Auftragsfertiger FoxconnDas dunkle Imperium hinter iPhone, iPad und Co.

Ob Apple oder Sony, Nokia oder Nintendo: Kein Elektronikriese kommt mehr an dem weltgrößten Auftragsfertiger aus Taiwan vorbei. Doch die Abhängigkeit der glanzvollen Marken von Foxconn birgt Risiken. Durch neue Vorwürfe der Ausbeutung von chinesischen Fabrikarbeitern drohen ihnen Image-Kratzer. von Matthias Hohensee, Matthias Kamp und Henryk Hielscher

Brennende Nachbildungen von Apple-Produkten während eines Protests gegen Foxconn in Hongkong im vergangenen Mai.

Brennende Nachbildungen von Apple-Produkten während eines Protests gegen Foxconn in Hongkong im vergangenen Mai. Nachdem mehrere Foxconn-Arbeiter sich das Leben genommen hatten, war das Unternehmen in die Kritik geraten  |  © Mike Clarke/AFP/Getty Images

Die Huaihai-Straße in der Shanghaier Innenstadt gehört zu den bekanntesten Shoppingmeilen Chinas. Vom 4. November an ist sie um eine Attraktion reicher. Dann eröffnet Media-Saturn auf der Einkaufsmeile den ersten Media Markt in China. Rote Fahnen künden bereits von dem bevorstehenden Ereignis. Bis Ende 2012 will die Tochter des Düsseldorfer Metro-Konzerns bis zu neun weitere Märkte im Großraum Shanghai bauen. 200 Millionen Dollar investieren Media-Saturn und seine Partner für die erste Expansionsphase.

Mit im Boot sitzt der Elektronikhersteller Foxconn. 20 Fabrikkomplexe in China mit 937.000 Mitarbeitern, in den kommenden Jahren sollen noch 400.000 neue Leute dazukommen – Foxconn ist ein rasant wachsender Riese, der im Westen erst so richtig wahrgenommen wird, seit sich dieses Jahr 13 seiner Arbeiter von Fabrik- und Wohnheimdächern in den Tod stürzten. Foxconn unter seinem Chef Terry Gou hält 25 Prozent an dem Joint Venture, das die Media Märkte in China betreiben wird.

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Düsseldorfer Metro ist der neueste Partner

Die Düsseldorfer sind zwar der neueste, aber beileibe nicht der einzige namhafte Partner von Foxconn. Fast alle bekannten Marken der Unterhaltungselektronik lassen ihre Handys, Laptops oder Spielkonsolen in dessen chinesischen Werken herstellen. An dem inzwischen mit Abstand größten Auftragsfertiger der Branche kommt keiner der großen Anbieter mehr vorbei.

Wohl jeder Erwachsene in den westlichen Industrieländern hatte – ohne es zu wissen – schon einmal ein Produkt "Made by Foxconn" in der Hand. Für die Kultmarke Apple produziert das Unternehmen iPhones, iPods und iPads. "Steve Jobs’ Erfolge wären ohne Terry nicht möglich", sagt Chang Tien-wen, der ein Buch über den Foxconn-Chef geschrieben hat.

2011 soll Foxconn eine Million Mitarbeiter beschäftigen

Dell lässt in den chinesischen Werken der Taiwaner Laptops und PCs bauen. Für Nokia laufen Handys von den Bändern. Sony lässt seine Playstation und Laptops dort fertigen, Nintendo die Wii. Auch Motorola, Samsung, Toshiba und Hitachi sind Kunden bei Foxconn.

Bereits 2011, so einschlägige Umfragen, wird Foxconn mit seinen fast eine Million Arbeitskräften nach Umsatz gerechnet die Hälfte der weltweiten Fertigung von Unterhaltungselektronik kontrollieren.

