Brüssel hat keine Bedenken: Eine Untersuchung habe ergeben, dass sich die Tätigkeiten von ACS und Hochtief weitgehend ergänzten und die Unternehmen im Wesentlichen in unterschiedlichen Ländern tätig seien, teilte die EU-Kommission mit. Es gebe nur sehr geringe Überschneidungen in den Geschäftsbereichen Baudienstleistungen, Verwaltung von Gebäuden und Anlagen sowie Autobahnkonzessionen. Man sei daher zu dem Schluss gelangt, "dass die Übernahme den wirksamen Wettbewerb im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) oder in einem wesentlichen Teil desselben nicht erheblich beeinträchtigen wird", resümierte die Kommission.

ACS hatte die Übernahmepläne am 3. Dezember in Brüssel angemeldet. Das erklärte Ziel der Spanier sind knapp über 50 Prozent an Hochtief. Anfang Januar hatte der Konzern mitgeteilt, seinen Anteil an Hochtief auf über 30 Prozent erhöht zu haben – in diesem Fall dürfte ACS ein gegebenenfalls teures Pflichtangebot an die Aktionäre umgehen und ungehindert weitere Anteile am Markt zukaufen.

Management und Betriebsrat des deutschen Traditionsunternehmens aus Essen wehren sich seit Monaten gegen die Übernahme. Doch die Chancen schwinden: Entscheidend für den Erfolg der ACS-Offerte – also das Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle – sei das Ende der verlängerten Übernahmefrist, sagte eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Diese Frist läuft am 18. Januar aus.

Zwar hatten die Spanier die Hürde am Ende der ersten Angebotsfrist am 29. Dezember nur knapp übersprungen: Ganze 262.000 Anteilsscheine lag ACS über den 30 Prozent. In Finanzkreisen hieß es daher, es gebe die Möglichkeit, dass die Übernahme noch scheitern könne – wenn genug Anteilsscheine aus dem Topf der den Spaniern bereits angedienten Aktien aufgekauft würden. Diese werden frei an der Börse gehandelt. Spekulanten könnten die Papiere nun aufkaufen, da die Besitzer der Aktien – wie aus der Übernahmeofferte hervorgeht – das Recht haben, bis sieben Werktage nach der Bekanntgabe des endgültigen Ergebnisses ihre Verkaufszusage wieder zurückzuziehen.

Daten der Nachrichtenagentur Reuters zufolge dürften die Übernahmepläne von ACS aber auch dadurch nicht vereitelt werden: Nur etwa 200 angediente Anteilsscheine wechselten demnach an diesem Freitag den Besitzer, insgesamt wurden nur knapp 650 dieser Papiere gehandelt. Die Sprecherinnen von Hochtief und ACS wollten sich nicht dazu äußern.

ACS bietet den Hochtief-Aktionären neun eigene Aktien für jeweils fünf ihrer Anteilsscheine. Der Konzern kann in der laufenden Annahmefrist weitere Aktien einsammeln, um oberhalb der 30-Prozent-Marke zu bleiben. Endgültige Klarheit über den Erfolg der Offerte dürfte damit erst um das Monatsende herum herrschen. Bis dahin sind die angedienten Anteilsscheine bei der Berenberg Bank geparkt.