ZinswettenDeutsche Bank muss Kunden entschädigen

Im Streit über riskante Zinswetten hat die Deutsche Bank eine herbe Niederlage erlitten: Der BGH verurteilte sie zu einem Schadensersatz von mehr als 500.000 Euro. von dpa, Reuters und AFP

Die Deutsche Bank ist in einem Verfahren um den Verkauf riskanter Zinswetten an mittelständische Unternehmen erstmals höchstrichterlich zu Schadensersatz verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) entschied zugunsten des hessischen Hygienetechnik-Unternehmens Ille, das mit den sogenannten Swaps mehr als eine halbe Million Euro verloren hatte.

Eine Summe in ähnlicher Höhe muss die größte deutsche Bank nun an Schadensersatz zahlen: Die Karlsruher Richter sprachen dem geschädigten Unternehmen 541.000 Euro zuzüglich Zinsen zu. Im Urteilsspruch hieß es, das Finanzinstitut habe seinen Kunden über die hohen Risiken der Anlage, einen sogenannten Spread Ladder Swap, nicht genügend aufgeklärt.

Anzeige

Die Entscheidung hat womöglich Signalwirkung für weitere Banken sowie eine Vielzahl deutscher Kommunen und weiterer Unternehmen, die bei den komplizierten Wetten auf die Zinsentwicklung insgesamt mehrere Hundert Millionen Euro verloren haben. Auch sie hatten unter anderem gegen die Deutsche Bank geklagt.

Deutsche-Bank-Anwalt Reiner Hall hatte das Gericht vor der erheblichen Tragweite eines Urteils gewarnt. Der Dax-Konzern hatte stets betont, er habe die Kunden auf die Risiken der Anlage hingewiesen und angemessen beraten.

Spread Ladder Swaps sind Wetten auf die künftige Zinsentwicklung und beruhen auf der Differenz zwischen langfristigen und kurzfristigen Zinsen. Die Erwartung bei den Swaps war, dass die langfristigen Zinsen stärker steigen als die kurzfristigen. Doch es kam anders: Etliche Anleger fuhren mit dem komplizierten Produkt herbe Verluste ein. Ihre Anwälte sprechen von etwa 200 Fällen und einem Millionenschaden.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • dhukka
    • 22. März 2011 11:09 Uhr

    ..der Anwalt der Deutschen Bank warnt den Richter vor einer womöglichen negativen Entscheidung im Bezug auf eine Klagewelle und den Wert des Unternehmens an der Börse.
    Habe ich das so richtig verstanden?

    Ist das eine Drohung? Das klingt in meinen Ohren wie:

    "Werter Herr Richter, anwesendes Publikum, vllt haben wir einige Anleger falsch beraten, aber wenn sie nun zu deren Gunsten entscheiden, dann wird unser Institut schaden tragen."

    Ich lass das mal so stehen...

    13 Leserempfehlungen
  1. Na dann los ihr Kommunen, auf vor Gericht. Die deutsche Bank hat dutzende Kommunen mit diesen Geschäften übers Ohr gehauen (und dem ein oder anderen Kämmerer eine üppige Altersvorsorge). Jetzt ist der Weg frei Schadensersatzansprüche der Steuerzahler geltend zu machen.

    Ausserdem ist es doch wunderbar, dass sich die Deutsche Bank mal ein bisschen zurechtschrumpfen kann. Dieses Institut ist sowieso viel zu aufgebläht und zu "systemrelevant".

    Halb so gross ist mir die Deutsche Bank doppelt so lieb.

    10 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dann bitte auch jeden dieser Stadtkämmerer, der so deppert war und mit dem Geld seiner Bürger gezockt hat ohne sich zu informieren was er da eigentlich tut, bitte zur Verantwortung ziehen:
    Fristlose Kündigung wegen grober Pflichtverletzung, und die Gerichtskosten für das Wiedereinklagen der Gelder trägt er bitte selbst, nicht wir Steuerzahler. dann würde in Zukunft wohl der eine oder andere der Herren "fremdes Geld Ausgeber" mal etwas vorsichtiger sein...
    ---
    Bezüglich Größe und Wichtigkeit der Deutsche Bank bin ich ganz Ihrer Meinung...

    Ich befürchte aber, auch von diesen 500 Mio's werden wieder einige am Steuerzahler hängenbleiben.

    Etwa durch folgendes Szenario:
    Die Deutsche Bank hat jetzt kein Geld mehr für Herr Ackermann's Geburtstagsfeier...
    Frau Merkel veranstaltet dieses Fest sicher gerne (wieder) für ihn...
    Ob Sie's aus eigener Tasche finanziert...???

