Flugzeugbau Boeing sticht EADS bei Milliarden-Auftrag aus
Nach jahrelangem Bieterstreit ist der Tankflugzeug-Auftrag der US-Luftwaffe an Boeing gegangen. Für den europäischen Mitbewerber EADS ist das ein schwerer Rückschlag.
© EADS/Reuters

Ein Airbus A330 tankt zwei Kampfjets auf
Der größte Auftrag der Luftfahrtgeschichte geht an Boeing: Der US-Konzern wird der US Air Force 179 Tankflugzeuge für rund 35 Milliarden Dollar (25,3 Milliarden) liefern. Der europäische Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS ist an dem Rüstungsgeschäft hingegen nicht beteiligt.
Die Kampfkraft, der Anschaffungspreis sowie die Wartungs- und Betriebskosten hätten für das Boeing-Modell gesprochen, erläuterte der stellvertretende US-Verteidigungsminister William Lynn im Pentagon. EADS steht es nun offen, einen förmlichen Protest einzulegen. "Das ist zweifellos eine enttäuschende Entwicklung", erklärte Ralph Crosby, Vorstand von EADS Nordamerika. "Wir sehen der Diskussion mit der US-Luftwaffe über die Gründe für diesen Entschluss mit Interesse entgegen." Der stellvertretende Verteidigungsminister warnte aber bereits: "Wir haben einen klaren und offenen Bieterprozess gestartet. Das schafft keine Basis für Proteste."
Die deutsche Bundesregierung hat nach der US-Entscheidung, Zweifel an der Fairness des Verfahrens geäußert. "Es bleibt ein bitterer Nachgeschmack, weil nicht ganz klar ist, ob es tatsächlich bei der dritten Ausschreibung ein faires Verfahren gegeben hat", sagte der Luftfahrtkoordinator der Bundesregierung, Staatssekretär Peter Hintze. Natürlich sei es Sache der US-Regierung, an wen sie einen so großen Rüstungsauftrag vergibt. "Auf der anderen Seite war ein faires Wettbewerbsverfahren angekündigt", sagte Hintze. "Und ich hoffe, dass die gründliche Analyse ergibt, dass es tatsächlich ein faires Verfahren gewesen ist."
Es war bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Megageschäfts. Einmal hatte Boeing gewonnen, einmal EADS.
Nach Fehlern bei der Auftragsvergabe schrieb die Regierung den Rüstungs-Deal immer wieder neu aus. "Wir haben uns die Zeit genommen, die richtige Entscheidung zu treffen", sagte Luftwaffen-Staatssekretär Michael Donley. Es geht um viel Geld: Mit Folgeaufträgen könnte das Geschäft auf 100 Milliarden Dollar anwachsen. Die Boeing-Aktie sprang nachbörslich vier Prozent nach oben.
"Wir fühlen uns geehrt, das nächste Tankflugzeug für die Air Force liefern zu dürfen", sagte Boeing-Chef Jim McNerney. Die Luftwaffe habe sich für ein amerikanisches Flugzeug entschieden, erklärte er. Die Maschine wird unter der Bezeichnung KC-46A laufen. Der US-Hersteller hatte bereits den Vorgängertypen geliefert, die KC-135.
Insgesamt muss die Air Force 534 Tanker und Frachtmaschinen ersetzen, die derzeitige US-Flotte an Tankflugzeugen stammt zum Teil noch aus den 1950er Jahren. EADS hatte einen bereits bei anderen Luftwaffen erprobten Tankflieger auf Basis des Passagierjets Airbus A330 ins Rennen geschickt, Boeing konterte mit einer Neuentwicklung auf Basis der kleineren und älteren Verkehrsmaschine 767 und versprach günstigere Betriebskosten.
Bis 2017 wird Boeing nun die ersten 18 Maschinen ausliefern. Damit bleibt der lukrative US-Rüstungsmarkt für EADS weiterhin in großen Teilen verschlossen. Der Bieterwettstreit wurde mehrfach von nationalen Prestige-Erwägungen überlagert. Boeing unterstrich, dass es im Gegensatz zum europäischen EADS-Konzern ein "rein amerikanisches" Flugzeug liefern könne, das 50.000 Arbeitsplätze in mehr als 40 US-Bundesstaaten schaffe. EADS hatte diese Darstellung zurückgewiesen und dargelegt, 48.000 Jobs in den USA schaffen zu wollen. Dafür wollte EADS eigens ein Werk in Mobile im US-Bundesstaat Alabama bauen. "Wir schulden ihnen eine gründliche Analyse", sagte Nordamerika-Vorstand Crosby.
In den vergangenen Wochen hatten beide Kontrahenten mit Zeitungsanzeigen und Radiospots in Washington um die Öffentlichkeit und die Politiker geworben. Republikaner aus dem Süden standen auf Seiten von EADS; Demokraten aus dem Westen unterstützten Boeing. Im Werk Everett im US-Bundesstaat Washington sollen die Tankflieger gebaut werden. Die dortigen Politiker hatten bereits Widerstand für den Fall angekündigt, dass die Europäer gewinnen sollten.
"Bei einem solch komplexen Programm wird unsere Bewertung der heutigen Entscheidung etwas Zeit in Anspruch nehmen", sagte Crosby von EADS. Für das US-Militär drängt die Zeit, denn viele der alten Tankflieger müssen ausgemustert werden.
- Datum 25.02.2011 - 09:50 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
- Kommentare 27
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Ausschreibungen kann man natürlich so lange anpassen, bis sie dem nationalen Bieter entsprechen. Ob dann die Gelder, die in die Ausarbeitung der Angebote gesteckt werden, noch gerechtfertigt sind, möchte ich bezweifeln.