Die Auslagerung ihrer Produktion ins billigere China ermöglicht Apple & Co. zwar hohe Gewinnmargen. Doch die immer engere Kooperation mit Foxconn birgt auch zahlreiche Risiken:

  • Die wirtschaftliche Abhängigkeit steigt gefährlich. So bekommen Apple und Foxconn die Defekte am neuen iPhone 4 immer noch nicht in den Griff.
  • Den Heimatländern der Anbieter geht wichtiges Fertigungs-Know-how verloren. Dass mittlerweile die gesamte US-Computerindustrie komplett in Asien produzieren lässt, stößt im Heimatland der Unternehmen, den USA, zunehmend auf Kritik – vor allem angesichts der krisenbedingt ungewohnt hohen Arbeitslosenquote von 9,6 Prozent. Forderungen nach Sondersteuern werden laut.
  • Den Großteil seiner Fabriken betreibt Foxconn in der Volksrepublik China, wo soziale und ethische Standards in der Industrie längst keinen so hohen Stellenwert haben wie im Westen. Durch Skandale wie die Selbstmordserie, die weltweit zu einer Diskussion über die Arbeitsbedingungen in den Werken führte, riskieren Apple und die anderen Branchengrößen Schäden fürs mit millionenteuren Werbekampagnen geschaffene Image.
Leserkommentare
  1. Auf der letzten Seite/fünfter Absatz befindet sich ein Fehler; "...der Mitarbeiter um etwa 100.000 auf 370.000 sinken,..."
    Soll wahrscheinlich 37.000 heißen...

    • Schnurz
    • 26. Oktober 2010 10:41 Uhr

    Sie trinken Kaffee, mögen Schokolade und essen Tropenfrüchte?

    Kommt alles aus Süd-/Mittelamerika oder Afrika - die dortigen Arbeiter werden mit Sicherheit auch ausgebeutet.

    Sie beziehen Kernergie? Oder doch eher Energie von Kohlekraftwerken?

    Die Bedinungen für die Uranförderung in Afrika sind ebenso menschenunwürdig. Die Bedingungen unter Tage für die Kohlearbeiter auch.

    Sie haben ein Handy, Computer, anderes "Technikspielzeug"?

    Tja, wie Coltan gefödert wird, dürfte auch weitgehend bekannt sein.

    Die Liste ließe sich weiter fortsetzen. Soll heissen: Unser Lebensstandard (und die Milliardengewinne der Konzerne) basiert nun mal auch auf Ausbeutung anderer Menschen - Sklavenarbeit outgesourct. Naturschutz können auch nur wir uns leisten, bei der Rohstoffförderung in Entwicklungsländern spielt sowas keine olle.

    Zwar kann man "Fairtrade" kaufen. Aber wer kann sich das leisten? Es würde sich mit Sicherheit zu einem nicht unerheblichen Betrag aufsummieren, würde für alle o.g. Dinge mehr gezahlt werden. Letzlich würde ein konsequent "fairer Handel" unseren Lebensstandard einschränken.

    Doch wer will das? Ein Politiker, der solch eine Politik betreibt, würde doch sofort abgewählt werden.

  2. das ist leider wieder typisch, da kommt ein Unternehmen wie Foxconn nur in die Medien, weil sich 13 Mitarbeiter umgebracht haben. Schaut man sich aber mal die Selbstmordrate in China an, sieht man, dass 13 Mitarbeiter bei einer Belegschaft von 937t ja bald noch positiv zu bewerten ist. Denn immerhin liegt die Selbstmordrate in China bei 13-15 auf 100.000 Bürger (schwankende Angaben in Internet).

    Ich will nicht die generelle Thematik solcher Unternehmen (die hier ja größtenteils behandelt wird) entschuldigen, abschwächen. Finde es nur schade, dass man hier erst wieder drauf aufmersam wird/einen Artikel schreibt, wenn Sensationsmedien aus 13 Selbstmorden eine Sensation machen (die nicht mal wirklich eine ist).

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    • Döderi
    • 26. Oktober 2010 11:14 Uhr

    Es sind ja nicht "einfach nur" 13 Suizide. Es sind 13 aus verzweiflung, weil die Arbeiter wissen oder hoffen, dass ihre Hinterbliebenen eine Entschädigung bekommen. Und das ist schon sehr traurig.

