Presseschau "Der Sparzwang der Bahn rächt sich"

Zu wenig Züge und mangelhafte Wartung hätten das Chaos bei der Bahn ausgelöst, kommentieren Tageszeitungen. Nur durch Zuverlässigkeit sei neues Vertrauen zu schaffen.


Financial Times Deutschland

Geld weckt Begehrlichkeiten, das gilt auch für die 500 Millionen Euro Dividende, die die Bahn bis 2014 Jahr für Jahr an den Bund zahlen soll. Trotzdem tut der Bund gut daran, sich gegen dieses Ansinnen zu sperren und auf die Dividendenzahlung zumindest im laufenden Jahr zu beharren. Denn das Problem der Bahn ist nicht, dass sie finanziell ausgeblutet wäre, sondern dass ihr das Geld an anderen Stellen zu locker sitzt. Wenn der Staat nun die Dividende einfordert, ist das in Ordnung. Doch muss er im Gegenzug seiner Verantwortung gerecht werden. Als größter Geldgeber, der er bei Infrastrukturmaßnahmen der Bahn ohnehin schon ist, sollte er den Löwenanteil der Bahn-Dividende für Schienenprojekte ausgeben, statt es im Bundeshaushalt versickern zu lassen. Dann hätten auch jene etwas davon, die die Bahn ohnehin finanzieren: Kunden und Steuerzahler.

Die Welt

Der einstige Werbespruch der früheren Bundesbahn "Alle reden vom Wetter. Wir nicht" ist noch in Erinnerung. Er hieß übersetzt: Komme, was da wolle, wir hauen euch raus. Das wurde auf den Staat insgesamt gemünzt. Die Bundesbahn war neben der Bundesbank ein Pfeiler des Vertrauens in die Bundesrepublik. Wenn der Staatskonzern Deutsche Bahn AG nun zum Symbol einer Bundesrepublik werden sollte, die schlampt und versagt und gegenüber den Kunden auch noch dauernd Ausreden dafür findet, ist das nicht nur ein Problem der Bahn. Setzt sich der Eindruck erst einmal fest, dann lautet die draußen empfundene Botschaft: Es kümmert den Staat nicht mehr, ob seine Wähler und Steuerzahler pünktlich ankommen. (...) Auch Bundeseigentum verpflichtet. Es geht um den guten Ruf Deutschlands.

Hannoversche Allgemeine Zeitung

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Unverständlich ist Grubes Klage, dass das Eisenbahnbundesamt zu viel Zeit auf die technische Überprüfung der Züge verwendet. Die anhaltend großen technischen Probleme, selbst bei neuen Bahnen, lassen vermuten, dass bisher eher zu wenig als zu viel kontrolliert wurde. Alles schnell auf die Schiene, das wird Grube nicht helfen. Das neue Ziel der Bahn muss Zuverlässigkeit sein. Nur dann wächst neues Vertrauen.

Leipziger Volkszeitung

Auch wenn die Ursachen für das derzeitige Bahn-Chaos in der unzureichenden Bestellung von Zügen, in der mangelhaften Wartung der Infrastruktur und im geschrumpften Personalbestand liegen allein die Forderung der Länder nach mehr Investitionen greift zu kurz. Voraussetzung dafür muss eine klare Trennung der Strukturen sein. Ein eigenwirtschaftlich betriebener Fernverkehr, der den politischen Auftrag einer Grundversorgung bis ins letzte Dorf erfüllen soll, ein bezuschusster Regionalverkehr, der zunehmend aber leider nicht konsequent im Wettbewerb vergeben wird, und beides auf einer Netzinfrastruktur, die der Bund zwar bezahlt, die Bahn aber betreibt, das passt nicht zusammen. Die Politik muss das Netz aus dem Konzern herauslösen und fernab jeder Renditeerwartung pflegen, ausbauen.

