Offerte aus Spanien Hochtief wehrt sich gegen Übernahme

Betriebsrat und Chefetage sind sich einig: Eine Übernahme durch den spanischen Konzern ACS zöge Schäden nach sich. Nun ruft das Management die Politik zu Hilfe.

Der Hochtief-Vorstand plane Abwehrmaßnahmen gegen ACS  und habe dabei die Unterstützung der Arbeitnehmer, sagte der Chef des Konzernbetriebsrats, Siegfried Müller. Kurz vor einer außerordentlichen Sitzung des Aufsichtsrats am Montag rief er zum Widerstand auf. "Wir planen Demonstrationen und weitere Maßnahmen", sagte er.

Bereits am Morgen protestierten vor der Essener Zentrale etwa 500 Beschäftigte. Die Beschäftigten würden auch eine Demonstration vor der spanischen Botschaft in Berlin organisieren, sagte Betriebsratschef Müller.

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Der Aufsichtsrat wollte sich in der Sitzung über die Offerte aus Spanien informieren lassen. In dem Kontrollgremium sitzen auch zwei ACS-Vertreter.

Auch die Politik müsse Hochtief helfen, die Übernahme abzuwehren, verlangten Betriebsrat und Unternehmensleitung. "Wir fürchten einen massiven Abbau von Arbeitsplätzen in Deutschland", warnte der Betriebsratschef. Hochtief-Vorstandschef Herbert Lütkestratkötter sagte der Wirtschaftswoche, er gehe "davon aus, dass Berlin ein Interesse daran hat, dass die deutsche Bauindustrie international wettbewerbsfähig bleibt".

Es wäre "schon grotesk", wenn ein spanischer Konzern Hochtief übernähme, der seine Größe unter anderem EU-Steuermitteln – auch aus Deutschland – verdanke, sagte Lütkestratkötter. Ein Regierungssprecher sagte, der Konzern habe das Kanzleramt über die Situation informiert. Aus dem Wirtschaftsministerium hieß es, man gehe davon aus, dass Hochtief die Verhandlungen allein führen könne.

ACS hatte Mitte September angekündigt, durch eine Aufstockung der Anteile und einen Aktientausch einen Anteil von etwas über 50 Prozent an Hochtief übernehmen zu wollen. Der Konzern ist mit 29,98 Prozent bereits größter Einzelaktionär. Aktionärsschützer hatten das Angebot als "völlig unattraktiv und unangemessen" zurückgewiesen. Die Aktie war seit August stetig gestiegen. Am Montagmittag notierte sie leicht im Minus.

Die Spanier hatten gesagt, Hochtief zwar mehrheitlich übernehmen zu wollen, aber keinen Beherrschungsvertrag anzustreben. Der Hochtief-Vorstandschef steht dieser Ankündigung sehr skeptisch gegenüber. "Glauben ist in der Kirche", sagte er.

Trotz der Kosten, die Hochtief durch die Abwehrmaßnahmen gegen eine ACS-Übernahme entstehen, bestätigte Vorstandschef Lütkestratkötter die Prognosen für das Gesamtjahr 2010. Auftragsbestand und Auftragseingang werden demnach insgesamt leicht über Vorjahr liegen, die Umsatzerlöse auf Vorjahresniveau und der Gewinn etwas höher als 2009.
 

 
Leser-Kommentare
  1. Ich finde das Verhalten börsennotierter Firmen immer wieder witzig. In guten Zeiten gehen sie an die Börse. Dabei schwingen sie gern hehre Reden. Oft ist von "mit der Zeit gehen" die Rede, von Zukunftsfähigkeit und davon, was man mit dem beim Börsengang eingesammelten Geld alles Tolles machen kann. Staatliche Einflussnahme verbittet man sich natürlich und versucht, sie sich per Lobbyarbeit nach Kräften vom Leib zu halten. Soweit so gut. Dann kommen harte Zeiten, und jemand kündigt an, die Firma übernehmen zu wollen. Oder er fängt einfach an, die Aktien aufzukaufen. Da fällt ihnen dann aufeinmal auf, wie gefährlich es an der Börse doch zugeht. Sie ringen die Hände, raufen sich die Haare. Das klingt dann ungefähr so: „Jeh, Staat, hilf uns, damit die bösen Kapitalisten aus dem Ausland uns nicht übernehmen. Die haben so rauhe Sitten, die passen nicht zu unserer sozialen Marktwirtschaft, die wollen mit unserer guten Firma Schindluder treiben. Das dürfen die doch nicht?!“
    Wer mit den Regeln des Aktienmarktes nicht einverstanden ist, soll halt nicht an die Börse gehen.

