Stuttgart 21 Grubes schwäbische Irrfahrt
Das Projekt Stuttgart 21 bringt Bahnchef Grube in Bedrängnis. Nicht allein wegen der anhaltenden Proteste, sondern weil das Geld knapp werden könnte. Von E. Krummheuer
Der kleine, drahtige Vorstandschef der Bahn lässt keinen Zweifel zu: "Ich bin davon überzeugt, dass es richtig ist, Stuttgart 21 zu verwirklichen", sagte Rüdiger Grube am vergangenen Sonntag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Alle Protestler ließ er wissen: "Wir werden das jetzt auch so machen, so wie wir es immer gesagt haben."
Es sind starke Worte, die Grube wählt. Sie sollen Entschlossenheit demonstrieren – und klingen doch ein wenig so, als müsste sich Grube damit selbst Mut machen. Als müsse er sich vergewissern, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Denn lange Zeit war der Bahn-Chef ein Gegner des umstrittenen Projekts, auch wenn er das nie öffentlich gesagt hat. Doch er hat den politischen Zwängen nachgegeben.
Und jetzt droht ausgerechnet dieses Stuttgart 21 für Grubes Konzern zum Desaster zu werden – in mehrfacher Hinsicht: Nach den Skandalen um defekte Radreifen, kaputte Achsen und nicht funktionierende Klimaanlagen droht der Bahn nicht nur ein weiterer Imageverlust, sondern auch eine Kostenexplosion.
Es geht um das prestigeträchtigste Bauvorhaben, das die Deutsche Bahn jemals in Angriff genommen hat: Es sieht vor, den bisherigen Stuttgarter Hauptbahnhof – einen Kopfbahnhof aus der Gründerzeit – abzureißen und durch einen unterirdischen, futuristisch anmutenden Durchgangsbahnhof zu ersetzen. Damit verbunden sind lange Tunnelstrecken, insbesondere zum Flughafen und dann weiter nach Ulm via neuer ICE-Schnellbahn.
Seit Monaten formiert sich in Stuttgart eine Widerstandsbewegung gegen den Bahnhofsabriss, wie ihn die Schwabenmetropole noch nicht erlebt hat. Krankenschwestern verbünden sich mit Unternehmern, Harz-IV-Empfänger mit leitenden Angestellten: Sie organisieren Montagsdemos und Pfeiffkonzerte, sie legen den Verkehr lahm und blockieren Gleise.
- Datum 27.08.2010 - 13:09 Uhr
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- Quelle Handelsblatt
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