Serie: Die Bessermacher Der geborene Brauer

Jahre vor dem Bio-Boom setzte Lammsbräu auf Öko und riskierte damit viel. Heute sind die Oberpfälzer Marktführer. Ein Besuch bei einer Brauerei, in der Bier-Herstellung noch Handarbeit ist.

Lammsbräu-Chef Franz Ehrnsperger

Lammsbräu-Chef Franz Ehrnsperger

Das Heiligtum des Öko-Betriebes schlummert hinter einer schweren Eisentür mit der Aufschrift "Keimkammer": Ein schmaler Raum mit feuchter, stickiger Luft, durchzogen von einem länglichen Becken, in dem Gerstenkörner mit lauwarmen Wasser besprenkelt werden. Franz Ehrnsperger wischt sich seine randlose, beschlagene Brille ab und greift eine Handvoll der gold-gelben Gerste. "Das Korn atmet", sagt er. Aus fast allen Körner sprießen dünne, weiße Fäden.   

Heute ist das Neumarkter Lammsbräu das Synonym für ökologisches Bier. Aus den Regalen der bundesweit boomenden Bio-Läden ist der Gerstensaft nicht mehr wegzudenken. 60 Prozent des verkauften Bio-Bieres stammen nach Unternehmensangaben aus der Kleinstadt bei Nürnberg – und das trotz des stolzen Preises von 16 bis 17 Euro pro Kiste. Und auch bei den vor allem bei Großstädtern beliebten Bio-Limonaden spricht die Brauerei dank der bunten Produktreihe "Now" ein Wörtchen mit. 

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Ihren Anfang nahm die Öko-Erfolgsgeschichte nur wenige Meter von den heutigen Brau-Anlagen entfernt. Franz Ehrnsperger ist der geborene Brauer: Seine Mutter brachte ihn vor 64 Jahren im Elternhaus, nur einen Steinwurf von seinem heutigen Büro entfernt, zur Welt. Er wuchs auf dem Brauerei-Gelände auf, dem "schönsten Abenteuer-Spielplatz überhaupt", und schnell war klar, dass Franz in die Fußstapfen seines Vaters treten würde, der den Familien-Betrieb bereits in der fünften Generation führte.

Bessermacher

Sozial, nachhaltig und trotzdem erfolgreich: ZEIT ONLINE stellt in der Serie Die Bessermacher Unternehmen vor, für die es mehr gibt als nur den reinen Profit. Mit welchen Ideen kämpfen sie für eine bessere Wirtschaft? Was treibt sie an? 

Erstaunlicher als seine Berufswahl ist dagegen, dass der Oberpfälzer das solide Traditions-Unternehmen von Kopf bis Fuß umkrempelte und auf "bio" trimmte. Denn Ehrnsperger ist kein Revoluzzer und auch kein umweltbewegter Sandalen-Träger. Der bodenständige Katholik bevorzugt festes Schuhwerk, trägt eine bayerische Filz-Jacke und sagt Sätze wie: "Ich bin ein rationaler Mensch und denke eher naturwissenschaftlich." Das Wort "Ökologie" sei in seiner Ausbildung zum Diplom-Braumeister und Betriebswirt nicht ein einziges Mal gefallen.

Als er Anfang der siebziger Jahre den Staffelstab von seinem Vater übernahm, fragte er sich, was er tun muss, damit er die Brauerei in 40 Jahren in ähnlich gutem Zustand an die nächste Generation weitergeben kann. Die Lösung sah Ehrnsperger in einem "besseren Produkt aus besseren Zutaten, von dem die Kunden wirklich einen Nutzen haben". Er entwickelte ein Konzept, dass nicht auf die größtmögliche Rendite, sondern auf Qualität, ökologische Brauverfahren und Kooperationen mit heimischen Bauern setzt. Seine Mutter war entsetzt: "Der Junge macht den Betrieb kaputt", befürchtete sie damals.

Leser-Kommentare
  1. möchte hierzu nur folgendes anmerken: lat. conservare bedeutet soviel wie erhalten, bewahren - von daher sollte die gesamte konservative Politik dies beherzigen und Ökologie ernsthaft umsetzen, anstatt sich von der Wirtschaft die kleinstmöglichen "Kompromisse" abringen lassen.

  2. Danke für dieses Portrait. Dem braucht man nichts mehr hinzufügen. Außer vielleicht dies: Ich bin als jemand, der aus spirituellen Gründen auf Alkohol verzichtet, ein Fan gerade der alkoholfreien Weißbiere der Lammsbräu.

  3. Ein fähiger Mann, aber machen Sie keinen Pfälzer aus ihm. Er kommt aus Neumarkt in der Oberpfalz, d.h. er kommt aus einem der sieben Regierungsbezirke Bayerns und spricht Oberpfälzisch. Und das hat mit Pfälzisch ungefähr soviel zu tun wie Schwäbisch mit Berlinerisch!
    Nebenbei: Die Pfalz in Rheinland-Pfalz gehört auch mal "kurz" zu Bayern (ca.1806-1933)

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    ...Sie sind mir zuvor gekommen.

