Bankenkrise Regierungsexperten empfehlen Abwicklung der Hypo Real Estate

Die HRE ist nicht zu retten: Zu diesem Schluss kommt eine von der Bundesregierung eingesetzte Expertenkommission. Auch die Zukunft der WestLB sieht das Gremium kritisch.

Ein Expertengremium legt der Bundesregierung die Schließung der angeschlagenen Hypo Real Estate (HRE) und ihrer Tochtergesellschaften Deutsche Pfandbriefbank (pbb) und Depfa nahe. „Der Expertenrat empfiehlt, (...) eine Abwicklung der gesamten Hypo Real Estate-Gruppe – unter Einschluss der pbb – sehr ernsthaft in Betracht zu ziehen“, heißt es in einem Gutachten des Rates, dessen abschließender Entwurf der ZEIT vorliegt. 

Dem von der Regierung eingesetzten Gremium um den Bonner Wirtschaftsjuristen Daniel Zimmer gehören renommierte Ökonomen, Investmentbanker und Wirtschaftsvertreter an. Auftrag des Rates war es, Szenarien für den Ausstieg des Staates aus seinen Bankenbeteiligungen zu entwickeln. Untersucht wurden neben der HRE die Aareal Bank, die Commerzbank und die WestLB.

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Für eine erfolgreiche Privatisierung der HRE gebe es „nur begrenzte Chancen", so das Gutachten. Ein Verkauf werde "voraussichtlich keinen substanziell höheren Erlös einbringen“ als eine Abwicklung. Die Märkte, auf denen die Bank aktiv sei, seien durch „Überkapazitäten, großen Wettbewerbsdruck und Margenschwäche gekennzeichnet“.

Die HRE war im Zuge der Finanzkrise in Schieflage geraten und nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt worden. Im vergangenen Jahr belastete die verstaatlichte Bank den Bund und somit die Steuerzahler mit einem Verlust von 2,2 Milliarden Euro.

Auch die WestLB beurteilen die Experten skeptisch. Die Bank erbringe „keine volkswirtschaftlich unentbehrliche Leistung“, ein Verkauf als Ganzes sei „wenig aussichtsreich“. Eine Fusion mit anderen Landesbanken werde das Problem wegen „des fehlenden oder problematischen Geschäftsmodells“ vieler Häuser nicht lösen. Der Rat sehe hingegen für einen Verkauf von Teilen der Bank „gute Chancen“.  Zudem sei es aber „in jedem Fall“ geboten, "zeitnah Vorbereitungen für eine eventuell erforderlich werdende Abwicklung" zu treffen.

Der Commerzbank gestehen die Experten „grundsätzlich eine profitable Geschäftstätigkeit“ zu. Die Bank könne aber durch eigene Mittel nur einen „Bruchteil der Stillen Einlage ablösen“ mit der sich der Bund an dem Institut beteiligt hat. Etwa drei Milliarden Euro könne sie aufbringen, indem sie ihr pralles Kapitalpolster etwas reduziere. Dazu komme bis 2013 ein „niedriger einstelliger Milliardenbetrag“ aus anfallenden Gewinnen. Um die restliche Summe aufzubringen, empfehlen die Experten eine Kapitalerhöhung. Diese soll „so bald wie möglich durchgeführt werden, um die Bank wenigstens teilweise von der Stillen Einlage zu entlasten“.

Die Fachleute bringen aber auch eine zweite Variante ins Spiel: Demnach würde der Bund die Einlage in Aktien wandeln und weiterverkaufen. Sein Anteil an der Bank stiege so auf bis zu 79 Prozent. Brisant ist dieser Weg, weil die Gutachter dem Bund empfehlen, „sehr ernsthaft zu prüfen“, in diesem Fall das gesamte Aktienpaket „an einen strategischen Investor, der bereit wäre, für die mit einem sehr großen Anteil einhergehenden Kontrollmöglichkeiten einen Aufpreis zu bezahlen“ zu veräußern. „Abgesehen davon, dass die Kontrollprämie im fiskalischen Interesse liegt, hätte diese Variante auch den Vorteil, dass die Beteiligung auf einmal verkauft würde“, heißt es im Gutachten Als mögliche Kandidaten werden in Finanzkreisen spanische und chinesische Banken gehandelt.

Insgesamt übten die Experten Kritik an der Bankenrettung in Deutschland.  Die Erfahrungen anderer Länder zeigten, „dass der Ausstieg der Regierungen aus den Beteiligungen an Banken zum Teil schneller und mit größeren Gewinnen gelungen ist als in Deutschland“.