Westdeutsche Zeitung

Die Politik hat jahrelang tatenlos zugeschaut, wie sich eines der größten Transportunternehmen der Welt in die Krise manövriert hat. Ohne Rücksicht auf Qualitätseinbußen wurde die Bahn in der Ära Mehdorn für den angepeilten Börsengang aufgehübscht. Um das Unternehmen so rentabel wie möglich zu machen, wurden dringend notwendige Investitionen in das Schienennetz und in neue Züge gekürzt oder gleich ganz gestrichen. Das rächt sich jetzt. Die Bahn braucht Geld für Infrastruktur, Fuhrpark, Werkstätten und Personal, wobei die 500 Millionen, die der Bund nun beansprucht, nur ein kleiner, aber wichtiger Beitrag wären. Nötig ist jährlich eine Milliarde zusätzlich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Und die ist für das Staatsunternehmen umso wichtiger, als im September mit dem Köln-Hamburg-Express erstmals eine echte private Konkurrenz auf die Schiene geht. Abgesehen davon sollten Dividenden sowieso nur gezahlt werden, wenn es Gewinne gibt, die nach Steuern und Investitionen übrig bleiben. Die Bahn hat im ersten Halbjahr 2010 einen Gewinn vor Steuern von gut 800 Millionen Euro eingefahren. Das klingt viel, ist aber mit Blick auf die Schuldenlast zu wenig, um eine Dividende zu zahlen.

Wetzlarer Zeitung

Wie soll es weitergehen mit unserer Bahn? Die Politik weigert sich seit vielen Jahren, die Verantwortung für diesen großen Bundesbesitz zu übernehmen und klare Zielvorgaben für das Unternehmen zu machen. Wollen wir ein subventioniertes flächendeckendes, zuverlässiges und bezahlbares Beförderungsmittel oder soll die Bahn AG ein für Privatanleger interessantes Anlageobjekt werden? Beides zusammen geht scheinbar nicht. Die aktuelle Bundesregierung macht es also so wie alle Regierungen vor ihr: weiter wursteln, die Verantwortung von sich weisen und ab und zu den Bahnvorstand als Prügelknaben freigeben.
 

 
Leser-Kommentare
  1. durch die Bahn endlich eingestellt? Gleiches Geld für gleiche Arbeit! Die DB ist rundum eine Schande für Deutschland. Alle etablierten Parteien haben das gewollt und verbrochen.

    Die unglaublichen Privatisierungsfolgen waren vorher schon in Neusseland und im UK eindeutig zu erkennen. Aber unsere Pappnasen sind ja lernresistent wenn es um das Verschenken von Staatseigentum geht.

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  2. wenn die DB Zeitarbeit das Gleiche macht?

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  3. Wer hat den die Manager Dürr, Mehdorn u.a berufen und beauftragt? Wer hat den das Ziel "Börsengang" jahrelang gepredigt? Und wer hat den die überall vernehmbaren Mahner gegen diesen Kurs tapfer ignoriert?
    Das war doch die gleiche Politikerkaste die jetzt "haltet den Dieb" schreit.
    Ist der Wahnsinn Börsengang endlich endgültig vom Tisch, oder wird im Moment dazu nur geschwiegen.
    Falls die "ZEIT" wirklich einen konstruktiven Beitrag leisten möchte, könnte sie ja mal die Entscheidungsträger der Zeiten von Kohl, Schröder und Merkel ermitteln und ERNSTHAFT zur Rede stellen. Auch Fragen nach deren Verantwortung im strafrechtlichen und politischen Sinne sowie Vorteilsnahme im Amt wären mal zu stellen.
    Aber eher heiratet der Papst....

  4. In Japan lacht man sich wahrscheinlich schlapp. Dort kommt jeder Zug, ob Vorortzug oder Shinkansen-Hochgeschwindigkeitszug, bei jedem Wetter nicht nur auf die Minute, sondern nachgerade auf die Sekunde pünktlich an.
    Bahnmanager, die ein Unzuverlässigkeitschaos wie hier verantworten müßten, hätten sich vor Scham schon längst entleibt.

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    "Bahnmanager, die ein Unzuverlässigkeitschaos wie hier verantworten müßten, hätten sich vor Scham schon längst entleibt."

    Unsere Manager fühlen sich in so einem Fall im Erfolg bestätigt und auf dem richtigen Wege. Deswegen gönnt man sich mit Zustimmung des korrumpierten oder altersdebilen Aufsichtsrates ein paar Millionen Euro Erfolgsprämie. Man ist natürlich jeden Cent wert und möchte ihn auch nicht missen.