In diesem Fall wurde von vornherein für Boeing ausgeschrieben, leider mit einigen Pannen, die über Neuausschreibungen dann aus der Welt geschafft wurden. Von Offenheit kann man hier wirklich nicht sprechen.
Angesichts der Arbeitslosenzahlen in den USA ein normaler Vorgang. Hätten die Europäer andersrum genauso gemacht. Jeder ist sich selbst der Nächste.
Hätte die EU ein Projekt in einer solchen Größenordnung ausgeschrieben und das wäre an einen US Konzern gegangen, die Menschen hier würden wohl nur mit dem Kopf schütteln. So liberal soll es dann auch wieder nicht sein ;-)
...denn die EU betreibt genauso ihren Protektionismus!
Und nachem es genügend Probleme mit EADS-Produkten gegeben hat...
...denn die EU betreibt genauso ihren Protektionismus!
Und nachem es genügend Probleme mit EADS-Produkten gegeben hat...
man muss die Vergabe an Boing als Chance sehen. Sicher hätte Europa gerne einiges von den US-Rüstungsgeldern abbekommen. Tatsache bleibt jedoch: die Rüstung dient dazu Menschen zu töten. Dass EADS diesen Auftrag nicht bekam ist, will man kalt und zynisch sein, eine wirtschaftliche Katastrophe. Und doch lässt es uns Europäer ohne blutige Hände aus diesem Rüstungswahn kommen! Hier muss abgewogen werden was schwerer wiegt!
Nun mal langsam mit der Unschuldspose. Europäische Rüstungskonzerne beschäftigen sich auch nicht nur mit Knabenchorgesang, auch europäische Waffen töten auf der ganzen Welt.
Dennoch stimme ich Ihnen zu, die überrüsteten Amerikaner sollen ihr blutiges Geld behalten.
Ansonsten ist diese Ausschreibungsposse ein wunderbares Beispiel für nationalistisches Lobbying im Land, welches den globalen Freihandel für sich reklamiert hat. Aber freier Marktzugang ist für Washington nur dann eine tolle Sache, wenn er neue Absatzmärkte für amerikanische Waren bedeutet. Allerdings wird es damit immer enger, außer Waffen und Apple-Produkten haben die Amis kaum noch international konkurrenzfähige Güter anzubieten.
Mögen Sie glücklich werden mit ihren Rüstungsmilliarden. So geht amerikanisches Steuergeld eben in amerikanische, nicht in europäische Shareholder-Taschen.
Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Erde.
Soviel zu "kein Blut an den Händen"...
---
Zur Auftragsvergabe: wer in Europe ernsthaft geglaubt hat, in einem fairen Wettbewerb zu stehen, lebt in einer eigenen Realität...
Wenn die EADS- Manger "Cojones" hätten, wären sie längst ausgestiegen. Ihr einziger Zweck war es, das Boeing-Angebot zu drücken.
Nun mal langsam mit der Unschuldspose. Europäische Rüstungskonzerne beschäftigen sich auch nicht nur mit Knabenchorgesang, auch europäische Waffen töten auf der ganzen Welt.
Dennoch stimme ich Ihnen zu, die überrüsteten Amerikaner sollen ihr blutiges Geld behalten.
Ansonsten ist diese Ausschreibungsposse ein wunderbares Beispiel für nationalistisches Lobbying im Land, welches den globalen Freihandel für sich reklamiert hat. Aber freier Marktzugang ist für Washington nur dann eine tolle Sache, wenn er neue Absatzmärkte für amerikanische Waren bedeutet. Allerdings wird es damit immer enger, außer Waffen und Apple-Produkten haben die Amis kaum noch international konkurrenzfähige Güter anzubieten.
Mögen Sie glücklich werden mit ihren Rüstungsmilliarden. So geht amerikanisches Steuergeld eben in amerikanische, nicht in europäische Shareholder-Taschen.
Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Erde.
Soviel zu "kein Blut an den Händen"...
---
Zur Auftragsvergabe: wer in Europe ernsthaft geglaubt hat, in einem fairen Wettbewerb zu stehen, lebt in einer eigenen Realität...
Wenn die EADS- Manger "Cojones" hätten, wären sie längst ausgestiegen. Ihr einziger Zweck war es, das Boeing-Angebot zu drücken.
Nun mal langsam mit der Unschuldspose. Europäische Rüstungskonzerne beschäftigen sich auch nicht nur mit Knabenchorgesang, auch europäische Waffen töten auf der ganzen Welt.
Dennoch stimme ich Ihnen zu, die überrüsteten Amerikaner sollen ihr blutiges Geld behalten.
Ansonsten ist diese Ausschreibungsposse ein wunderbares Beispiel für nationalistisches Lobbying im Land, welches den globalen Freihandel für sich reklamiert hat. Aber freier Marktzugang ist für Washington nur dann eine tolle Sache, wenn er neue Absatzmärkte für amerikanische Waren bedeutet. Allerdings wird es damit immer enger, außer Waffen und Apple-Produkten haben die Amis kaum noch international konkurrenzfähige Güter anzubieten.
Mögen Sie glücklich werden mit ihren Rüstungsmilliarden. So geht amerikanisches Steuergeld eben in amerikanische, nicht in europäische Shareholder-Taschen.
Deutschland ist der drittgrößte Waffenexporteur der Erde.
Soviel zu "kein Blut an den Händen"...
---
Zur Auftragsvergabe: wer in Europe ernsthaft geglaubt hat, in einem fairen Wettbewerb zu stehen, lebt in einer eigenen Realität...
Wenn die EADS- Manger "Cojones" hätten, wären sie längst ausgestiegen. Ihr einziger Zweck war es, das Boeing-Angebot zu drücken.
Das war ein reines Showlaufen denn es war von Anfang an klar das nur Boening diesen Auftrag bekommen sollte.
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