Strategischer Investor : Katar wird Großaktionär bei Hochtief

Hoffnung im Abwehrkampf: Das Emirat Katar steigt bei Hochtief ein. Das könnte die feindliche Übernahme durch den spanischen Konkurrenten ACS verhindern.
Hochtief-Baustelle in Köln © Patrik Stollarz/AFP/Getty Images

Der Baukonzern Hochtief hat im Abwehrkampf gegen die Übernahme durch den spanischen Großaktionär und Konkurrenten ACS einen so genannten weißen Ritter gefunden. Die Qatar Holding LLC werde nach einer Kapitalerhöhung alle neuen Aktien erwerben und damit künftig knapp 9,1 Prozent der Anteile an dem deutschen Unternehmen halten, teilte Hochtief am Montag in Essen mit . Hochtief fließen damit 400 Millionen Euro zu. Katar war bereits als Investor im Gespräch gewesen. Die Qatar-Holding hält indirekt auch Anteile an den Autokonzernen Volkswagen und Porsche. Zuletzt hatte das Emirat am Persischen Golf Schlagzeilen gemacht, als es überraschend zum Ausrichter für die Fußball-WM 2022 bestimmt wurde.

Hochtief dementierte jedoch, dass der Einstieg Katars etwas mit dem Kampf gegen die Übernahme durch den spanischen Wettbewerber ACS zu tun habe. "Das ist keine Abwehrmaßnahme", sagte ein Hochtief-Sprecher. Grund für den Einstieg Katars sei vielmehr die seit langem bestehende Partnerschaft und gemeinsame neue Projekte in dem Emirat. 

Mit fünf Tochtergesellschaften ist Hochtief bereits in Katar vertreten und beschäftigt vor Ort mehr als 5000 Mitarbeiter. Projekte sind unter anderem eine mehr als acht Kilometer lange Einkaufs- und Geschäftsstraße in der katarischen Hauptstadt Doha für etwa 1,3 Milliarden Euro. Zudem plant Hochtief seit 2008 als Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Qatar Bahrain Causeway die längste Länderverbindung der Welt. Auch entwickelt Hochtief in einem weiteren Gemeinschaftsunternehmen bis 2020 eine komplett neue Stadt in Katar für 200.000 Menschen. Diese solle dann auch Gastgeberin der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 sein.

Hochtief wehrt sich gegen ein Übernahme durch ACS , musste im Abwehrkampf zuletzt jedoch mehrere Schlappen hinnehmen. Der Einstieg eines neuen Großaktionärs galt als eine der letzten verbliebenen Möglichkeiten, um die Übernahme doch noch zu verhindern. Hochtief will das Grundkapital laut Mitteilung um rund zehn Prozent erhöhen und neue Aktien zum Preis von 57,11 Euro ausgeben, die die Qatar-Holding sämtlich erwerben wolle. Gleichzeitig wurde eine Vereinbarung über eine strategische Kooperation getroffen.

Der Vorstand des Essener Konzerns sucht bereits seit Wochen nach einem neuen Investor, mit dessen Hilfe er eine Übernahme verhindern kann. ACS hält knapp 30 Prozent am Hochtief-Kapital und hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses läuft noch bis zum 29. Dezember um Mitternacht. Der spanische Baukonzern bietet acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Titel. Mit dem Einstieg Katars wird eine Übernahme deutlich erschwert. Der Aktienkurs von Hochtief schnellte am Morgen um knapp drei Prozent auf 61,85 Euro nach oben.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte bereits im Oktober in Berlin auf Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz mit dem Wirtschaftsminister des Emirats gesprochen. Reuters hatte Anfang Oktober aus Bankenkreisen erfahren, Hochtief bemühe sich um Investoren etwa aus Dubai oder Katar. Das Emirat Katar ist unter anderem in Deutschland auch bei Porsche und Volkswagen beteiligt.

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Feindliche oder freundliche Übernahme?

Nun also Katar! Das als böse empfunden Begehren Spaniens, ein europäisches Großbauunternehmen zu schaffen und sich damit auch noch selbst zu sanieren ist als feindliche Übernahme diskreditiert worden. Und wahrscheinlich zu Recht. Gute Unternehmensteile ausschlachten, den Rest abstoßen. So ist Marktwirtschaft. Und nun kommen katarische Scheiche und diese sollen also die weißen Ritter der Neuzeit sein. Sollen. Sie sind alles, nur nicht das. Es sind Geschäftsleute wie Bauunternehmer aus Spanien oder Polen auch. Nur weil sie vielleicht für ihr Privatleben als verschwenderisch gelten, werden sie nicht hochdefizitäre Unternehmen beschenken. Wenn Hochtief ein an der Börse unter Wert notiertes Unternehmen ist, dann liegt der Fehler zunächst im Unternehmern selbst. Und wenn sich jetzt jemand aufschwingt es zu übernehmen, so ist das allemal besser als nichts. Aber: wir haben und wollen keinen Sozialismus! Katar wird sich auch nur die Unternehmensteile erhalten wollen, die funktionieren. Martkwirtschaft tickt so. Und mich beschleicht trotz der Fußballstadien zur WM das Gefühl, dass wir vielleicht lieber mit den Spaniern in Russland gebaut hätten, als Europäer eben, als dass wir lediglich unser know how und die Technik nach Katar verschippern. Klar soweit?