umstrittene Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 zu verzichten. Es müsse "umgehend gestoppt werden", unter anderem weil es "kein Nadelöhr beseitigt, sondern neue schafft", so die Studie. "Konzeptionell falsch" sei ebenfalls die Schnellfahrstrecke von Wendlingen nach Ulm. Auch der ICE-Strecke von Nürnberg über Erfurt nach Halle und Leipzig fehle "jegliche Legitimation". Dem Güterverkehr auf der Schiene, der über ein hohes Wachstumspotential verfüge, nutzten diese Investitionsvorhaben praktisch nicht; sie allein beanspruchten aber Bundesmittel in Höhe von elf Milliarden Euro.

Die gleiche Summe sei erforderlich, um die Leistungsfähigkeit des gegenüber der Straße umweltverträglichen Schienengüterverkehrs ungefähr zu verdoppeln. In Zukunft solle deshalb bei jedem Investitionsvorhaben geprüft werden, ob es dem Frachtverkehr auf der Schiene nutze, heiße es in der UBA-Studie. Davon profitiere auch der Schienenpersonennahverkehr.

Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, fordert in der ZEIT, die Investitionen ins Schienennetz in Zukunft "in erster Linie am Bedarf und an den Zielen des Umwelt- und Klimaschutzes" zu orientieren. Alternativ ließen sich die Mittel für den notwendigen Ausbau des Schienengüterverkehrs durch "Verzicht auf unnötige Straßenbauprojekte" erwirtschaften oder durch "Erhöhung der Lkw-Maut", so der UBA-Präsident.