  2. Ebenso in Spanien. Die span. Bauperipherie zeigt dort eine gelb-rote Dominanz. Europa- bzw. weltweit nehmen die mittlerweile international einkaufenden Konzerne bereits weitreichende Positionen ein. So werden 40 Prozent des weltweiten Konzessionsmarktes bereits von span. Unternehmen verwaltet.

    Merkel bleibt somit gar keine andere Wahl als die span. Offerte aktiv abzulehnen und letztlich entweder die Vergabepraktiken in Spanien und Frankreich anzuprangern oder dementsprechend eigene Verhaltensweisen zum Schutze der hiesigen Bauwirtschaft aufzubauen. In Spanien und Frankreich kann man klar von Wettbewerbsverzerrungen reden, zumal der dt. Baumarkt der ausländischen Konkurrenz nahezu einem gedeckten Tisch ähnelt. Konzerne wie Da Vinci oder Bouygue besitzen bereits nicht nur in Deutschland starke Markpositionen, die letztlich durch die einheimische Vergabepolitik, die eine Vetternwirtschaft ähnelt, gefördert wurden.

  3. Deinen Kommentar bewerte somit als zu voreileig und unpassend. Sorry.

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    Wieso? Das, was ich da beschrieben habe, passiert oft genug, auch jetzt wieder bei Hochtief. Dass ACS vielleicht nur aufgrund von Wettbewerbsverzerrungen (d.h. Förderung mit EU-Mitteln) überhaupt in der Lage ist, eine Firma wie Hochtief eventuell übernehmen zu können, hat damit nichts zu tun.

    Wieso erlaubt man den Firmen, die Vorteile eines Börsenganges bzw. der Börsennotierung in Anspruch zu nehmen, ohne auch die damit verbundenen Risiken in Kauf nehmen zu müssen? Ganz krass war es jetzt bei den Banken, die sich staatliche Einflussnahme verbeten haben, solange die Milliarden sprudelten. Als der Karren im Dreck steckte musste der Staat die systemrelevanten Prasser mit unserem Geld wieder flottkriegen. Im Prinzip ähnlich ist es jetzt bei Hochtief. Vom kleinen Mann wird Verantwortung und Vorausschau erwartet, aber auf dieser Ebene gilt das offensichtlich nicht mehr.

    Wieso wird allenthalben vom freien Markt schwadroniert, werden Wettbewerbsverzerrungen angeprangert und oft genug rücksichtslos beseitigt (EU-intern jedenfalls, in der EU werden ganze Industriezweige mit der Gießkanne subventioniert, um die außereuropäische Konkurrenz draußenzuhalten), und wenn es dann mal ernst wird schreien sie nach staatlicher Hilfe wie Gänse, denen der Fuchs über den Weg läuft? Das passt doch nicht zusammen.

    Davon abgesehen darfst Du meinen Kommentar natürlich gern voreilig und unpassend finden, und es braucht Dir nicht mal leidzutun.

    Wieso? Das, was ich da beschrieben habe, passiert oft genug, auch jetzt wieder bei Hochtief. Dass ACS vielleicht nur aufgrund von Wettbewerbsverzerrungen (d.h. Förderung mit EU-Mitteln) überhaupt in der Lage ist, eine Firma wie Hochtief eventuell übernehmen zu können, hat damit nichts zu tun.

    Wieso erlaubt man den Firmen, die Vorteile eines Börsenganges bzw. der Börsennotierung in Anspruch zu nehmen, ohne auch die damit verbundenen Risiken in Kauf nehmen zu müssen? Ganz krass war es jetzt bei den Banken, die sich staatliche Einflussnahme verbeten haben, solange die Milliarden sprudelten. Als der Karren im Dreck steckte musste der Staat die systemrelevanten Prasser mit unserem Geld wieder flottkriegen. Im Prinzip ähnlich ist es jetzt bei Hochtief. Vom kleinen Mann wird Verantwortung und Vorausschau erwartet, aber auf dieser Ebene gilt das offensichtlich nicht mehr.

    Wieso wird allenthalben vom freien Markt schwadroniert, werden Wettbewerbsverzerrungen angeprangert und oft genug rücksichtslos beseitigt (EU-intern jedenfalls, in der EU werden ganze Industriezweige mit der Gießkanne subventioniert, um die außereuropäische Konkurrenz draußenzuhalten), und wenn es dann mal ernst wird schreien sie nach staatlicher Hilfe wie Gänse, denen der Fuchs über den Weg läuft? Das passt doch nicht zusammen.

