Eigentlich wollte der baden-württembergische Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sich erst am Mittwoch zu einem, wie er selber findet, großartigen Wirtschaftsdeal äußern. In Form einer Regierungserklärung beabsichtigte er den Landtag darüber zu unterrichten, wie und warum er den Kauf von 45,01 Prozent der Aktien der Energie Baden-Württemberg, EnBW, vom bisherigen französischen Großanteilseigner Electricité de France (EDF) organisiert hatte.

Ein Win-Win-Geschäft sei dieser Aktienkauf, suggerierte der Ministerpräsident am 7. Dezember, als er die Nachricht von der "Rettung" des Energieversorgers bekannt gab. Die Übernahme koste den Steuerzahler keinen Cent. Der Kaufpreis von 41,40 Euro je Aktie, insgesamt 4,67 Milliarden Euro, werde über einen Kredit finanziert - aufgenommen durch eine eigens zu gründende Landesgesellschaft. Die Raten für den Kredit würden mit den Dividendenausschüttungen der EnBW bezahlt. Gut möglich, so Mappus, dass fürs Land sogar ein zweistelliger Millionengewinn hängen bleibe, bis das Aktienpaket irgendwann wieder verkauft und die EnBW zum Dax-Konzern gewachsen ist.

Doch dann musste Mappus früher als beabsichtigt vor eine zunehmend angesäuerte Opposition treten – und deutlich mehr erklären, als er vor wenigen Tagen noch geahnt hatte.  Das geschah am Montagvormittag in einer nichtöffentlichen Sitzung des Finanzausschusses im Landtag. Dort und anschließend gegenüber Journalisten räumte Mappus ein, der Aktienkauf koste 5,9 Milliarden Euro, also gut 1,2 Milliarden mehr als zunächst behauptet.

Mappus bestätigte, was ihm die Opposition schon zu Beginn der Woche vorgerechnet hatte. Neben der französischen EDF hielten und halten auch die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), ein Verbund von neun Landkreisen, 45,01 Prozent der EnBW-Aktien. Der Rest von knapp zehn Prozent der Aktien befindet sich im Streubesitz kleinerer Anleger. Diesen Kleinanlegern muss im Zuge der Mehrheitsübernahme durch das Land nun ebenfalls ein Kaufangebot unterbreitet werden. Es ist offen, welche Anleger neben der EDF verkaufen werden, doch genügend Geld muss in jedem Fall bereit stehen.

Nun wird in Politkreisen heftig debattiert, ob Mappus den gesamten Kaufpreis vergangene Woche wissentlich zu niedrig beziffert hat oder falsch beraten war. Letzteres gilt als unwahrscheinlich, denn den Aktiendeal hat Mappus gemeinsam mit einem alten Weggefährten angebahnt: Dirk Notheis, Deutschlandchef der US-Investmentbank Morgan Stanley und einstiger Vorsitzender der Jungen Union in Baden-Württemberg. Beide stammen aus Nordbaden, kennen sich seit Jugendtagen und sind persönlich befreundet. Der SPD-Fraktionsvizechef Nils Schmid sieht das Land im Verdacht der "Vetterleswirtschaft". Er forderte Mappus am Montag auf, die Geschäftsbeziehungen zu Notheis sofort zu beenden. Der Rechnungshof müsse überprüfen, ob es rechtmäßig sei, dass der Milliardenkredit zum Kauf der EnBW-Aktien ohne Ausschreibung an Morgan Stanley vergeben worden sei.

Noch bis vor Kurzem waren sämtliche Landtagsfraktionen in Stuttgart grundsätzlich angetan vom Einstieg des Landes beim Energieversorger, inzwischen ist der Streit in vollem Gang. Das hat nicht nur mit der bekannt gewordenen Männerfreundschaft zwischen Mappus und Notheis zu tun und auch nicht nur mit der jetzt plötzlich eingestandenen Kaufsumme von 5,9 Milliarden Euro. Übrigens sind 200 Millionen Euro davon sogenannte "Erwerbsnebenkosten", die vom Finanzministerium bisher nicht näher erläutert wurden. Darin enthalten sein dürften jedoch branchenübliche Courtagen für Banker.