Ölpest USA verklagen BP auf Schadenersatz

Die US-Regierung will den britischen Energiekonzern BP zu Schadenersatzzahlungen für die Ölpest im Golf von Mexiko verpflichten lassen. Es geht um Milliarden.

Ein durch das Öl verendeter Schweinswal wird am 25. Mai 2010 an die Küste von Port Fourchon in Louisana angespült

Ein durch das Öl verendeter Schweinswal wird am 25. Mai 2010 an die Küste von Port Fourchon in Louisana angespült

BP und acht weitere Unternehmen sollen für die Folgen der Ölpest zahlen. Die Firmen haben nach Auffassung der US-Regierung gegen Umweltgesetze und Sicherheitsregularien vorstoßen und damit die größte Naturkatastrophe in der Geschichte der USA verursacht.

"Wir wollen beweisen, dass diese Verstöße die massive Ölpest verursacht oder zu ihr beigetragen haben", sagte Justizminister Eric Holder. In dem Verfahren solle das Bundesgericht in New Orleans die zivilrechtliche Verantwortung der beklagten Konzerne für das Umweltdesaster feststellen. Es geht um Schadensersatz in Höhe von "deutlich mehr als 75 Millionen Dollar" , die Summe könnte sich aber sogar auf mehrere Milliarden Dollar belaufen, weil das ganze Ausmaß der von der Ölpest verursachten Schäden noch nicht bekannt ist und sogar erst Jahre später feststehen könnte, heißt es in der Klageschrift.

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Infografik: Ölpest
Bitte klicken Sie auf das Bild, um zum interaktiven Rückblick der Katastrophe im Golf von Mexiko zu gelangen

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Der Schadenersatz solle für den Einsatz der Behörden, für wirtschaftliche Folgeschäden und für Umweltschäden gezahlt werden, sagte Holder. In der Klageschrift macht die US-Regierung geltend, dass BP und andere Unternehmen das Bohrloch vor der Explosion der Förderplattform nicht hinreichend gesichert hätten . Zudem sei das Bohrloch nicht in erforderlichem Maße überwacht worden. Die von den Betreibergesellschaften eingesetzten Geräte und Materialien seien nicht optimal gewesen.

Umweltfolgen

Zwischen Ende April und Anfang August schwemmten, entlang eines mehr als 800 Kilometer langen Küstenabschnitts, tonnenweise Öl an. Die US-Bundesstaaten Texas, Louisiana, Mississippi, Alabama und Florida waren betroffen. Mehr als 6000 Vögel, Schildkröten und Delfine wurden an der Küste tot oder geschwächt aufgefunden.

Große Sorge bereitet Wissenschaftlern der schmierige Ölfilm, der im Mississippidelta Pflanzen und Sümpfe verschmutzt. An der Golfküste liegen rund 40 Prozent der empfindlichen Feuchtgebiete der gesamten USA. Verklebte Seegraswiesen, Mangroven und Schilf ersticken am Schlick und es wird zum Teil Jahrzehnte brauchen, bis sich diese Gebiete erholen. Dies hat Auswirkungen auf Brut- und Nistgebiete zahlreicher Vogelarten. Allein in Louisiana machen jedes Jahr rund fünf Millionen Zugvögel Rast.

Meeresbiologie

Louisianas Ministerium für Natur und Fischerei sah 445 Fisch-, 45 Säugetier- und 32 Amphibienarten unmittelbar durch den Ölteppich gefährdet. Ob sich Meeressäuger, wie der Pottwal, beim Auftauchen in der klebrigen Masse verfingen, ist unklar. Einige Schildkrötenarten legten Eier an ölverschmierten Stränden. Und viele Fische, Meeresfrüchte und Austern leben in ölverseuchten Regionen – das macht sie ungenießbar. Dabei sind sie ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Region. Teile des Öls haben sich mittlerweile in den Sedimentschichten abgesetzt. Einiges könnte mit der Zeit wieder an die Oberfläche treten, anderes könnte dort jedoch auch Jahrzehnte überdauern, weil es nur langsam abgebaut wird.

Chemikalien

Um das Öl zu stoppen, hat BP zu Chemikalien gegriffen. Die Zersetzungsmittel trennen das Öl in winzige, biologisch abbaubare Tröpfchen, die zu Boden sinken; wie wenn man Spülmittel beim Abwasch benutzt. Doch die Dispergatoren sind hochgiftig. Deshalb warnten Ökotoxikologen davor, dass dispergierte Öltröpfchen von Fischen, Korallen und bodenlebenden Organismen leichter aufgenommen werden. Vor allem über den Einsatz der Chemikalie Corexit 9500 wurde diskutiert. Das Mittel ist hoch toxisch und in Großbritannien sogar verboten. Die US-Umweltbehörde hatte BP angewiesen, die Chemikalie nur noch in seltenen Fällen einzusetzen, doch BP hat sich offenbar darüber hinweggesetzt.

