Karstadt-Übernahme Insolvenzverwalter setzt Karstadt-Vermieter unter Druck
Gewähren die Besitzer der Karstadt-Häuser keinen Mietnachlass, soll der Konzern abgewickelt werden. Die Anteilseigner sind einer Einigung inzwischen aber näher gekommen.
© Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Kunden vor einer Karstadt-Filiale in Essen. 86 der 120 Häuser gehören dem Immobilienkonsortium Highstreet
Der Insolvenzverwalter der Warenhauskette Karstadt Klaus Hubert Görg hat einen Fahrplan für die Liquidation des Unternehmens vorbereitet. Stimmen die Eigentümer der meisten Karstadtgebäude einer Mietsenkung nicht zu , sollen die Sport- und Premiumfilialen bis Jahresende verkauft werden. Die verbleibenden Kaufhäuser sollten bis Ende Februar 2011 schließen.
In einem Bericht berief sich die Financial Times Deutschland auf eine Präsentation, die Görg zusammen mit der Einladung an die Ausschussmitglieder verschickt habe. Görgs Sprecher Thomas Schulz bestätigte den Bericht, fügte aber hinzu: "Die Szenarien, die in den Schubladen liegen, sollten dort möglichst auch bleiben."
Der Unternehmer Nicolas Berggruen will den existenzgefährdeten Warenhauskonzern nur kaufen, wenn das Unternehmens- Konsortium Highstreet die Mieten für 86 der 120 Karstadt-Immobilien senkt. Zu Highstreet gehören unter anderem die US-Investmentbank Goldman Sachs und die Deutsche Bank, die wiederum vom Einlenken der Highstreet-Kreditgeber abhängig sind. Für die Einigung müssen sie eine geringere Rendite in Kauf nehmen.
Die Anleihe-Gläubiger von Highstreet stimmten dem Kompromiss für die Mietsenkung während eines Treffens in London bereits zu. Nun fehlen noch die Mezzanine-Kapitalgeber, auch diese seien vor einer Einigung, sagten mehrere damit vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Informationen der Nachrichtenagentur dpa zufolge fehle nur noch das Einverständnis eines Investors. Die Frist dafür läuft um Mitternacht ab.
Erst wenn alle Gläubiger zugestimmt haben, kann das Amtsgericht Essen am Freitag dem Insolvenzplan und damit der Übernahme durch Berggruen zustimmen. Andernfalls wäre der Kaufvertrag des Karstadt-Insolvenzverwalters mit Berggruen nichtig.
Die Vize-Chefin der Gewerkschaft ver.di, Margret Mönig-Raane, äußerte sich zuversichtlich. "Wir sind optimistisch, dass die Abstimmung in London so abläuft, wie sich die Beschäftigten das erhoffen", sagte sie dem Tagesspiegel . Dies sei in den vergangenen Wochen nicht immer so gewesen.
Scheitert der Einstieg Berggruens, muss der Karstadt-Konzern zerschlagen werden. Wiederholte Angebote des Mailänder Kaufhaus-Unternehmers Maurizio Borletti hatte Insolvenzverwalter Görg stets abgelehnt , da Borletti sein Ansinnen zu spät vorgetragen habe.
- Datum 02.09.2010 - 13:48 Uhr
- Quelle dpa
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Geht Karstadt unter, können die Mitarbeiter schonmal ein Dankschreiben an die Deutsche Bank verfassen, die dreist und auf maximalen Profit gebürstet als einzigstes einer Einigung im Weg steht. Sollte Borletti den Zuschlag bekommen, liegt das nur daran, dass er langjähriger Kunde bei der DB ist und einen guten Draht zum Vorstand hat. Er wird Karstadt aber zerschlagen und kann getrost als Leichenfledderer angesehen werden. Ausserdem steuert er keinen Cent eigenen Geld bei (sondern leiht es sich bei der DB zu satten Zinsen).
Schuld ist am Ende immer die Deutsche Bank, der es kein Stück um mittel- oder langfristige Investitionen geht, sondern nur um den kurzfristigen Profit. Diese Bank schadet Deutschland. Ich finde hier liegt ein eindeutiger Interessenkonflikt vor, der juristisch angegangen werden sollte.
Was soll denn nun aus Karstadt werden??? Ist die Kuh nun endlich vom Eis oder wird es wieder eine neue Frist geben??? Wie ich das sehe, ist das nur noch ein Gepoker und Geschacher, und das ist für die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit nicht mehr hinnehmbar! Ich will endlich mal wissen, als Kunde, ob und wieviele meiner Karstadt-Filialen erhalten bleiben! Denn davon hängt der Erfolg ganzer Geschäftsstraßen ab! Dort wo Hertie-Kaufhäuser geschlossen haben, wie in der Turmstraße in Berlin, ist deutlich Kaufkraft verloren gegangen! Viele Geschäfte dort spüren das deutlich! Vereinzelt drohen dort Leerstände oder es eröffnen Spielhallen, die die Mieten dort leichter aufbringen können. So könnten ganze Straßen "kippen"!
Also: Sagt uns endlich was nun aus Karstadt wird!!!
Es ist für die Mitarbeiter/-innen nicht mehr nachvollziehbar wir hier mit ihren Existenzen gespielt wird. Nur wegen der Gewinnmaximierung? [...]
Abgesehen davon werden gute Arbeitsplätze vernichtet. Daraus werden letztendlich 400 Euro Jobs etc. die später wahnsinnig viel Rente bringen. Es ist ein Graus was hier in Deutschland passiert. [...]
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf unnötige Polemik. Danke. Die Redaktion/sh
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