Facebook Geld schlägt Hoffnung

Keine gute Aussicht für Facebook-Nutzer: Fürs schnelle Börsengeld könnten Datenschutz und Privatsphäre auf der Strecke bleiben. Ein Kommentar

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Facebook-Chef Mark Zuckerberg

Eigentlich läge im absehbaren Börsengang von Facebook, dem größten sozialen Netzwerk der Welt, eine großartige Chance. Das Unternehmen wird rechenschaftspflichtig, potenzielle Anleger werden reichlich Fragen stellen. Das wäre die Möglichkeit, ein neues Facebook zu bauen, professioneller, innovativer, transparenter.

All das könnte eintreten, wenn künftig langfristige Investoren die Geschäftsstrategie mitbestimmen, die ihre Rendite sichern wollen. Die auf einem hochwertigen Produkt mit gutem Image bestehen, weil Tausende Analysten es stetig beobachten, und ein kleiner Fehler den Kurs abstürzen lassen kann. Die wissen, dass sich Facebook den öffentlichen Debatten um die Freiheit und Offenheit im Netz nicht ohne Vertrauensverlust entziehen kann. Die nichts von datenkritischen Schnellschüssen oder frechen Sprüchen zum Thema Privatsphäre halten, weil beides den Unternehmenswert nachhaltig beschädigen kann. Dann könnte Facebook so etwas werden wie der Volkswagen unter den sozialen Netzwerken, mit einem hohem Qualitätsversprechen an Nutzer und Werbekunden.

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Könnte. Denn leider steht sehr viel gegen ein solches Szenario. Facebook ist auf dem Graumarkt, auf dem heute schon Anteile von Angestellten und frühen Investoren durch einige Handelshäuser verkauft werden, hoffnungslos überbewertet. Es heißt, Facebook habe in den ersten neun Monaten 2010 einen Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar und einen Netto-Gewinn von 355 Millionen Dollar erzielt. Das entspricht zwar einer Umsatzrendite von rund 30 Prozent. Doch wenn man dem Graumarkt folgt, soll der Wert des Unternehmens irgendwo zwischen 35 und 60 Milliarden Dollar liegen.

Für einen entspannten Börsengang ist diese Spanne zwischen tatsächlichem Gewinn und prognostiziertem Wert viel zu groß. Zum Vergleich: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (also das Verhältnis zwischen dem Aktienkurs und dem geschätzten Gewinn einer einzelnen Aktie) liegt bei Google bei einem Wert von etwa 25. Für Facebook lässt sich anhand der genannten Zahlen der weitaus schlechtere Wert von rund 99 berechnen. Und das ist konservativ gedacht.

Was aber wird die Geschäftsführung tun, wenn die Investoren nach einem Jahr das erste Mal Geld sehen wollen, die Umsätze sich jedoch langsamer entwickeln als erwartet? Kann sie sich dann den vielen vorstellbaren Schweinereien im Umgang mit Nutzerdaten noch entziehen? Wie weit wird man den Interessen der Werbekunden entgegenkommen müssen?

Vielleicht werden die bestimmenden Investoren auch gar kein Interesse an einem langfristigen Geschäftserfolg haben. Hedgefonds und Pensionskassen beispielsweise sind nur daran interessiert, ihre eignen Renditevorgaben einzuhalten. Ihnen ist es meistens völlig schnuppe, wie die Unternehmen, an denen sie sich beteiligen, ihr Geld verdienen. Umweltsauereien durch Ölkonzerne, Krebstote durch die Tabakindustrie, hohe Gewinne aus Rüstungsdeals: Hauptsache, der Dollar rollt. 

Die Hoffnung, Facebook könnte doch noch die Privatsphäre ernst nehmen, den Nutzer und seine Daten nicht als auszuschlachtende Ressource, sondern als echten Kunden betrachten, bleibt angesichts dessen Utopie. Schade eigentlich.

 
Leser-Kommentare
  1. Daher wird es jetzt Zeit für Dispora, ein Social Network, bei dem man Kontrolle über seine Daten behält:

    https://joindiaspora.com/

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  2. Wenn man sich mal ansieht, was Zuckerberg von Privatsphäre hält, dann spielt Geld und Profitstreben da gar keine Rolle mehr.

    Obwohl ich die Diskussion um Privatsphäre in der Öffentlichkeit für durchaus interessant halte. Es kann durchaus sein, dass auf Dauer gesehen Zuckerberg da gar nicht so weit daneben liegt, weil es anders als sehr gelassen und offen gar nicht gehen wird. Man kann nicht erwarten, dass man Daten über sich öffentlich machen und gleichzeitig die volle Kontrolle darüber behalten kann.

  3. "Die Hoffnung, Facebook könnte doch noch die Privatsphäre ernst nehmen, den Nutzer und seine Daten nicht als auszuschlachtende Ressource, sondern als echten Kunden betrachten, bleibt angesichts dessen Utopie. Schade eigentlich."