  2. Schwer zu sagen.

    Prinzipiell ist es natürlich zu begrüßen, wenn Gerichte den allzu selbstherrlichen Banken mal auf die Finger klopfen und sie daran erinnern, dass sie NICHT die oberste Instanz in unserem System sind...

    Im speziellen Fall bekommt das, im Grunde meiner Meinung nach korrekte Urteil, natürlich einen etwas schalen Beigeschmack Angesichts des Klägers:
    Ein Unternehmen wie Ille ist nun mal nicht Lieschen Müller, die keine Ahnung von Finanzen hat. In diesen Dimensionen sollte man vom Kunden erwarten können, dass er entweder weis was er tut, oder sich informiert. Und zwar nicht nur bei seiner Bank, sondern auch noch eine zweite (oder dritte) Meinung einholt. Bei diesen Investitionssummen fallen auch externe Beraterkosten nicht wirklich in's Gewicht.

    Schadensersatz in der Höhe der Verluste halte ich für zu hoch, der Kunde sollte ruhig auch seinen Anteil an den Verlusten tragen und dadurch an seine Eigenverantwortung erinnert werden.

    Grundsätzlich ist es aber notwendig, den Banken klarzumachen dass sie dem Kunden reinen Wein einzuschenken haben, wenn sie Wetten verkaufen. Etwas anderes sind SWAP#s nämlich nicht, und wennder Berater seinem Kunden sagt, dass er seine 500 Millionen im Prinzip auch auf die Pferderennbahn tragen kann, dann wüsste dieser zumindest recht anschaulich, auf was er sich einlässt. Wer dann immer noch zocken will - faites vos jeux...

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich habe über zwanzig Jahre im Finanzbereich als Systemberater (Software) für Banken, Investmentbank und Kapitalanlagegesellschaften gearbeitet.

    Ich kann Ihnen versichern, dass selbst erfahrene Händler, wie sie selbst zugegeben haben, spezielle derivative Instrumente nicht bis Detail kennen. Der Unterschied zu einem Kunden ist nur, dass sie ihr "Auge" ständig am Markt haben und auf Veränderungen sehr schnell reagieren können. Ein Kunde, selbst wenn er sich informiert (vorausgesetzt der Informierende weiß Bescheid - siehe Händler) hat diese Möglichkeit nicht.

    Warum, glauben Sie, haben viele Banken in der Finanzkrise "Geld verbrannt"? Weil sie wussten was sie taten?

    ... welcher dem BGH-Urteil zugrunde liegt, klarer wird, empfehle ich die Lektüre des wie folgt verlinkten Textes:

    http://www.lto.de/de/html...

    • WIHE
    • 22. März 2011 11:21 Uhr

    wenn meine Aktien in den Keller sausen.

    Ich bin mündiger Bürger, ich gehe Risiken ein und stehe dafür ein und mache andere nicht haftbar.

    Nur Waschlappen rennen anschließend zum Gericht, wenn ihre Wette nicht aufgeht.
    Das Gericht hätte sich da raushalten sollen, jetzt werden immer mehr Bürger unmündig.

    4 Leserempfehlungen
  3. dann bitte auch jeden dieser Stadtkämmerer, der so deppert war und mit dem Geld seiner Bürger gezockt hat ohne sich zu informieren was er da eigentlich tut, bitte zur Verantwortung ziehen:
    Fristlose Kündigung wegen grober Pflichtverletzung, und die Gerichtskosten für das Wiedereinklagen der Gelder trägt er bitte selbst, nicht wir Steuerzahler. dann würde in Zukunft wohl der eine oder andere der Herren "fremdes Geld Ausgeber" mal etwas vorsichtiger sein...
    ---
    Bezüglich Größe und Wichtigkeit der Deutsche Bank bin ich ganz Ihrer Meinung...

    Ich befürchte aber, auch von diesen 500 Mio's werden wieder einige am Steuerzahler hängenbleiben.

    Etwa durch folgendes Szenario:
    Die Deutsche Bank hat jetzt kein Geld mehr für Herr Ackermann's Geburtstagsfeier...
    Frau Merkel veranstaltet dieses Fest sicher gerne (wieder) für ihn...
    Ob Sie's aus eigener Tasche finanziert...???

    Eine Leserempfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Selbstverständlich:
    Wer auf eigene Faust zockt ist zu Recht selbstverantwortlich.

    Wozu lässt man sich jedoch beraten - sicherlich nicht um reingelegt zu werden.
    Und genau das hat das Gericht ja festgestellt und die dafür verantwortlichen zu Recht zu Schadenersatz verpflichtet!