    Davon abgesehen darfst Du meinen Kommentar natürlich gern voreilig und unpassend finden, und es braucht Dir nicht mal leidzutun.

  4. Ich fände es hilfreich für einen solchen Artikel, wenn auch mal mitgeteilt würde, wie die Aktienverhältnisse bei Hochtief liegen, d. h. wer wieviel Aktien hat und sie evtl. an die Spanier verkaufen würde.

    Ferner wäre es hilfreich zu wissen, mit welchem Geld die Spanier besagte Aktien aufkaufen bzw. wer leiht ihnen das und warum.

  5. Wieso? Das, was ich da beschrieben habe, passiert oft genug, auch jetzt wieder bei Hochtief. Dass ACS vielleicht nur aufgrund von Wettbewerbsverzerrungen (d.h. Förderung mit EU-Mitteln) überhaupt in der Lage ist, eine Firma wie Hochtief eventuell übernehmen zu können, hat damit nichts zu tun.

    Wieso erlaubt man den Firmen, die Vorteile eines Börsenganges bzw. der Börsennotierung in Anspruch zu nehmen, ohne auch die damit verbundenen Risiken in Kauf nehmen zu müssen? Ganz krass war es jetzt bei den Banken, die sich staatliche Einflussnahme verbeten haben, solange die Milliarden sprudelten. Als der Karren im Dreck steckte musste der Staat die systemrelevanten Prasser mit unserem Geld wieder flottkriegen. Im Prinzip ähnlich ist es jetzt bei Hochtief. Vom kleinen Mann wird Verantwortung und Vorausschau erwartet, aber auf dieser Ebene gilt das offensichtlich nicht mehr.

    Wieso wird allenthalben vom freien Markt schwadroniert, werden Wettbewerbsverzerrungen angeprangert und oft genug rücksichtslos beseitigt (EU-intern jedenfalls, in der EU werden ganze Industriezweige mit der Gießkanne subventioniert, um die außereuropäische Konkurrenz draußenzuhalten), und wenn es dann mal ernst wird schreien sie nach staatlicher Hilfe wie Gänse, denen der Fuchs über den Weg läuft? Das passt doch nicht zusammen.

    Davon abgesehen darfst Du meinen Kommentar natürlich gern voreilig und unpassend finden, und es braucht Dir nicht mal leidzutun.

    Antwort auf "@Gaddrig"
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    Da hast du natürlich Recht mit den Banken. Diese standen jedoch nicht vor einer Übernahme, sonder schlicht weg vor dem Ruin und ihre Kunden standen davor ihre Einlagen zu verlieren.

    Hochtief jedoch ist ein gut laufendes Bauunternehmen, das größte Deutschlands. Hier sind Arbeitsplätze in Gefahr und wahrscheinlich kostbares Ingenieurwissen.

    Generell ist ein Börsengang natürlich immer heikel, da man Verantwortung bzw. Einfluss ab-/aufgibt. Andererseits erhält das Unternehmen aber auch eine immensen Eigenkapitalspritze.

    Merkwürdig ist natürlich, wie ACS in der Lage sein kann trotz hoher Schulden Hochtief aufzukaufen und wie die das überhaupt anstellen wollen. Oder ob dies - wie schon vermutet - mit einer anschließenden Liquidation Hochtiefs verbunden ist. Dafür gäbe es vielleicht ausreichend "Geldleiher".

    Generell hätte man die Schritte von ACS vielleicht besser vorausahnen sollen bzw. damit rechnen können. Was will man schon sonst mit einem Teil der Aktien, wenn nicht ein Bauunternehmen zu übernehmen.
    Allein die Renditen sind im Baubereich nicht gerade saftig. Und Einfluss kann ich mir auch nicht vorstellen, Konkurrenz ist HT ja nicht gerade für ACS.

    Da hast du natürlich Recht mit den Banken. Diese standen jedoch nicht vor einer Übernahme, sonder schlicht weg vor dem Ruin und ihre Kunden standen davor ihre Einlagen zu verlieren.

    Hochtief jedoch ist ein gut laufendes Bauunternehmen, das größte Deutschlands. Hier sind Arbeitsplätze in Gefahr und wahrscheinlich kostbares Ingenieurwissen.

    Generell ist ein Börsengang natürlich immer heikel, da man Verantwortung bzw. Einfluss ab-/aufgibt. Andererseits erhält das Unternehmen aber auch eine immensen Eigenkapitalspritze.

