Mobilfunk Infineon verkauft Handysparte an Intel
Für 1,4 Milliarden Dollar übernimmt der US-Technologiekonzern Intel die Handysparte von Infineon. Über den Verkauf war seit Monaten spekuliert worden.
Die Amerikaner zahlen für die Handychipsparte umgerechnet 1,1 Milliarden Euro in bar, wie das Unternehmen aus Neubiberg am Montag mitteilte. Die Transaktion soll bis Ende März abgeschlossen sein. Infineon-Chef Peter Bauer sagte, der Verkauf sei eine strategische Entscheidung, damit sich sein Haus künftig stärker auf die verbleibenden Geschäfte mit Auto- und Industrieelektronik sowie Chipkartentechnik konzentrieren könne. "Alle Seiten profitieren stark von dieser Transaktion." Wireless Solutions (WLS) sei auch unter Intel in der Lage weiterzuwachsen.
Die Sparte WLS werde als eigenständige Geschäftseinheit agieren und seine Bestandskunden weiter bedienen, hieß es. Intel werde die Technik in seine Angebote integrieren. "Der weltweite Bedarf an Wireless-Lösungen wächst weiterhin mit außergewöhnlicher Geschwindigkeit", sagte Intel-Chef Paul Otellini. "Da immer mehr Geräte über Computing-Funktionen und Internetzugang verfügen, sind wir überzeugt davon, dass Intel gut positioniert ist, um das Wachstumspotenzial in jedem Computing-Segment zu nutzen – von Laptops bis zu mobilen Endgeräten."
Die beiden Konzerne hatten seit Monaten über den Kauf verhandelt. Bis zuletzt war allerdings unklar, ob Infineon die Sparte, die mit gut einer Milliarde Euro rund ein Drittel des Konzernumsatzes liefert, komplett verkauft oder sich vorerst nur von einem Anteil trennt.
Die Infineon-Mobilfunkchipsparte hatte jahrelang Verluste geschrieben, ehe Konzernchef Bauer sie beharrlich sanierte. Im laufenden Quartal wird sie seinen Angaben zufolge zum größten Umsatzbringer von Infineon aufsteigen. Zuletzt erreichte das Segment, das unter anderem Nokia , Samsung und Apple beliefert, eine operative Rendite von etwa sieben Prozent.
Mit dem Verkauf der Sparte vermeidet Infineon weitgehend, im harten Konkurrenzkampf im Mobilfunkgeschäft ins Hintertreffen zu geraten. Branchenexperten hatten gefordert, dass sich der Konzern stärker auf seine Hauptabsatzmärkte Autobau und Industrie konzentriert. Die Einnahmen aus der Trennung lassen die Investoren nun auf eine Dividendenausschüttung hoffen. Diese hatte die Konzernspitze zuletzt wegen der hohen Barbestände immer wieder angedeutet.
Intel steigt mit der Akquisition in den boomenden Markt für Handys und Smartphones ein, auf dem die US-Firma bislang nur schwach vertreten ist. Intel setzt zudem seine Einkaufstour fort: Erst vor eineinhalb Wochen hatte der Konzern die Übernahme des US-Anti-Virensoftwarespezialisten McAfee für 7,7 Milliarden Dollar angekündigt.
Infineon war in die Schlagzeilen geraten, als Finanzvorstand Marco Schröter den Konzern wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die künftige Geschäftspolitik" verließ. Zu Jahresbeginn hatte ein beispielloser Machtkampf um die Spitze des Aufsichtsrats auf der Hauptversammlung im Februar Wellen geschlagen.
- Datum 30.08.2010 - 11:51 Uhr
- Quelle dpa, Reuters, AFP
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.... wieder zerlegt sich ein deutsches Unternehmen selbst, weil es im internationlen Wettbewerb nicht glaubt mithalten zu können und alle klatschen Beifall, weil eine schöne Rendite in Form einer Dividende gibt. Erinnert mich ein bisschen an Hoechst, auch eine deutsche "Erfolgsgeschichte" sondergleichen.
wieder hoffen die Infineon Investoren auf eine Divendenausschüttung, um die zufließenden Barbestände "zu heben". Es bleiben nun Industrie- und Autokundensegmente, die bedient werden. Hier ist die Chipproduktion auch stark von einer Softwareimplementierung abhängig. Wenn hier nicht vernünftige Mittel zufließen, wird der Infineon Rest sich weiter zurechtschrumpfen, um dann als Abwicklungsmasse in Teilen vielleicht bei Bosch und Siemens zu landen. Für den Maschinenbau ist es nicht ungefährlich, wenn mehr und mehr "Maschinensteuerungsintelligenz" abwandert. Zwar kann und wird zugekauft werden, aber es wird mehr und mehr der "Rest" auch leider von anderen Unternehmen besser beherrschbar. Auch Autos können heute immer mehr Nationen bauen und ebenfalls Industrieprodukte. Mit dem Verlust einer nationalen Wissensintelligenz, werden auch die Unternehmen schneller zu "reinen Konfektionierern" mit immer mehr austauschbaren Markenidentitäten und steigenden Wissenszukaufteilen. Die Verletzbarkeit und Fehleranfälligkeit wird so zunehmen. Auch wollen viele heutige Lieferanten in der Zukunft keine billigen Zulieferer mehr sein und zusehen, wie durch "einfaches" Konfektionieren ein Renditssprung erzielt werden kann. Weitere Unternehmen werden am Markt auftauchen und den "alten" Marken Konkurrenz bereiten.
Es wird somit interessant sein, welche Mittel "einfach nur ausgeschüttet" werden, ohne Unternehmenswertzuwachs und was investiert wird und Zukunftswerte im Unternehmen schafft.
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