Im Zusammenhang mit Vorwürfen wegen sexueller Belästigung ist der Chef des US-Computerherstellers Hewlett-Packard (HP), Mark Hurd, zurückgetreten. Hurd werde seinen Posten an der Spitze des Unternehmens "mit sofortiger Wirkung" aufgeben, teilte das Unternehmen am Freitag mit. Bis das Unternehmen einen neuen Chef bestimmt, wird die HP-Finanzchefin Cathie Lesjak das Unternehmen führen.

HP hatte eine externe Kanzlei Vorwürfe prüfen lassen, wonach Hurd die Unternehmensregeln gegen sexuelle Belästigung beim Umgang mit einer früheren Angestellten eines Subunternehmens verletzt haben soll. Die Untersuchung habe ergeben, dass dies nicht der Fall gewesen sei, teilte HP mit. Hurd habe aber gegen den Verhaltenskodex von HP für Geschäftsbeziehungen verstoßen.

Nach Angaben des Leiters der Justizabteilung von HP, Michael Holston, hatte die in der Marketingabteilung arbeitende Mitarbeiterin des Subunternehmens Hurd vor einigen Wochen des sexuellen Missbrauchs bezichtigt. Bei den Nachforschungen sei herausgekommen, dass der 53-Jährige eine "enge private Beziehung" zu der Frau unterhalten, diese aber nicht öffentlich gemacht habe. Offenbar machte Hurd der Frau Geschenke, die er dann als Spesen abrechnete. Die Belästigungsvorwürfe soll die Frau nach dem Ende der Affäre erhoben haben.

Die Frau habe Vergütungen oder Kostenerstattungen erhalten, die nicht im Zusammenhang mit einer Tätigkeit für das Unternehmen gestanden hätten, sagte Holston. Hurd habe zudem Rechnungen eingereicht, mit denen er versucht habe, die "wahre Natur seiner Beziehung" zu der Frau zu verschleiern.

"Als Vorstandsvorsitzender schummelt man nicht bei den Ausgaben", sagte der Analyst Rob Enderle. "Wenn er selber gezahlt hätte, wäre er jetzt noch da."

Hurd selbst teilte in einer Stellungnahme mit, es habe Momente gegeben, in denen er die "Prinzipien Vertrauen, Respekt und Integrität", die HP auszeichneten und die ihn in seiner Karriere angeleitet hätten, missachtet habe. Sein Rücktritt nach fünf Jahren an der Unternehmensspitze sei eine "schmerzhafte Entscheidung", aber die einzig richtige.

Im vergangenen Jahr soll er insgesamt rund 24 Millionen Dollar (18 Millionen Euro) verdient haben. Einem bei der Börsenaufsicht eingereichten Papier zufolge soll er eine Abfindung in Höhe von 12,2 Millionen Dollar erhalten. Hurd war 2005 direkt als Vorstandschef in das Unternehmen eingestiegen. 2007 wurde er zudem Chef des HP-Verwaltungsrates. Seine Vorgängerin, Patricia Dunn, hatte wegen einer Bespitzelungsaffäre zurücktreten müssen. Während seiner Zeit im Konzern senkte er massiv die Kosten und sorgte dafür, dass sich HP breiter im Dienstleistungsmarkt aufstellte. Dies erreichte er durch Zukäufe, wie den von IT-Dienstleister EDS für knapp 14 Milliarden Dollar. In den fünf Jahren unter Hurd hat sich der Wert der HP-Aktie mehr als verdoppelt.

Analysten zeigten sich von der Nachricht geschockt. HP-Papiere fielen nachbörslich um zehn Prozent. HP ist auf Umsatzbasis der weltgrößte Technologiekonzern und spielt eine wichtige Rolle auf dem Markt für Computer, Server, Dienstleistungen und Drucker. Viele Fachleute machen sich Sorgen um die Nachfolge. "Es wird eine beträchtliche Lücke an der Führungsspitze des Unternehmens entstehen", sagte Analyst Jeffrey Fidacaro von Susquehanna Financial.

Um dem Markt zu versichern, dass sich die Querelen nicht auf das Geschäft ausgewirkt haben, erhöhte HP gleich am Freitag noch seine Jahresprognose. Der 1939 im kalifornischen Palo Alto gegründete Konzern rechnet jetzt mit einem Gewinn je Aktie zwischen 4,49 und 4,51 Dollar im laufenden Geschäftsjahr. Zuvor war das Unternehmen von einem Überschuss je Anteilsschein zwischen 4,45 und 4,50 Dollar ausgegangen. Im abgelaufenen dritten Quartal war der Umsatz um elf Prozent auf 30,7 Milliarden Dollar gestiegen. Der Gewinn je Aktie lag bei 1,08 Dollar.

HP ist der weltweit größte Computerhersteller und beschäftigt 300.000 Angestellte.