    Merkwürdig ist natürlich, wie ACS in der Lage sein kann trotz hoher Schulden Hochtief aufzukaufen und wie die das überhaupt anstellen wollen. Oder ob dies - wie schon vermutet - mit einer anschließenden Liquidation Hochtiefs verbunden ist. Dafür gäbe es vielleicht ausreichend "Geldleiher".

    Generell hätte man die Schritte von ACS vielleicht besser vorausahnen sollen bzw. damit rechnen können. Was will man schon sonst mit einem Teil der Aktien, wenn nicht ein Bauunternehmen zu übernehmen.
    Allein die Renditen sind im Baubereich nicht gerade saftig. Und Einfluss kann ich mir auch nicht vorstellen, Konkurrenz ist HT ja nicht gerade für ACS.

  6. Da hast du natürlich Recht mit den Banken. Diese standen jedoch nicht vor einer Übernahme, sonder schlicht weg vor dem Ruin und ihre Kunden standen davor ihre Einlagen zu verlieren.

    Hochtief jedoch ist ein gut laufendes Bauunternehmen, das größte Deutschlands. Hier sind Arbeitsplätze in Gefahr und wahrscheinlich kostbares Ingenieurwissen.

    Generell ist ein Börsengang natürlich immer heikel, da man Verantwortung bzw. Einfluss ab-/aufgibt. Andererseits erhält das Unternehmen aber auch eine immensen Eigenkapitalspritze.

    Merkwürdig ist natürlich, wie ACS in der Lage sein kann trotz hoher Schulden Hochtief aufzukaufen und wie die das überhaupt anstellen wollen. Oder ob dies - wie schon vermutet - mit einer anschließenden Liquidation Hochtiefs verbunden ist. Dafür gäbe es vielleicht ausreichend "Geldleiher".

    Generell hätte man die Schritte von ACS vielleicht besser vorausahnen sollen bzw. damit rechnen können. Was will man schon sonst mit einem Teil der Aktien, wenn nicht ein Bauunternehmen zu übernehmen.
    Allein die Renditen sind im Baubereich nicht gerade saftig. Und Einfluss kann ich mir auch nicht vorstellen, Konkurrenz ist HT ja nicht gerade für ACS.

    Antwort auf "Ändert nichts"
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    Ok, dass man jetzt schauen muss, was man wegen der Arbeitsplätze macht, ist klar. Man kann ja die Belegschaft nicht absaufen lassen, bloß weil das Management Mist gebaut hat bzw. so vom eigenen Können geblendet war, dass Risiken und Nebenwirkungen wichtiger Entscheidungen nicht berücksichtigt wurden. Da müsste man sich vielleicht an die verantwortlichen Manager halten und denen mal auf die Finger klopfen.

    Ansonsten wird sicher auch eine ganze Menge gemauschelt. Wer da wo mitmischt, ist meistens nicht ersichtlich. Bei ACS wäre es tatsächlich interessant, wie die dazu kommen, sich eine Firma wie Hochtief leisten zu können (oder das zumindest zu glauben).

    Ok, dass man jetzt schauen muss, was man wegen der Arbeitsplätze macht, ist klar. Man kann ja die Belegschaft nicht absaufen lassen, bloß weil das Management Mist gebaut hat bzw. so vom eigenen Können geblendet war, dass Risiken und Nebenwirkungen wichtiger Entscheidungen nicht berücksichtigt wurden. Da müsste man sich vielleicht an die verantwortlichen Manager halten und denen mal auf die Finger klopfen.

    Ansonsten wird sicher auch eine ganze Menge gemauschelt. Wer da wo mitmischt, ist meistens nicht ersichtlich. Bei ACS wäre es tatsächlich interessant, wie die dazu kommen, sich eine Firma wie Hochtief leisten zu können (oder das zumindest zu glauben).

  7. Ok, dass man jetzt schauen muss, was man wegen der Arbeitsplätze macht, ist klar. Man kann ja die Belegschaft nicht absaufen lassen, bloß weil das Management Mist gebaut hat bzw. so vom eigenen Können geblendet war, dass Risiken und Nebenwirkungen wichtiger Entscheidungen nicht berücksichtigt wurden. Da müsste man sich vielleicht an die verantwortlichen Manager halten und denen mal auf die Finger klopfen.

    Ansonsten wird sicher auch eine ganze Menge gemauschelt. Wer da wo mitmischt, ist meistens nicht ersichtlich. Bei ACS wäre es tatsächlich interessant, wie die dazu kommen, sich eine Firma wie Hochtief leisten zu können (oder das zumindest zu glauben).

    Antwort auf "Naja..."

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