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    • bagsby
    • 22.10.2010 um 0:02 Uhr

    Die uns Franken benachbarten Oberpfälzer versteht ob ihres kehligen "Dialekts" leider kaum ein Mensch, sie werden bei uns liebevoll "Moosbüffel" genannt. Das Neumarkter
    Lammsbräü ist dennoch nicht übel.
    P.S. Oberpfälzisch ist trotz alledem erheblich angenehmer als
    Pfälzisch.

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    würde ich mich hier über den Grad der Angenehmheit des fränkischen Dialekts äußern, wäre mein Beitrag sofort ****gelöscht****

    Was soll der Quatsch?

    Es grüßt
    ein Pfälzer (ohne Ober-, Original also)

    PS: Lammsbräu trinke ich auch. Sehr gerne. Nur Riesling ist mir noch ein wenig lieber...

    würde ich mich hier über den Grad der Angenehmheit des fränkischen Dialekts äußern, wäre mein Beitrag sofort ****gelöscht****

    Was soll der Quatsch?

    Es grüßt
    ein Pfälzer (ohne Ober-, Original also)

    PS: Lammsbräu trinke ich auch. Sehr gerne. Nur Riesling ist mir noch ein wenig lieber...

  5. würde ich mich hier über den Grad der Angenehmheit des fränkischen Dialekts äußern, wäre mein Beitrag sofort ****gelöscht****

    Was soll der Quatsch?

    Es grüßt
    ein Pfälzer (ohne Ober-, Original also)

    PS: Lammsbräu trinke ich auch. Sehr gerne. Nur Riesling ist mir noch ein wenig lieber...

    Antwort auf "Oberpfalz"
  6. Ich als Schwabe finde das Konzept sehr ineressant, aber wirklich nur für eine Nische. Für den Massenmarkt taugt es nicht- mit 17 €/Kasten einfach zu teuer.
    Wenn ich Bier kaufe, greife ich zu Oettinger- zumindest das dunkle Hefeweizen und das Schwarzbier sind nicht schlechter als das der Konkurrenz- aber (zumindest hier in der Region) 11 €/Kasten günstiger das Neumarkter.

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    ... hat in der Diskussion von Bier-Kennern keine Stimme. Bier für 6 EUR/Kasten ist kein Bier, sondern eine Beleidigung.
    Das weiß hier in Oberfranken jeder. Hier ist nämlich die wahre Heimat des echten, unverfälschten Bieres, denn nur hier gibt es noch Dörfer, in denen sich seit Jahrhunderten kleine Brauereien halten, die z. T. nur für den eigenen Wirtshausbedarf brauen, die aber z. anderen T. auch den ausgesuchten Handel beliefern. Eine oberfränkische Getränkevertriebsfirmae mit rund sechzig Filialen auch im Südthüringischen erzielte im vergangenen Jahr trotz allgemein rückläufigen Bierkonsums ein Bier-Umsatzplus von knapp 60 Prozent; und zwar allein mit Erzeugnissen oberfränkischer Kleinbrauereien.
    Oettinger – pfui Teufel!

    ... hat in der Diskussion von Bier-Kennern keine Stimme. Bier für 6 EUR/Kasten ist kein Bier, sondern eine Beleidigung.
    Das weiß hier in Oberfranken jeder. Hier ist nämlich die wahre Heimat des echten, unverfälschten Bieres, denn nur hier gibt es noch Dörfer, in denen sich seit Jahrhunderten kleine Brauereien halten, die z. T. nur für den eigenen Wirtshausbedarf brauen, die aber z. anderen T. auch den ausgesuchten Handel beliefern. Eine oberfränkische Getränkevertriebsfirmae mit rund sechzig Filialen auch im Südthüringischen erzielte im vergangenen Jahr trotz allgemein rückläufigen Bierkonsums ein Bier-Umsatzplus von knapp 60 Prozent; und zwar allein mit Erzeugnissen oberfränkischer Kleinbrauereien.
    Oettinger – pfui Teufel!

  7. ... hat in der Diskussion von Bier-Kennern keine Stimme. Bier für 6 EUR/Kasten ist kein Bier, sondern eine Beleidigung.
    Das weiß hier in Oberfranken jeder. Hier ist nämlich die wahre Heimat des echten, unverfälschten Bieres, denn nur hier gibt es noch Dörfer, in denen sich seit Jahrhunderten kleine Brauereien halten, die z. T. nur für den eigenen Wirtshausbedarf brauen, die aber z. anderen T. auch den ausgesuchten Handel beliefern. Eine oberfränkische Getränkevertriebsfirmae mit rund sechzig Filialen auch im Südthüringischen erzielte im vergangenen Jahr trotz allgemein rückläufigen Bierkonsums ein Bier-Umsatzplus von knapp 60 Prozent; und zwar allein mit Erzeugnissen oberfränkischer Kleinbrauereien.
    Oettinger – pfui Teufel!

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