    • joG
    • 22. März 2011 11:42 Uhr

    ....Formen sind nicht per se "Wetten". Sie sind Werkzeuge mit denen man spekulieren kann, wenn man will. Kaufleute verwenden sie als preiswertes Instrument die Risiken in der Zukunft zu eliminieren.

    Geht man davon aus, dass ein Kaufmann verantwortlich sein muss für seine Entscheidungen, so ist das richterliche Urteil ein Desaster, weil es die Kosten effektiver Absicherung durch verantwortungsbewußte Unternehmer, Kommunen und Firmen wesentlich teurer machen wird. Das bedeutet letztlich, dass fast alle Produkte auch teurer werden.

    Das ist ein schlechtes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass der Kaufmann in diesem Fall offenbar die notwendige kaufmännische Sorgfalt missen lies. Das ist schuldhaft. Und nun soll die gesamte Wirtschaft darunter leiden, dass einige Manager, Beamte, Politker oder Unternehmer pflichtvergessen gehandelt haben?

    2 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    natürlich hängt das Ergebniss hier nicht wie beim Roulette oder Würfeln vom Zufall ab, sondern kann mit entsprechender Marktkentniss durchaus recht genau abgeschätzt werden. Daher hatte ich das Gamze in meinem Post auch ganz bewusst mit der Pferderennbahn verglichen, und nicht mit dem oft zitierten Casino.
    ---
    Ich bin jedoch Ihrer Meinung was die Verantwortung des Unternehmers betrifft.
    Aber deshalb ist die Bank hier nicht komplett aus der Verantwortung!
    ---
    ich glaube auch nicht, dass jetzt alle Finanzprodukte teurer werden.
    Der getunte BMW kostet halt mehr Versicherung als die typische "Rentnerkarre" - ähnlich wird es hier sein: Riskantere Produkte werden teurer werden durch eingepreiste potentielle Schadensersatzzahlungen, bei anderen wird das nicht (zumindest nicht in diesem Umfang) nötig sein.

    • Hickey
    • 22. März 2011 12:51 Uhr

    Dann sind aber alle anderen Banken für ihre Verluste während der Finanzkrise selbst verantwortlich und müssen diese selbst tragen, warum tun sie es dann nicht ?

    mfg

  4. Ohne weitere Informationen kann man nicht viel mehr als Allgemeinplätze zum Urteil äußern.
    Die Informationen durch die Deutsche Bank waren ja sicher nicht in allen Fällen identisch, auch nicht die Qualifikation der Kämmerer und Co.

    Ich finde es gut, wenn dem Handeln von Banken Grenzen gesetzt werden. Allerdings kann es m.E. nicht richtig sein, Unternehmen und/oder Kommunen einfach so aus ihrer Verantwortung zu entlassen.
    Es ist doch eine Binsenweisheit, dass ein Geschäft, das eine Rendite von 10% p.a. abwirft, i.d.R. riskanter ist als eines, das eine Rendite von 2% p.a. erzielt.

    Wenn ein Kämmerer in einem Beratungsgespräch nicht die Frage stellt, was das maximale Verlustrisiko ist, dann ist er m.E. ungeeignet für diesen Job.

    3 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 22. März 2011 12:19 Uhr

    ....nur darf es nicht auf die Qualifikation des Swappartners ankommen, soweit er gewerblich ist bzw anderer Leute Geld verwaltet. Diese Personengruppe muss die erforderlichen Kenntnisse selbst haben für Geschäfte, die sie abschließt. Hat sie das nicht, so ist das Untreue.

  5. Ich habe über zwanzig Jahre im Finanzbereich als Systemberater (Software) für Banken, Investmentbank und Kapitalanlagegesellschaften gearbeitet.

    Ich kann Ihnen versichern, dass selbst erfahrene Händler, wie sie selbst zugegeben haben, spezielle derivative Instrumente nicht bis Detail kennen. Der Unterschied zu einem Kunden ist nur, dass sie ihr "Auge" ständig am Markt haben und auf Veränderungen sehr schnell reagieren können. Ein Kunde, selbst wenn er sich informiert (vorausgesetzt der Informierende weiß Bescheid - siehe Händler) hat diese Möglichkeit nicht.

    Warum, glauben Sie, haben viele Banken in der Finanzkrise "Geld verbrannt"? Weil sie wussten was sie taten?

    3 Leserempfehlungen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters, AFP
  • Schlagworte Bank | Deutsche Bank | Bundesgerichtshof | Euro | Gericht | Richter
Service