PR-Kampagne Atomstreit spaltet deutsche WirtschaftSeite 2/2

Vor allem aber verweigert Siemens seine Unterstützung, einer der größten europäischen Technologiekonzerne. In einem offiziellen Statement anlässlich der jüngsten PR-Kampagne lässt der Konzern mitteilen, dass man sich im "direkten Austausch und Gespräch mit der Politik" an der Diskussion beteilige. Im Klartext: Eine Anzeigenkampagne braucht Siemens-Chef Peter Löscher nicht.

Und überhaupt: Derzeit werde zu sehr über "Lenkungsaspekte und fiskalische Zielsetzungen" diskutiert als über "wünschenswerte und erforderliche konzeptionelle und langfristige Überlegungen zur Gestaltung einer ausgewogenen, nachhaltigen und innovativen Energieversorgung am Standort Deutschland", so der Konzern.

Der wahre Hintergrund für die Zurückhaltung bei Siemens ist nach Auffassung von Branchenkennern ganz einfach: Das Unternehmen fürchtet um zwei wichtige Geschäftsfelder: um den Bau neuer, effizienter Kohlekraftwerke und um seine Sparte erneuerbare Energien. Beide sind unmittelbar von einer Laufzeitverlängerung der AKWs betroffen. Zurzeit liegen wegen der unklaren Investitionsverhältnisse zahlreiche Pläne für Kohlekraftwerke brach.

Würden die Atommeiler noch länger am Netz bleiben, gebe es noch weniger Handlungs- und Investitionsdruck für Stromversorger, ihre Altanlagen abzuschalten und in neue Kohlemeiler zu investieren. Ähnlich sieht es in der Sparte erneuerbare Energien aus, einem Zukunftssegment des Konzerns: Mit Umwelttechnologien erwirtschaften die Münchner einen immer größeren Anteil ihres Umsatzes. Siemens stellt mittlerweile weltweit seine Windräder auf.

Auch der Mittelstand, von der Bundesregierung gerne als " Rückgrat der deutschen Wirtschaft " bezeichnet, kann sich für den Appell der Atomkonzerne nicht erwärmen. Ein Sprecher des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) betont: "Für uns sprechen die nicht." Der VKU, der 1400 Stadtwerke und regionale Stromkonzerne vertritt, sieht sich selbst als "energiewirtschaftlicher Mittelstand" und tritt für eine dezentrale Energieversorgung ein.

Das ist der Gegenentwurf zu den vier Oligopolisten, die ihre marktbeherrschende Stellung verteidigen. "Es geht bei der Erstellung des Nationalen Energiekonzepts auch darum, den Ausbau der erneuerbaren Energien in dezentralen Strukturen industriepolitisch sicherzustellen", betont VKU-Hauptgeschäftsführer Hans-Joachim Reck. 

Auffallend still ist es noch an anderer Stelle: bei so manchem Windkraft- und Solaranlagen-Hersteller. Die Firmen schicken in der aktuellen politischen Debatte lieber ihre Bundesverbände vor, um gegen die Laufzeitverlängerung zu kämpfen. Kaum ein Unternehmen mag sich namentlich in der Presse zum Atomstreit äußern. Der Grund ist nahe liegend und wird von Branchenkennern bestätigt: Die Firmen fürchten um ihre Aufträge.

Schließlich gehören die Ökostrom-Sparten der vier großen Stromkonzerne inzwischen zu wichtigen Auftraggebern. RWE Innogy vergibt etwa Aufträge an den Windkraftanlagen-Spezialisten Repower und kooperiert mit dem Solaranlagen-Spezialisten Solar Millenium beim Bau des Solarkraftwerks Andasol in Spanien.
 

 
Leser-Kommentare
    • CM
    • 23.08.2010 um 17:45 Uhr

    Die öffentliche Diskussion und Merkels Schautermine vor Windrädern lenken nur davon ab, daß die Entscheidung längst gefallen ist.

    Frau Merkel und ihre Komplizen haben unsere Sicherheit und die Zukunft der Energieversorgung an die Atommafia verscherbelt.

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    • joG
    • 23.08.2010 um 18:48 Uhr

    ....Stromkosten im Auge und wollen sie senken, wenn sie nicht zu viel abgreifen mit ihrer Steuer. Dann wäre für die Verbraucher nichts mehr übrig.

    "Frau Merkel und ihre Komplizen haben unsere Sicherheit und die Zukunft der Energieversorgung an die Atommafia verscherbelt.

    "

    als ob Rot-Grün keine Lobby Politik umsetzen würden. die SPD ist doch die übelste Lobby-Clique überhaupt.
    Und Autofahren ist unsicherer als neben einem deutschen Atomkraftwerk zu wohnen.
    Desweiteren wüste ich mal gerne welchen Verbrechens sich RWE EON usw. schuldig gemacht haben das man sie als Maffia bezeichnen darf.

    • joG
    • 23.08.2010 um 18:48 Uhr

    ....Stromkosten im Auge und wollen sie senken, wenn sie nicht zu viel abgreifen mit ihrer Steuer. Dann wäre für die Verbraucher nichts mehr übrig.

    "Frau Merkel und ihre Komplizen haben unsere Sicherheit und die Zukunft der Energieversorgung an die Atommafia verscherbelt.

    "

    als ob Rot-Grün keine Lobby Politik umsetzen würden. die SPD ist doch die übelste Lobby-Clique überhaupt.
    Und Autofahren ist unsicherer als neben einem deutschen Atomkraftwerk zu wohnen.
    Desweiteren wüste ich mal gerne welchen Verbrechens sich RWE EON usw. schuldig gemacht haben das man sie als Maffia bezeichnen darf.

  1. Bei diesem mir hoch willkommenen Beitrag, der endlich einmal den bornierten Betonköpfen ihr Meinungsdiktat streitig macht, fehlt mir eine kleine polemische Recherche. Die Frage nämlich, auf welcher Seite kreative Intelligenz und auf welcher fettbäuchige Geldgier überwiegen. Welche Seite will und kann Deutschland voranbringen und welche will es nur kahl fressen?

  2. geht, verabschieden wir uns aus der Industrie-Nation.
    Jetzt könnte der Morgenthau-Plan aktiviert werden.

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