 
Leser-Kommentare
  1. Im Schweizer Parlament würde man die folgende Frage erst gar nicht stellen; sie würde von der Regierung gleich unaufgefordert beantwortet:
    Wieviel Steuergeld hat diese Expertenkommission gekostet??

    Und die Opposition würde fragen:
    Wieviele hoch- und vollbezahlte Angestellte arbeiten im Finanzministeriun und seinen Sub-Behörden (z.B. Bankenaufsicht) und warum kommen diese Herrschaften nicht selbst zu diesem Fazit??

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  2. Wer übernimmt die Verantwortung für den Schlamassel?
    Ich will Blut sehen ... Kündigungen, Anklagen, Untersuchungen, Schadenersatzforderungen.

    16 Leser-Empfehlungen
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    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:07 Uhr

    ... als hielten Sie nach der nächsten Laterne Ausschau?

    aber persönliche Haftung von Regierung und Legislative, so wie in fast jedem anderen Bereich persönlich für Fehlverhalten gehaftet wird. Absolut lächerlich, wenn gerade diejenigen, die besonders viel Macht über das Schicksal anderer Menschen haben und daher am meisten Verantwortung tragen sich am wenigsten sorgen über persönliche Konsequenzen sachlicher Fehlentscheidungen machen müssen.

    Da werden Sie warten, bis Sie schwarz werden.

    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:07 Uhr

    ... als hielten Sie nach der nächsten Laterne Ausschau?

    aber persönliche Haftung von Regierung und Legislative, so wie in fast jedem anderen Bereich persönlich für Fehlverhalten gehaftet wird. Absolut lächerlich, wenn gerade diejenigen, die besonders viel Macht über das Schicksal anderer Menschen haben und daher am meisten Verantwortung tragen sich am wenigsten sorgen über persönliche Konsequenzen sachlicher Fehlentscheidungen machen müssen.

    Da werden Sie warten, bis Sie schwarz werden.

  3. ...und einer der wenigen professoralen Fachleute die Zerschlagung der HRE gefordert: Keinen Cent für die Banken! Passiert wäre: Nichts! Gut, ein paar Reiche und Superreiche hätten viel Geld verloren. Wir alle aber hätten viel Geld gespart. Steinbrück sollte seine Bücher verheizen lassen - alle sind auf seine von Ackermann, Springer et.al. eingeblasenen Sprüche hereingefallen - außer Prof. Homburg und ich.

    11 Leser-Empfehlungen
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    Und ich! ;)

    Interessant ist die Entwicklung Islands. Das einzige Land, das signifikant in den nächsten Jahren seine Schulden abbauen wird. (nach Fitch) Der europäische Rest wird lediglich seine Schuldenzunahme verlangsamen, geringfügig abbauen oder rasant beschleunigen können.

    Was bei der HRE geschehen ist, halte ich für ein Verbrechen und eine unerhörte Verantwortungslosigkeit. Ich schließe mich da auch der Forderung an. Das muss personelle Konsequenzen haben.

    Die Rechnung wird an eine junge Generation gestellt, die meist schlechter beruflich positioniert ist, eine Schuldenbremse durchsetzen muss, halb Europa wirtschaftlich machen soll und dazu die kommenden Alten versorgen soll. Dies alles bei schwindenden und sich verteuernden Ressourcen. Zusätzliche Bremsklötze der globalen Wirtschaft.

    Das wird nicht gutgehen. (Nicht falsch verstehen: Schuldenbremse und Verpflichtung den vorherigen Generationen gegenüber ist selbstverständlich richtig und zwingend notwendig)

    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:10 Uhr

    Schon die Rettung der IKB war ein Fehler.

    Da war der Weg dann offen für die staatlich/steuerliche Subventionierung a la Allianz/Commerzbank, HRE usw.

    Und ich! ;)

    Interessant ist die Entwicklung Islands. Das einzige Land, das signifikant in den nächsten Jahren seine Schulden abbauen wird. (nach Fitch) Der europäische Rest wird lediglich seine Schuldenzunahme verlangsamen, geringfügig abbauen oder rasant beschleunigen können.

    Was bei der HRE geschehen ist, halte ich für ein Verbrechen und eine unerhörte Verantwortungslosigkeit. Ich schließe mich da auch der Forderung an. Das muss personelle Konsequenzen haben.

    Die Rechnung wird an eine junge Generation gestellt, die meist schlechter beruflich positioniert ist, eine Schuldenbremse durchsetzen muss, halb Europa wirtschaftlich machen soll und dazu die kommenden Alten versorgen soll. Dies alles bei schwindenden und sich verteuernden Ressourcen. Zusätzliche Bremsklötze der globalen Wirtschaft.

