Amflora BASF wegen Gen-Kartoffel unter Druck

Auf einem Acker in Schweden ist eine nicht zugelassene, genetisch veränderte Kartoffel angebaut worden. Die BASF-Knolle könnte auch in Deutschland gesetzt worden sein.

Den Bundeswirtschaftsminister sieht man nicht häufig in Gummistiefeln. Am Dienstag vergangener Woche war so ein seltener Moment. Rainer Brüderle steht mit dunkelblauem Anzug auf einem Acker in Mecklenburg-Vorpommern. In der rechten Hand hält der FDP-Politiker einen Spaten, in der linken ein paar Kartoffeln. Es sind die ersten gentechnisch veränderten Kartoffeln, die der Chemiekonzern BASF in Deutschland erntet. Das Bild soll zeigen: Seht her, alles ist gut.

Doch nur eine Woche später gibt es neuen Ärger mit der Gen-Kartoffel Amflora, die BASF vertreibt. Das Landesumweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern hat dem Chemiekonzern verboten, die geernteten Kartoffeln in Umlauf zu bringen. "Mein Vertrauen in das Qualitätssicherungssystem der BASF ist stark erschüttert", sagt Till Backhaus, Wirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern.

Anzeige

Grund für das Verbot ist eine Panne auf einem Feld in Schweden, auf dem die gentechnisch veränderte Sorte Amflora angebaut wird. Dort fanden Mitarbeiter von BASF nicht nur die zum Anbau genehmigte Amflora, sondern auch Pflanzen der neuen Sorte Amadea. Diese Pflanze ist aber noch nicht genehmigt und dürfte deshalb gar nicht auftauchen.

Umweltschützer fürchten nun, dass auch in Deutschland gentechnisch veränderte Kartoffeln angebaut wurden, die noch nicht zugelassen sind. Denn auf einem Feld in Zepkow wurde auch Saatgut aus Schweden verwendet. "Das Auftauchen von Amadea in Schweden zeigt, dass sogar ein Weltkonzern damit überfordert ist, Saatgut sauber zu trennen", sagt Stephanie Töwe, Gentechnik-Expertin von Greenpeace.

BASF spielt den Vorfall klein. Die Genpflanzen der neuen Sorte Amadea seien auf dem Feld in Schweden entfernt worden, erklärte der Chemiekonzern. Die Verunreinigung habe weniger als 0,01 Prozent betragen: zwischen 680.000 Amflora-Pflanzen seien gerade einmal 47 der Sorte Amadea gefunden worden.

Die EU-Kommission zeigt sich dennoch besorgt. Am Mittwoch treffen sich Vertreter der Anbauländer und der EU-Kommission mit Vertretern der BASF-Tochter Plant Science. "Wir müssen unser Qualitätsmanagement in diesem Punkt verbessern", sagt Plant Science-Sprecherin Mette Johansson. Der Chemiekonzern arbeite "mit Hochdruck" daran herauszufinden, warum sich das Amadea- und das Amflora-Saatgut vermischen konnten.

Die Amflora-Felder in Deutschland und Tschechien seien sofort überprüft worden, versichert BASF. Dabei habe man keine Amadea-Pflanzen gefunden. Dem Landwirtschaftsminister Till Backhaus ist das aber nicht genug: "Die Vorfälle in Schweden bestätigen die Probleme, die ich beim Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen sehe", sagt der SPD-Politiker. Wenn alle Amflora-Kartoffeln geerntet sind, müssen sie zunächst eingelagert werden bis sicher ist, dass sich in der Ernte keine einzige Amadea-Kartoffel befindet. Falls doch, soll nach dem Willen des Ministers die komplette Ernte vernichtet werden.

Der Anbau von Amflora ist in Deutschland sehr umstritten. Bei den gentechnisch veränderten Kartoffeln ist ein Teil des Genmaterials "ausgeschaltet". Dadurch produzieren die Knollen viel Stärke, die in der Papier-, Klebstoff- und der Bauindustrie verwendet wird. Als Nahrungsmittel sind die Knollen nicht geeignet. Wie die neue Sorte Amadea verwendet werden soll, ist laut BASF noch offen. Der Chemiekonzern will prüfen, ob Amadea-Kartoffeln vielleicht sogar als Nahrungsmittel taugen. In der vergangenen Woche hatte BASF bei der EU beantragt, die neue Kartoffelsorte setzen zu dürfen. Die Genehmigung steht noch aus.

 
Leser-Kommentare
    • alkyl
    • 08.09.2010 um 16:26 Uhr

    Man kann zwar auch die Samen von Kartoffeln aussäen, aber dann ist jede Pflanze genetisch verschieden. Kartoffeln werden vegetativ vermehrt, indem die Knollen derjenigen Pflanze, die man als "Sorte" vermehren will, immer wieder geteilt werden. Nur so werden genetisch einheitliche Pflanzen erhalten. Irgendwann in diesem Prozeß gibt es dann hunderttausende oder millionen Knollen, die alle von der gleichen Pflanze abstammen oder besser gesagt, Teil dieser einen Pflanze sind. Und diese werden dann den Landwirten als "Pflanzkartoffeln" verkauft.

    Seltsam genug aber, daß auf einem weit abgelegenen Acker "zufällig" Pflanzen einer noch nicht genehmigten Pflanze auftauchen. Das kann doch kaum "Schlamperei" gewesen sein?

  1. Redaktion

    Hallo alkyl,

    vielen Dank für Ihren Hinweis. Kartoffeln werden in der Regel natürlich gesetzt, nicht gesät, das ist uns im Eifer des Gefechts untergegangen. Wir haben die entsprechenden Textstellen bereits geändert.

    Beste Grüße,
    Patrick Kremers

  2. Wenn von Seiten der BASF geprüft wurde,wie erfolgte die Prüfung?Wurde jeder im Frühjahr gesetzten Kartoffel,die sich zwischenzeitlich bekannterweise vermehrt haben,eine Kartoffel zur Prüfung entnommen oder erfolgte eine Probeentnahme eines jeden Kartoffelstrauches?Sollte die nichtgenehmigte Sorte vielleicht schon probeweise auf den Teller kommen?Ich glaube nicht das es ein Versehen war.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service