Ölkatastrophen

Nach dem Untergang der Bohrinsel Ixtoc I im Golf von Mexiko im Jahr 1979, strömte 297 Tage lang Öl aus dem Loch am Meeresgrund, insgesamt geschätzte 3,3 Millionen Barrel. Über die langfristigen Folgen ist nur wenig bekannt, weil es kaum Untersuchungen gab. Doch das Öl verschwand binnen weniger Monate. Nach dem Untergang des Öltankers Exxon Valdezim Jahr 1989 flossen insgesamt geschätzte 260.000 Barrel Öl aus, also rund 47 Millionen Liter. 2400 Kilometer Küste wurden verunreinigt. Hunderttausende Seevögel sowie Otter, Robben und Grauwale verendeten. Trotz aufwendiger Reinigungsarbeiten hat sich das Gebiet nur oberflächlich erholt. Die niedrigen Temperaturen verzögern den biologischen Abbau des Öls. Vor allem in den Uferzonen lagern noch immer Reste.

Mit der Klage geht die amerikanische Regierung erstmals juristisch gegen die beteiligten Unternehmen vor. Sie richtet sich neben BP auch an den Besitzer der Unglücks-Plattform Transocean und gegen den Miteigentümer Anadarko. Auf sie könnten neben den Schadensersatzforderungen auch Strafgelder zukommen, die für die gewaltige Wasserverschmutzung fällig werden.

Nach Angaben von Justizminister Holder soll die Schadenersatzklage auch sicherstellen, dass "die amerikanischen Steuerzahler nicht gezwungen sind, die Kosten für die Wiederherstellung der Golfregion zu tragen". Er ließ durchblicken, dass er mit einem langen Verfahren rechnet.

BP erklärte daraufhin, es werde "innerhalb eines angemessenen Zeitraums auf die Vorwürfe der Regierung reagieren" und bei allen Ermittlungen weiterhin kooperieren. BP habe als einzige der neun Unternehmen umfassend für die Aufräumarbeiten gezahlt und 20 Milliarden Dollar für Entschädigungszahlungen zur Seite gelegt. Der Konzern habe bereits reagiert, bevor seine Verantwortung juristisch festgestellt worden sei, und werde seinen Verpflichtungen im Golf von Mexiko auch weiterhin nachkommen .

Explodierte Bohrinsel

Am 20. April 2010 kommt es auf der Bohrinsel Deepwater Horizon, rund 80 Kilometer vor der US-Golfküste, zu einer verheerenden Explosion. 115 Arbeiter retten sich von der Bohrinsel, 11 sterben. Zwei Tage lang versucht die Küstenwache, die brennende Plattform zu löschen. Doch die Konstruktion sinkt, die Verbindung zwischen dem Bohrloch in 1500 Metern Meerestiefe reißt ab. Ungehindert strömte Öl ins Meer, Sicherheitsvorkehrungen für diesen Fall griffen nicht. Ende Juli gelang es, den Ölfluss aufzuhalten.

Ausmaß der Ölmenge

Offiziellen Schätzungen zufolge sind  rund 780 Millionen Liter (4,9 Millionen Barrel) Rohöl ins Meer geströmt. Etwa 128 Millionen Liter konnten mit Auffangglocken über dem Bohrloch abgepumpt werden. Das Ausmaß ist gewaltig. Mit dem Öl, dass in den Golf floss, könnte ein Tanker wie die Exxon Valdez, die 1989 auf ein Riff lief,13 Mal befüllt werden – oder der Plenarsaal des Deutschen Bundestags rund 26 Mal. Ein Regierungsbericht Anfang August 2010 bestätigte dann auch: Der Untergang der Deepwater Horizon löste die größte marine Ölpest aller Zeiten aus – nur an Land war bei einem Unfall 1910 in Kalifornien mehr Öl in die Natur gelangt.

