Der Baukonzern Hochtief hat im Abwehrkampf gegen die Übernahme durch den spanischen Großaktionär und Konkurrenten ACS einen so genannten weißen Ritter gefunden. Die Qatar Holding LLC werde nach einer Kapitalerhöhung alle neuen Aktien erwerben und damit künftig knapp 9,1 Prozent der Anteile an dem deutschen Unternehmen halten, teilte Hochtief am Montag in Essen mit . Hochtief fließen damit 400 Millionen Euro zu. Katar war bereits als Investor im Gespräch gewesen. Die Qatar-Holding hält indirekt auch Anteile an den Autokonzernen Volkswagen und Porsche. Zuletzt hatte das Emirat am Persischen Golf Schlagzeilen gemacht, als es überraschend zum Ausrichter für die Fußball-WM 2022 bestimmt wurde.

Hochtief dementierte jedoch, dass der Einstieg Katars etwas mit dem Kampf gegen die Übernahme durch den spanischen Wettbewerber ACS zu tun habe. "Das ist keine Abwehrmaßnahme", sagte ein Hochtief-Sprecher. Grund für den Einstieg Katars sei vielmehr die seit langem bestehende Partnerschaft und gemeinsame neue Projekte in dem Emirat. 

Mit fünf Tochtergesellschaften ist Hochtief bereits in Katar vertreten und beschäftigt vor Ort mehr als 5000 Mitarbeiter. Projekte sind unter anderem eine mehr als acht Kilometer lange Einkaufs- und Geschäftsstraße in der katarischen Hauptstadt Doha für etwa 1,3 Milliarden Euro. Zudem plant Hochtief seit 2008 als Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem Qatar Bahrain Causeway die längste Länderverbindung der Welt. Auch entwickelt Hochtief in einem weiteren Gemeinschaftsunternehmen bis 2020 eine komplett neue Stadt in Katar für 200.000 Menschen. Diese solle dann auch Gastgeberin der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 sein.

Hochtief wehrt sich gegen ein Übernahme durch ACS , musste im Abwehrkampf zuletzt jedoch mehrere Schlappen hinnehmen. Der Einstieg eines neuen Großaktionärs galt als eine der letzten verbliebenen Möglichkeiten, um die Übernahme doch noch zu verhindern. Hochtief will das Grundkapital laut Mitteilung um rund zehn Prozent erhöhen und neue Aktien zum Preis von 57,11 Euro ausgeben, die die Qatar-Holding sämtlich erwerben wolle. Gleichzeitig wurde eine Vereinbarung über eine strategische Kooperation getroffen.

Der Vorstand des Essener Konzerns sucht bereits seit Wochen nach einem neuen Investor, mit dessen Hilfe er eine Übernahme verhindern kann. ACS hält knapp 30 Prozent am Hochtief-Kapital und hat ein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot vorgelegt. Dieses läuft noch bis zum 29. Dezember um Mitternacht. Der spanische Baukonzern bietet acht eigene Anteilsscheine für jeweils fünf Hochtief-Titel. Mit dem Einstieg Katars wird eine Übernahme deutlich erschwert. Der Aktienkurs von Hochtief schnellte am Morgen um knapp drei Prozent auf 61,85 Euro nach oben.

Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter hatte bereits im Oktober in Berlin auf Vermittlung von Bundeskanzlerin Angela Merkel kurz mit dem Wirtschaftsminister des Emirats gesprochen. Reuters hatte Anfang Oktober aus Bankenkreisen erfahren, Hochtief bemühe sich um Investoren etwa aus Dubai oder Katar. Das Emirat Katar ist unter anderem in Deutschland auch bei Porsche und Volkswagen beteiligt.