Mahmud Ahmadinedschad hat es mal wieder geschafft, die Welt zu verärgern: Mit scharfen Angriffen auf den Westen hat der iranische Präsident in der Nacht für einen Eklat vor der UN-Vollversammlung gesorgt. Als er die Opfer der Terrorangriffe vom 11. September 2001 gegen Opfer des Irakkrieges aufrechnete, verließen zahlreiche Diplomaten demonstrativ den Saal.

Zudem schob Ahmadinedschad den USA die Verantwortung für die Anschläge auf das World Trade Center vom 11. September 2001 zu. Die USA hätten die Angriffe auf das World Trade Center inszeniert, um den Verfall der amerikanischen Wirtschaft zu stoppen, sagte er. "Die Mehrheit der amerikanischen Bürger sowie viele Staaten und Politiker in der gesamten Welt stimmen dieser These zu", behauptet er frech. Bei den Anschlägen vor neun Jahren waren fast 3000 Menschen ums Leben gekommen.

Ahmadinedschad pöbelt mit solchen Reden sein Land weiter ins Abseits. Die Sanktionen werden schärfer , die iranische Wirtschaft leidet. Immer mehr Unternehmen in aller Welt ziehen die Konsequenzen aus solchen Reden und ziehen sich aus dem Iran zurück - trotz der hohen Gewinne, die ihnen durch die Lappen gehen.

Jüngstes Beispiel ist Thyssen-Krupp: Der Vorstand des Konzerns wird ab sofort keine neuen Geschäfte mit iranischen Kunden abschließen. Damit "unterstützen wir die Sanktionspolitik der Bundesrepublik Deutschland, der EU und der USA", erklärte Vorstandschef Ekkehard Schulz. Laut Vorstandsbeschluss sollen auch in Iran bestehende Beteiligungen sowie laufende Projekte so schnell wie möglich beendet werden. Thyssen-Krupp ist seit 1976 im Iran aktiv. 

Die Wirkung dieses Beschlusses war explosiv. Denn selbst der Thyssen-Aufsichtsrat war nicht über den Schritt informiert. "Ich war sehr überrascht, als ich die Meldung las", sagte ein Mitglied des Kontrollgremiums. "Da werde ich nachhaken." Schließlich sei Iran noch immer mit knapp 4,5 Prozent Großaktionär.

Thyssen ist nicht der erste Konzern, der sich aus dem Land zurückzieht, mit dem Deutschland traditionell enge Handelsbeziehungen pflegt. Zuvor hatten bereits die Münchener Rück, Linde und die Allianz ihren Abzug erklärt. Siemens kündigte im Januar an, keine Neuaufträge aus Iran mehr anzunehmen.

Das Kalkül der Manager: Sie wollen nicht ihr Amerika-Geschäft aufs Spiel setzen, nur um weiterhin Geschäfte mit den Mullahs und Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu machen. Zu groß ist der politische Druck, vor allem aus den USA. Thyssen-Krupp setzt in Amerika jährlich 4,9 Milliarden Euro um - und künftig wird es noch mehr sein. Der Konzern baut in Alabama ein neues Stahlwerk. In Iran beläuft sich der Jahresumsatz auf weniger als 200 Millionen Euro.

In dem schon länger schwelenden Konflikt über das iranische Atomprogramm hatte der Uno-Sicherheitsrat Anfang Juni auf Druck der USA die Sanktionen gegen Teheran verschärft. Doch darauf allein verlässt sich Washington nicht: Die US-Regierung drohe den Unternehmen, sie sollten sich gut überlegen, welcher Markt ihnen wichtiger sei, sagt Volker Perthes von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Auch die Kanzlerin, heißt es in Industriekreisen, weist deutsche Unternehmer ständig darauf hin, dass sie eine Einstellung der Iran-Geschäfte für richtig halte. Die Konzernlenker haben verstanden.