    @4
    Ach bitte, als wäre Apple ein tolles Unternehmen mit vielen glücklichen Mitarbeitern. Ich weiß schon, wieso ich niemals ein Produkt von denen kaufen werde!

  3. Apple-Bashing Artikel. Hat ja bis Dienstag gedauert.

    "Sony lässt seine Playstation und Laptops dort fertigen, Nintendo die Wii. Auch Motorola, Samsung, Toshiba und Hitachi sind Kunden bei Foxconn."
    Also hat so ziemlich jede große Firma Kapazitäten bei Foxconn und jeder Konsument hat ein Produkt, das dort gefertigt wurde.

    Man vergleiche das mit dem Titel:

    "Das dunkle Imperium hinter iPhone, iPad und Co."

    Werden andere Marken erwähnt, so geht es - distanziert geschrieben - um Imagekratzer. Wird Apple erwähnt, so bringt man es auf eine persönlichere Ebene. Selbstmord hier, Selbstmord dort.

    Und das alles bei einem Konzern, der scheints überdurchschnittliche Arbeitsbedingungen hat und 1 Mio Arbeitsplätze nach Asien geholt hat...

    • Döderi
    • 26. Oktober 2010 11:14 Uhr

    Es sind ja nicht "einfach nur" 13 Suizide. Es sind 13 aus verzweiflung, weil die Arbeiter wissen oder hoffen, dass ihre Hinterbliebenen eine Entschädigung bekommen. Und das ist schon sehr traurig.

    @4
    Ach bitte, als wäre Apple ein tolles Unternehmen mit vielen glücklichen Mitarbeitern. Ich weiß schon, wieso ich niemals ein Produkt von denen kaufen werde!

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    Soll die Versorgung der Hinterbliebenen gestrichen werden?

    Mir ist bewußt, dass unser Alltag gespickt ist mit Produkten und Dienstleistungen, die auf schlechten Bedingungen anderer fußen. Ich sehe aber nicht, wie das geändert werden soll. Ich habe selbst zu Hause ein Wii stehen, mag meine Nokias und habe vom Arbeitgeber ein IPhone... alles weg und wie Douglas Adams schrieb...

    "Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen." - Per Anhalter durch die Galaxis, Kapitel 1

  4. Laut Wikipedia ereignen sich in Deutschland hundert bis zweihundert Suiziden in Deutschland auf eine Million Einwohner. Was sagt uns die genannte dreizehn Selbstmorde die sich bei Foxconn 2009 ereignet hat?

  5. Soll die Versorgung der Hinterbliebenen gestrichen werden?

    Mir ist bewußt, dass unser Alltag gespickt ist mit Produkten und Dienstleistungen, die auf schlechten Bedingungen anderer fußen. Ich sehe aber nicht, wie das geändert werden soll. Ich habe selbst zu Hause ein Wii stehen, mag meine Nokias und habe vom Arbeitgeber ein IPhone... alles weg und wie Douglas Adams schrieb...

    "Viele kamen allmählich zu der Überzeugung, einen großen Fehler gemacht zu haben, als sie von den Bäumen heruntergekommen waren. Und einige sagten, schon die Bäume seien ein Holzweg gewesen, die Ozeane hätte man niemals verlassen dürfen." - Per Anhalter durch die Galaxis, Kapitel 1

    • afromme
    • 26. Oktober 2010 11:40 Uhr

    Das ist ja alles ganz interessant - zwar nicht bahnbrechend neu, aber immerhin mal zusammengefasst in einem Artikel zu finden.

    Aber eins Frage ich mich doch - wieso muss man im redaktionellen Teil des Textes permanent auf die Bezeichnungen "Kultmarke" und "Kulthandy" zurueckgreifen? Haette es nicht auch so etwas wie "das beliebte iPhone" oder aehnliches getan?

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  • Quelle Wirtschaftswoche
  • Schlagworte Steve Jobs | Foxconn | Nokia | Sony | China | Fabrik
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