    Das wird nicht gutgehen. (Nicht falsch verstehen: Schuldenbremse und Verpflichtung den vorherigen Generationen gegenüber ist selbstverständlich richtig und zwingend notwendig)

    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:10 Uhr

    Schon die Rettung der IKB war ein Fehler.

    Da war der Weg dann offen für die staatlich/steuerliche Subventionierung a la Allianz/Commerzbank, HRE usw.

    • WiKa
    • 09.02.2011 um 13:29 Uhr

    Vielen Experten musste dies doch stets bewusst gewesen sein. Die unausweichliche Vermehrung des Geldes durch den Zinseszinseffekt wir immer größere Mengen des Geldes und damit der Derivate und sonstigen Verbriefungen wertlos machen. Durch die dramatische Sozialisierung solcher Verluste über die sogenannten Rettungspakete wird das System doch nur auf die Spitze getrieben und ein wenig länger als üblich am Leben gehalten, aber die hemmungslose Vermehrung des Geldes immer noch nicht beschränkt. Im Gegenteil, die Rettungspakete werden um den Preis eines kleinen zeitlichen Aufschubs das Problem nur dramatisch verschärfen und noch größere und schönere Blasen schaffen, deren Platzen uns dann alle weidlich und selbstverständlich auch völlig überraschend verwundern wird.

    Am Ende hat der Staat seine Mittel dann ganz im Sinne der Hochfinanz (die sich inzwischen die Sachwerte unter den Nagel reißt) für eine gezielte Verbrennung hergegeben statt die letzten Reserven für einen geordneten Übergang zu nutzen. In diesem Zusammenhang fällt mir da nur ein schönes neues Kunstwort ein. Vielleicht wird es ja auch mal zum Wort des Jahres: „Staatsbankschrott“ … Link

  4. Und ich! ;)

    Interessant ist die Entwicklung Islands. Das einzige Land, das signifikant in den nächsten Jahren seine Schulden abbauen wird. (nach Fitch) Der europäische Rest wird lediglich seine Schuldenzunahme verlangsamen, geringfügig abbauen oder rasant beschleunigen können.

    Was bei der HRE geschehen ist, halte ich für ein Verbrechen und eine unerhörte Verantwortungslosigkeit. Ich schließe mich da auch der Forderung an. Das muss personelle Konsequenzen haben.

    Die Rechnung wird an eine junge Generation gestellt, die meist schlechter beruflich positioniert ist, eine Schuldenbremse durchsetzen muss, halb Europa wirtschaftlich machen soll und dazu die kommenden Alten versorgen soll. Dies alles bei schwindenden und sich verteuernden Ressourcen. Zusätzliche Bremsklötze der globalen Wirtschaft.

    Das wird nicht gutgehen. (Nicht falsch verstehen: Schuldenbremse und Verpflichtung den vorherigen Generationen gegenüber ist selbstverständlich richtig und zwingend notwendig)

    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:07 Uhr

    ... als hielten Sie nach der nächsten Laterne Ausschau?

    Antwort auf "Konsequenzen?"
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    schon lange gesagt, daß wir zwar sicherhalshalber (S21)
    die Bäume wegmachen. Die Politiker stellen dann Laternen hin (man muß doch auch Nachts sehen was diese geschaffen haben)und ich wieder meine Seilerei in Bertieb nehme. Ich müßte doch ECHTES GELD verdienen!

    schon lange gesagt, daß wir zwar sicherhalshalber (S21)
    die Bäume wegmachen. Die Politiker stellen dann Laternen hin (man muß doch auch Nachts sehen was diese geschaffen haben)und ich wieder meine Seilerei in Bertieb nehme. Ich müßte doch ECHTES GELD verdienen!

    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:10 Uhr

    Schon die Rettung der IKB war ein Fehler.

    Da war der Weg dann offen für die staatlich/steuerliche Subventionierung a la Allianz/Commerzbank, HRE usw.

    Eine Leser-Empfehlung
    • Chali
    • 09.02.2011 um 14:25 Uhr

    " ... mit größeren Gewinnen gelungen ist als in Deutschland“

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass Privatleute grössere Gewinne gmacht bzw. behalten haben als in Deutschland. Und um das Private geht es noch. Der Staat würde das Geld ja sowieso nur verschenken an HartzIV-Empfänger usw.

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    Es gibt genug, die vom hohen Roß in Harz IV gefallen sind!

    Es gibt genug, die vom hohen Roß in Harz IV gefallen sind!

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