Ökostrom Die Atomkonzerne werden immer grüner

Energieversorger wie RWE und E.on sind inzwischen die größten Investoren in Ökostrom. Die Branche für erneuerbare Energie beäugt ihr Engagement mit Skepsis. Von M. Uken

Für seine Energiewende setzt Deutschland vor allem auf Windstrom

Für seine Energiewende setzt Deutschland vor allem auf Windstrom

Zwei Jahre lang zogen sich die Verhandlungen hin, so groß war die Misstrauen. Sollte der Bundesverband Windenergie tatsächlich die Windstrom-Tochter von Vattenfall als Mitglied akzeptieren? Der Aufnahmeantrag war heiß umstritten, auf zahlreichen Versammlungen wurde gerungen, Satzungsänderungen diskutiert.

Schließlich betreibt Vattenfall auch die Atomkraftwerke Brunsbüttel und Krümmel. Immer wieder betont die Windenergie-Lobby den Systemkonflikt: Atomstrom im Netz blockiere den Ausbau der erneuerbaren Energien . Am Ende wurde Vattenfall Wind aufgenommen. Die grüne Sparte bekennt sich jetzt zur "umfassenden und nachhaltigen Förderung der Windenergienutzung" und zu "demokratischen Erzeugungs- und Vermarktungsstrukturen". 

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Die Anekdote erzählt viel über das Verhältnis der Ökostrombranche gegenüber den etablierten Energiekonzernen E.on, RWE, Vattenfall und EnBW. Mit Skepsis werden deren Aktivitäten verfolgt. Wie ernst ist den Vieren die Energiewende tatsächlich, fragen sich die Ökos der ersten Stunde.

Gerade beim Thema Offshore-Windenergie, wo milliardenschwere Investitionen nötig sind, die bislang nur die großen Energiekonzerne stemmen können, befürchten sie ein neues Oligopol. "Die Diskussion über das Verhältnis zu den vier großen Atomkonzernen und ihren Ökostromsparten ist in unserem Verband sehr lebendig", sagt ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie. Vattenfall Wind ist bislang die einzige Ökostrom-Tochter, die Mitglied des Branchenverbands ist.

Alle vier Energiekonzerne haben in den vergangenen Jahren "grüne Töchter" bekommen. Mit ihrem Milliarden-Budgets sind die Konzerne in Deutschland als Investoren nicht mehr wegzudenken. RWE Innogy ist etwa nach dem Kauf des niederländischen Versorgers Essent der größte Betreiber von Windparks an Land in Deutschland: 500 Megawatt Erzeugungskapazität hat RWE im Portfolio. Das entspricht knapp zwei Prozent der installierten Windkraftkapazität.

Die Essener investieren in Deutschland jährlich 1,4 Milliarden Euro in den Ausbau von Ökostrom, vor allem in den Kauf von Windparks in Großbritannien, Biomasse-Anlagen und Wasserkraftwerken. Das entspricht rund 25 Prozent der Gesamtinvestitionen des RWE-Konzerns.

"Die Windanlagen-Bauer sind begeistert von uns, weil sie einen Kunden haben, der Investitionen im großen Stil anschiebt", ist RWE Innogy-Chef Fritz Vahrenholt überzeugt . Die Gefahr, dass RWE kleinere, mittelständische Unternehmen verdränge, sieht er nicht. "Die Öko-Branche sollte sich doch freuen, wenn wir auch kommen", sagt er. "Es gilt doch immer noch der alte Bibelspruch: Lieber ein reuiger Sünder als 99 Gerechte."

Leser-Kommentare
    • Ghassi
    • 06.09.2010 um 10:55 Uhr

    Die Atomlobby ist eine wirklich bedeutende und einflussreiche Vertretung der Stromriesen. Auch in Südafrika wird weiterhin hinter vorgehaltener Hand auf Atomenergie gesetzt, sodass der Staatskonzern ESKOM an vier möglichen Standorten im Lande eine AKW-Errichtung grundsätzlich für möglich hält, trotz der teilweise massiven Proteste aus der Bevölkerung. Anbei empfehle ich ein wirklich sehr interessantes Interview mit einem Bundestagsabgeordneten, der die Atomstrompolitik in Deutschland und Südafrika thematisiert:
    http://2010sdafrika.wordp...

    • Halapp
    • 06.09.2010 um 11:12 Uhr

    Bei Googel einmal "Schiefergas" eingeben.
    Dann wird ein neuer, möglicherweise bedeutender Konkurrent
    auf dem Energiemarkt sichtbar.
    Wir haben enormer Möglichkeiten Energie zu nutzen . Sie wird
    nie ausgehen.
    Nur wir sollten die preiswerteste Energie immer zuerst nutzen und die andern Versorgungsmöglichkeiten vorbereiten
    und technisch entwickeln. Forschung und Entwicklung bleiben
    wichtig. Fotovoltaik kommt wohl am Schluß. Wer langsamer fährt hat weniger Repoweringprobleme.
    In Deutschland wollen die Ökos das "Teuerste" zuerst durch-
    setzten. Warum eigentlich?
    Der Klimawandel der verhindert werden soll, ist in keinem
    andern Industrieland ein ernsthaftes Thema. Nur der Ökokämpfer Röttgen behält den esotherischen Glauben.
    Mal sehen was ihm jetzt wieder einfällt um den Kernenergiekommpromis
    von hinten aufzudröseln.

  1. Wenn die großen Stromkonzerne sich jetzt ökologisch geben ist das ungefähr so wie in der Lebensmittelbranche, wo die Großen Bio-Produkte verkaufen: Macht sich gut fürs Image, man ist im Konkurenzmarkt präsent und kann Einfluß nehmen, aber das richtige Geld verdient man weiter auf die herkömmliche Art. Aber der Bio-Großhändler muß zumindest nicht die Maut an Rewe, Metro o.ä. bezahlen wenn er den Bioladen beliefern will. Und diese haben auch keinen Einfluß auf die Höhe der Maut. Deshalb gehört die Infra-Struktur "Stromnetz" in unabhänge Hände, damit eine Gleichbehandlung aller Anbieter beim Stromtransport gewährleistet ist.

  2. Na ja, mal sehen, ob die "nicht-erneuerbare" Energiebranche auch erneuerbar ist.

    • joG
    • 06.09.2010 um 11:33 Uhr

    .....solchen vorziehen sollte, die CO2 ausstoßen ist vertretbar. Die Idee, dass man daher mehr zahlen muss als Verbraucher ist politisch durchgesetzt. Das ist nicht neu im Energiesektor. Schließlich hatte man ihn Monopolistisch organisiert. Das machen Bürokratien gerne, weil sich mit Monopolunternehmen u.a. besser verhandeln lässt. Das sieht man jetzt mit der Steuer, die man dafür verlangt, dass man die Atomanlagen Enteignung rückgängig macht. Da teilen sich Staat und Monopol die Gewinne auf dem Rücken der Menschen.

    Das wäre viel schwieriger, wenn der Strommarkt dezentral wäre und Strom nicht so undurchsichtig subventioniert würde.

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