Dem Frost sei Dank: Peter Ramsauer könnte der erste Verkehrsminister seit mehr als zehn Jahren werden, der sich ernsthaft mit der fehlgeleiteten Unternehmensstrategie der Deutschen Bahn auseinandersetzt und die notwendigen Konsequenzen zieht.

Jahrelang hatte die Politik die Bahn schalten und walten lassen, wie es dem Unternehmen gefiel. Es maximierte die Gewinne im Inland auf Kosten von Qualität und Service und schöpfte sie dann ab, um im Ausland auf neuen Geschäftsfeldern zu expandieren. Das Ziel: Am Ende sollte ein global agierender Logistikkonzern gewinnbringend privatisiert werden. Der Politik war dieses Vorgehen nur recht. Sie hoffte, dadurch irgendwann den Kostenblock Bahn im Haushalt loszuwerden.

Diese einseitig auf einen Börsengang ausgerichtete Strategie hat sich jedoch weder für die Kunden der Bahn, noch für das Unternehmen ausgezahlt. Immer noch wird ein Großteil des Konzerngewinns im Regionalverkehr und der Netzinfrastruktur verdient und eben nicht in den neuen globalen Geschäftsfeldern. Viele Zukäufe erwiesen sich als zu teuer. Gleichzeitig hat die Bahn das Netz und die Züge in Deutschland vernachlässigt. Das Durchschnittsalter der Schienen ist Jahr für Jahr gestiegen; es wurde mehr abgeschrieben als neu investiert. Die Folgen waren in diesem Winter abermals zu beobachten. 

Geholfen hat der Bahn neben der komfortablen Monopolstellung in Deutschland auch der Eigentümer: So vereinbarten Bund und Bahn zwar Kennzahlen, anhand derer die Qualität des Netzes in regelmäßigen Abständen untersucht werden sollte. Nur wurde die Bahn selbst mit dieser Überprüfung beauftragt. So war es dem Unternehmen möglich, mit einfachen Tricks das Ergebnis so gut darzustellen, dass es verkünden konnte, um das Schienennetz in Deutschland sei es wunderbar bestellt. Gleichzeitig ließ sich die Politik dafür feiern, dass die Bahn endlich effizient und wirtschaftlich arbeitet.

Ramsauer hat jetzt die Chance, mit dieser falschen Politik zu brechen. Er muss den Konzern dazu bringen, sich auf seine ureigenste Aufgabe zu konzentrieren: Personen und Güter von A nach B zu transportieren – zu einem annehmbaren Preis und in angemessener Qualität. Die Bahn ist zwar als Aktiengesellschaft organisiert, aber die Richtung gibt immer noch der Eigentümer Bund vor – und nicht das angestellte Management. Wenn die Bahn zukünftig die Gewinne aus dem Regionalverkehr und aus dem Schienennetz reinvestiert, der Bund im Gegenzug auf die geforderte Dividende verzichtet und sich die Bahn schließlich von Teilen ihres internationalen Logistikgeschäfts verabschiedet, dann ist auch Geld da, um die Fehler der Vergangenheit zu beseitigen.