BP-Konzern

Eigentümer der Deepwater Horizon war Transocean. Der britische Konzern BP hatte die Bohrinsel jedoch von der Firma gepachtet und deshalb nach der Katastrophe die Verantwortung übernommen. Bislang hat BP 20 Milliarden US-Dollar für einen Entschädigungsfond zugesagt und zudem mindestens drei Milliarden Dollar für die Aufräumarbeiten. Den Gerichten an der Golfküste lagen im August 2010 bereits rund 250 Sammelklagen vor – Hunderttausende Fischer, Anwohner und andere Betroffene klagen. Nach dem Clean Water Act müsste der Konzern zudem mindestens 1100 Dollar für jedes Barrel Öl zahlen, das ausgelaufen ist. Wird grobe Fahrlässig- keit nachgewiesen, sogar bis zu 4300 Dollar pro Barrel. Um alles bezahlen zu können, sollen Unternehmensbeteiligungen im Wert von 25 bis 30 Milliarden Dollar verkauft werden.

Nach der Explosion am 20. April waren gut fünf Millionen Barrel Öl, insgesamt fast 780 Millionen Liter, in den Golf von Mexiko geflossen. Die Brühe verseuchte teilweise mehr als 1000 Kilometer Küste, die monatelange Sperrung eines riesigen Fischfanggebietes machte zahlreiche Fischer arbeitslos. Es war die größte Ölpest in der Geschichte der USA. Bis zu 48.000 Menschen, 6800 Schiffe und 125 Flugzeuge waren an den Arbeiten beteiligt, die erst am 19. September die Ölquelle MC252 zum Versiegen brachten .

 
Leser-Kommentare
  1. ...das alles zukünftig anders zu machen?
    Ja!
    Mit dem Wollen bei Politik und Industrie ist eine Wasserstoffwirtschaft mittelfristig einzurichten.
    Also doch nicht, denn die wollen nicht.
    Oder wissen es tatsächlich nicht besser.
    Wenigstens der Leser sollte sich informieren!

    http://www.bio-wasserstof...

    Die grüne Wasserstoffwirtschaft benötigt kein Öl, keine Kohle, keinen Atomstrom, kein Erdgas.
    Also würden diese viel Geld verlieren, daher werden sie es solange es geht verhindern.

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    Steht sogar auf der Seite selber: "Von offizieller Seite wird diese Stromwirtschaft aber als Wasserstoffwirtschaft ausgegeben

    Aber diese moderne Form des Strommanagements bleibt eine Stromwirtschaft, weil letztlich Strom über das Netz an den Verbraucher geliefert wird."

    Hm, und wo kommt der Strom wohl her? Der wird mal als naturgegeben vorausgesetzt, oder was? Wasserstofferzeugung ist immer mit Energieaufwand verbunden. Aber die Energie muss ich eben erstmal gewinnen und dafür braucht es Lösungen. Wasserstoff bietet da keine Antwort. Das Desertec-Projekt gibt da schon mehr her, oder Alphakat (Diesel aus Müll) oder andere Projekte.
    Aber eine Repulsine könnte auch zukunftsweisend sein: aus Nichts mach Energie, würde mich brennend interessieren.

    und damit das klappt brauchen wir einen zweiten Planeten, um soviel Monokulturen anzupflanzen, dass jeder Mensch auf der Erde genug Energieressourcen zur Verfügung hat.
    Erneuerbare Energien sind super, aber es wird nicht möglich sein genug Solarfelder zu bauen oder Mais zu pflanzen, ohne das das nicht gleichzeitig zu Umsiedlung, Vertreibung und Hunger führt! Was sie vorschlagen ist eine einseitige Lösung die kaum durchdacht wurde, bevor Sie sie hier publiziert haben. Solartec und andere Technologien sind ja toll, aber sie zerstören Lebensraum für Mensch und Tier. Mais sollten wir den hungernden Menschen in Afrika schicken anstatt ihn in der Biogasanlage zu verfeuern oder unserem E10 Biokraftstoff beizumischen. Das sind grüne Reformen die keinem nutzen beikommen...
    MFG

    Steht sogar auf der Seite selber: "Von offizieller Seite wird diese Stromwirtschaft aber als Wasserstoffwirtschaft ausgegeben

    Aber diese moderne Form des Strommanagements bleibt eine Stromwirtschaft, weil letztlich Strom über das Netz an den Verbraucher geliefert wird."

    Hm, und wo kommt der Strom wohl her? Der wird mal als naturgegeben vorausgesetzt, oder was? Wasserstofferzeugung ist immer mit Energieaufwand verbunden. Aber die Energie muss ich eben erstmal gewinnen und dafür braucht es Lösungen. Wasserstoff bietet da keine Antwort. Das Desertec-Projekt gibt da schon mehr her, oder Alphakat (Diesel aus Müll) oder andere Projekte.
    Aber eine Repulsine könnte auch zukunftsweisend sein: aus Nichts mach Energie, würde mich brennend interessieren.

