Gerne verweist Josef Ackermann, der Vorstandschef der Deutschen Bank, auf die Tatsache, dass sein Institut keine staatliche Hilfe gebraucht habe während der Finanzkrise. Auch dem US-Hypothekendebakel entging der deutsche Branchenprimus nahezu unversehrt. Am Montag bedankte sich Ackermann artig für die Ehrung als "Bank des Jahres", verliehen vom Branchenjournal International Financing Review . Er sprach von der erfolgreichen Wandlung seines Instituts von der Bank der Deutschland AG zu einem Global Player. Am Dienstagabend, mitten in der vorweihnachtlichen Stimmung, holte ihn eine giftige Altlast dieser ehrgeizigen Transformation ein: Das US-Justizministerium verdonnert die Deutsche Bank zur Zahlung von 553.633.153 Dollar. Mehr als eine halbe Milliarde an Rückerstattung unlauterer Gewinne und Strafen.

Und noch bitterer für eine Bank, die schließlich von ihrem "Kredit", von ihrem guten Namen lebt: Das Institut muss öffentlich "kriminelles Fehlverhalten" einräumen. Ein staatlicher Aufpasser – eine Art Bewährungshelfer – soll darüber wachen, dass die Deutsche Bank nicht rückfällig wird. Im Gegenzug legt die Staatsanwaltschaft die weiteren Ermittlungen auf Eis. Eine Gerichtsverhandlung bleibt Ackermann und den seinen erspart. Es geht um den Vorwurf der Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Fast ein Jahrzehnt lang hat es die Bank geschafft, Klagen von Kunden und Vorwürfe von Ermittlern und Steuerfahndern so gut wie unter der Decke zu halten. Doch jetzt holt sie ihre Geschichte ein.

Sie nahm vor rund elf Jahren ihren Anfang. Es war die goldene Zeit der New Economy , die Wirtschaft boomt weltweit. An den Finanzmärkten war man überschwänglich. Großkonzerne kauften sich gegenseitig auf. Die Börse schien nur eine Richtung zu kennen: Nach oben. Da wollte auch die Deutsche Bank ganz vorn dabei sein. Um sich einen Sonnenplatz an der Wall Street zu sichern, kauften die Frankfurter die amerikanische Investmentbank Bankers Trust und zahlten dafür die gigantische Summe von 15 Milliarden Mark.

Es sei der gemeinsame Start in eine "brillante und erfolgreiche Zukunft", schwärmte der damalige Vorstandssprecher Rolf-Ernst Breuer. Um dieselbe Zeit beschloss in Chicago ein Steueranwalt namens Paul Daugerdas, auf seine Weise an dem Börsenboom mitzuverdienen. Er hatte früher einmal bei der Wirtschaftsprüfungsfirma Arthur Andersen gearbeitet, die ihren Firmenkunden unter anderem hoch komplizierte Steuersparstrategien anbot. Das Unternehmen war in den Bilanzskandal und Zusammenbruch des Energieriesen Enron verwickelt. Nach der Anklage durch die US-Justizbehörden verlor Andersen auf einen Schlag seinen Ruf und brach zusammen. Doch zur damaligen Zeit genoss man als ehemaliger Andersen-Mitarbeiter einen hervorragenden Ruf.

Daugerdas erkannte seine Chance: Er würde Steuersparstrategien à la Andersen auch Privatkunden anbieten. Neuen Reichen, die ihr frisch erworbenes Vermögen vor dem Fiskus schützen wollten. Was noch fehlte, um die von ihm erdachten Geschäfte umzusetzen, war eine Bank von tadellosem Ruf und mit genügend Kapital. Da boten sich Mitarbeiter der Deutschen Bank als Partner an – so stellt es zumindest die New Yorker Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage gegen Daugerdas und zwei weitere Anwälte, sowie zwei Wirtschaftsprüfer und zwei ehemalige Banker der Deutschen Bank dar, die sie im Herbst vergangenen Jahres erhob.