    "Bahnmanager, die ein Unzuverlässigkeitschaos wie hier verantworten müßten, hätten sich vor Scham schon längst entleibt."

    Unsere Manager fühlen sich in so einem Fall im Erfolg bestätigt und auf dem richtigen Wege. Deswegen gönnt man sich mit Zustimmung des korrumpierten oder altersdebilen Aufsichtsrates ein paar Millionen Euro Erfolgsprämie. Man ist natürlich jeden Cent wert und möchte ihn auch nicht missen.

  5. "Wollen wir ein subventioniertes flächendeckendes, zuverlässiges und bezahlbares Beförderungsmittel oder soll die Bahn AG ein für Privatanleger interessantes Anlageobjekt werden? "

    und die Antwort darauf gleich mit.

    "Beides zusammen geht scheinbar nicht."

    Es tut allen gut dieses neoliberale Privatisierungs- und Börsengeschwurbel einmal auf die Kernaussage herunter zu brechen.

    Gleiches gilt für Strom, Wasser, Schulen, Universitäten, Krankenhäuser und Straßen.
    Das Individuum innerhalb einer Gesellschaft ist zwar privat, aber eben so wenig zu Privatisieren wie die oben genannten Notwendigkeiten.
    Es sei denn als Sklave.

    Es ist dringend notwendig dieser Fehlentwicklung von Gesellschaftsverständnis (Staat als Feind) eine Reform zu verpassen. Wahrscheinlich zuerst eine mentale.
    Die Bürger müssen sich ihre Gesellschaft zurück erobern und die Politiker wieder zu dem machen, was sie sind. Unsere Dienstleister. Nicht unsere Herrscher.

  6. "Bahnmanager, die ein Unzuverlässigkeitschaos wie hier verantworten müßten, hätten sich vor Scham schon längst entleibt."

    Unsere Manager fühlen sich in so einem Fall im Erfolg bestätigt und auf dem richtigen Wege. Deswegen gönnt man sich mit Zustimmung des korrumpierten oder altersdebilen Aufsichtsrates ein paar Millionen Euro Erfolgsprämie. Man ist natürlich jeden Cent wert und möchte ihn auch nicht missen.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Eine bestechende Idee : Die Bundesrepublik Deutschland trennt sich in voller Gänze von seiner Bahn, auch von den Netzen, analog zu den Strom-Gas-Wasser-Telefon-Netzen : Keines dieser Netze ist in staatlicher Hand. Der Staat kann und darf sich nicht unternehmerisch betätigen.Das gehört in privater Hand ! Wie es geht ? Das gesamte DB-Netz wie ehemals das UMTS-Netz, wird meistbietend versteigert. Jeder, der flüssiges Geld hat, kann Anteile oder das Ganze erwerben. Ebenso das noch vorhandene rollende Material. Kaufen kann jeder, Aus-Inländisch, Staats- Hedge-Fonds, Ausländische Staatsbahnen, usw, also totale Liberalität. Allerdings gibt es auch keinerlei staatliche Zuschüsse, Regionalisierungsmittel usw. Alles wird eigenwirtschaftlich betrieben. Überwachung geht vom Eisenbahn- Bundesamt "EBA"
    an private Unternehmen. Jedes kompetente Unternehmen kann Bahnen betreiben. Voraussetzung ist Kompabilität wie Fahrspannung, Spurweite, ETS- Systeme, auch Fahrkarten und deren Kaufautomaten, max. Zuglänge u.m. Selbst eigene, private Security anstelle der Bundespolzei wird etabliert. Alle zu den Netzen gehörenden Grundstücke werden nicht rückholbar per Versteigerung veräussert. Fahrpreise, Nutzerentgelte werden privat ausgehandelt, der Staat hat keinen Einfluss darauf. Auch die Bundesnetz- Agentur ist aussenvor.
    Der Staat, von jeder Bahnaufgabe entlassen, spart Geld wie nie zuvor ! Unterstützung seitens Parteien und Reggierung sei diesem Ansinnen gewiss.

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