    Schade eigentlich? Nun, ich bin froh, kein "Kunde" bei Facebook zu sein. Kunden müssen heutzutage überall ordentlich dafür zahlen, dass sie etwas nutzen können, man ist ihnen gegenüber meistens unfreundlich und versucht sie wo man kann über den Tisch zu ziehen und finanziell auszunehmen. Ich bin froh, dass der Dienst von Facebook nach wie vor kostenfrei ist. Dann zahle ich auch gerne mit meinen Lese- oder Musikvorlieben. Wen's interessiert ... .

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  4. ... aus der taz:
    "Mitglieder einer bestimmten Partei generell nicht als ehrenamtliche Interviewer zuzulassen geht nach Ansicht der Präsidentin der sächsischen Statistikbehörde aber nicht - auch die Überprüfung der politischen Gesinnung der Interviewer sei aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Es stehe aber jedem frei, den Fragebogen selbst und nicht mit dem Interviewer auszufüllen und per Post oder online an die zuständige Erhebungsstelle zu schicken, sagte Schneider-Böttcher. Alternativ könne man auch einen anderen Interviewer verlangen.

    Wer allerdings das Ausfüllen der Fragebögen komplett verweigert, riskiert ein Bußgeld von bis zu 5.000 Euro. Für den Zensus besteht Auskunftpflicht."

    Immerhin will Facebook von uns keine 5.000 Euro, wenn wir unsere Daten lieber für uns behalten möchten!

  5. Es soll sogar Menschen geben, die im Telefonbuch stehen...oder in öffentlichen Adressbüchern. Was kann facebook denn schon groß anfangen mit den wenigen Daten, die ich ihm gebe? Personalisierte Werbung auf einer Reihe von Websites, das ist alles. Noch nie bekam ich auch nur eine einzige Spam (Werbemail).
    Wer jemals mit EC-Karte gezahlt hat, ist in einem riesigen zentral verwalteten Datenpool, und zwar mit ganz konkreten Daten. Das ist eine ganz andere Nummer, und das betrifft quasi jeden.
    Ich stehe mit Klarnamen in meinen Facebook-Profil, aber z.B. Google weiß das nicht. Weil facebook bei meiner Privatssphäre-Einstellungen alle Suchrobots aussperrt. Sollte facebook diese Möglichkeiten ändern, geht man eben woanders hin. Fertig.

  6. "Nerd" könnte auch als Abkü für "Non Emotionally Responding Dude" gelesen werden und damit als perfektes Kurzprofil für Mark Zuckerberg gelten, der sein Derivat von "social" als "neue soziale Norm" sieht. Dabei geht es doch nur darum, mit F*book die Weltherrschaft zu erlangen. Was Männer sich so alles nachts im Bett überlegen, wenn die anderen die guten Mädels abgreifen. Das sollte jedoch spätestens nach dem Börsengang für MZ kein Problem mehr sein. F*book war nie eine großartige Chance, sondern nur ein Vehikel für postpubertäre Allmachtsfantasien. Und die Toleranz für besagte vorstellbare Schweinereinen ist doch längst mit Einzelfällen ausgetestet worden. Da geht noch was, erst recht, wenn die Shareholder später hinter den Kulissen Rendite sehen wollen.

    Manchmal ist die große Welt eben so, wie der kleine Moritz sie sich vorstellt ...

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  7. Mal ehrlich, was soll es bringen Facebook-Angaben irgendwie besonders zu schützen? Was sollen die Leute da so "intimes" sehen? Fotos? Ist ja lächerlich.
    Das Thema Facebook und Datenschutz sind absolut umsonst.

    Wer Fotos von sich rein stellt, wofür er sich schämt, ist ja elbst schuld, oder wenn dieser jemand betrunken an Pinwände anderer postet. Wenn man mit Freunden Fotos sharen will, kann man sich auch andere Dienste aussuchen, bzw. einfach per E-mail versenden, sich ein Forum aufsetzen, etc.

    Datenschutz ist wichtig, wenn man nicht will das einer einem die E-mails liest (der Staat z.B.), dass man nicht abgehört wird, etc. Aber wenn man selbst Daten ins öffentlich zugängliche größte Netz der Welt stellt und dann sich beschwert, dass was nicht stimmt, ist man vollkommen abseits der Realität.
    Diese Leute sind selbst Schuld, kein Mitleid.

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    • lepkeb
    • 07.01.2011 um 20:53 Uhr

    auch nicht helfen, da sie eventuell die Daten schon eingegeben haben.

    Daher wie schon mal kommentiert, 75 Euro pro Nutzer sind ein Schnäppchen für Datensammler. Also ist der Preis von 50 Mrd. Dollar bei 500 Mio. Nutzern nicht zu hoch, sonder imho ein Sonderangebot.

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