    und damit das klappt brauchen wir einen zweiten Planeten, um soviel Monokulturen anzupflanzen, dass jeder Mensch auf der Erde genug Energieressourcen zur Verfügung hat.
    Erneuerbare Energien sind super, aber es wird nicht möglich sein genug Solarfelder zu bauen oder Mais zu pflanzen, ohne das das nicht gleichzeitig zu Umsiedlung, Vertreibung und Hunger führt! Was sie vorschlagen ist eine einseitige Lösung die kaum durchdacht wurde, bevor Sie sie hier publiziert haben. Solartec und andere Technologien sind ja toll, aber sie zerstören Lebensraum für Mensch und Tier. Mais sollten wir den hungernden Menschen in Afrika schicken anstatt ihn in der Biogasanlage zu verfeuern oder unserem E10 Biokraftstoff beizumischen. Das sind grüne Reformen die keinem nutzen beikommen...
    MFG

  2. ...während alle anderen Staat Protektionismus, Wirtschaftsspionage, Wirtschaftsjustiz, Patentwirtschaft, Rohstoffspekulation und Rohstoffkriege führen...

    Nicht gegen Strafen, aber hier geht es offensichtlich einzig darum, die Konkurrenz glattzustellen.

  3. Also einlanges Verfahren ..... najaj das hätt ich auch gesagt.

    Es wird wohl deshalb in die länge gezogen werden um dann wieder unter einer Republikanischen REgierung leise eingestellt zu werden wie schon so viele Wirtschaftsverfahren in den USA.

    Man muss nur denken um wieviel Geld es geht und das Politiker im Wahlkampf viel Geld brauchen, warum dann nicht seinen Wahlkampf von der industrie spendiren lassen und dafür das Verfahren einstellen? So wir der Politkter gewählt und der Industrie kommt es deutlich billiger.

    BP Wuste schon warum es alle Kosten übernahm, dann die überhahme auf alle berechtigte Kosten änderte und sich schon mal darauf freute in 2-6 Jahren ingenwann das Verfahren einzustellen ohne die Kosten zu zahlen.

    Man wird sehen wie die Nächsten Regirungen der USA mit den Verfahren umgehen, meine wette ist das es in ein paar Jahren leise Eingestellt wird.

  4. esso mußte letzten endes wohl 500 millionen dollar zahlen für die exxon valdez havarie. damals waren rund 40 millionen liter öl ins meer vor alaska gelangt. die im golf von mexico ausgelaufene menge von 780.000 millionen litern bedeutet rein mengenmäßig das auslaufen von 19.500(!) riesentankern wie der exxon valdez! würden tatsächlich 75 millionen dollar dafür fällig, dann wäre das ganze so glaubwürdig wie die absetzbare brennelementesteuer.

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    • grth
    • 16.12.2010 um 10:33 Uhr

    5 Millionen Barrel es sind "nur" 780 Millionen Liter, da hat sich der Autor leider um den Faktor 1000 verrechnet.

    • grth
    • 16.12.2010 um 10:33 Uhr

    5 Millionen Barrel es sind "nur" 780 Millionen Liter, da hat sich der Autor leider um den Faktor 1000 verrechnet.

  5. Es gibt ein interessantes wikileak zu BP und Aserbaidschan. http://www.guardian.co.uk...

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Bp wird alle Winkel und Schachzüge einsetzen um einen Prozess zu Vermeiden bzw. zu verhindern, der der Amerikanische Statt hat Lizenzen vergeben und ist so mit über Jahrzehnte mit Verdient.Ist somit teilhaben und vor allem Mitschuldiger an dieser Katastrophe.

  7. Wirkliche Wiedergutmachung!
    BP sollte sich umstrukturieren und alternative Energie herstellen. Sie könnten die Österreicher mit ihrer Wasserstoffwirtschaft unterstützen, damit es endlich mal weitergeht und nicht nur Preise vergeben werden und Rekorde erzielt werden, (siehe Elektroauto).
    Es sieht so aus, als würden diese Errungenschaften kurz vor dem Ziel abgewürgt werden, in Vergessenheit geraden und in den Schubladen verschwinden!
    Bis jetzt kein wirklicher Durchbruch!

    • grth
    • 16.12.2010 um 10:33 Uhr

    5 Millionen Barrel es sind "nur" 780 Millionen Liter, da hat sich der Autor leider um den Faktor 1000 verrechnet.

    Antwort auf "für die relation"
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    ja, stimmt. da schwimmt eine zeitungsente auf dem ölteppich. die zahl aus dem artikel taucht auch öfter so im netz auf ...

    ja, stimmt. da schwimmt eine zeitungsente auf dem ölteppich. die zahl aus dem artikel taucht auch öfter so im netz auf ...

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