Wenn die auf Datenverluste spezialisierten Wirtschaftsanwälte des amerikanische Ponemon-Institute recht behalten, könnte der Diebstahl von bis zu 77 Millionen Kundendatensätzen, den Sony vor Kurzem einräumte, für den Elektronik-Konzern extrem teuer werden. Mehr als eine Milliarde Euro müsste Sony ihrer Kalkulation zufolge einplanen, um die Schäden zu begleichen.

Neben den Kosten für die Sicherheitsexperten, die nachvollziehen sollen, welche Schwachstellen in Sonys Systemlandschaft den Hack ermöglicht haben, kommen auch die Kosten für Anwälte, mögliche Schadensersatzforderungen und die Abwanderung von Kunden hinzu. Ponemon beruft sich bei der Kalkulation auf Studien, die ergeben, dass ein Unternehmen den Verlust eines Kundendatensatzes im Schnitt 13,50 Euro kostet.

Fachleute in Deutschland gehen allerdings davon aus, dass Sony bei der Datenaffäre mit einem blauen Auge davon kommen und sich der Schaden für das Unternehmen eher auf Millionen als auf Milliarden Euro belaufen wird. "Das Ganze ist ein Imageschaden für Sony, aber einer, den man verkraften kann", sagt Roman Friedrich, Telekommunikationsexperte bei der Unternehmensberatung Booz&Company in München. Natürlich werde Sony Geld in die Hand nehmen, um herauszufinden, was passiert ist, und die Schwachstellen in den eigenen Systemen auszubessern. "Das kann je nach Aufwand einen hohen zwei- bis dreistelligen Millionenbetrag kosten."

Auch wenn nun die Onlinespieler Sony scharenweise den Rücken kehren würden, könnte das Unternehmen dies kurzfristig locker verkraften. "Insgesamt ist der Bereich für Sony nicht der wichtigste. In anderen Bereichen verdient Sony sehr viel mehr", sagt Klaus Böhm, Leiter Media Practice bei Deloitte Consulting in München. 2010 verbuchte Sony einen Gesamtumsatz von 60 Milliarden Euro. Das Playstation Network trug hierzu etwa 340 Millionen Euro bei.

Das Spielesegment ist mit etwa zwölf Prozent am Gesamtumsatz des Konzerns zwar ein wichtiges Standbein für Sony. Das Kerngeschäft der Japaner ist aber noch immer die klassische Unterhaltungselektronik. Fernseher, Kameras und MP3-Spieler sind für 40 Prozent der Unternehmensgewinne verantwortlich. Umsatzpotentiale jenseits von Playstation 3 und Playstation Portable zu erschließen, gilt jedoch bei allen Anbietern von Spieletechnologie als wichtiges Zukunftsgeschäft. Das Segment der Onlinespiele ist eines in der Branche, das auf vielen Märkten – etwa dem deutschen und dem chinesischen – besonders schnell wächst. Und auch wenn die Konsolenanbieter mit neuen Technologien wie der Gestenerkennung auch die Attraktivität der Konsolen selbst gesteigert haben, ist das vernetzte Spielen ein wesentlicher Baustein dafür, um in Zukunft erfolgreich zu sein.

Sony muss also in Zukunft mit einer gewissen Hypothek um diesen Zukunftsmarkt kämpfen. "So ein Zwischenfall kann dazu führen, dass die Zahl der aktiven Nutzer zurückgeht, weil ihnen das Vertrauen in einen Dienst fehlt", sagt Böhm. Wegen seiner Produkte ist Sony aber auch in Zukunft keineswegs abgeschrieben. Und dass sich die Spieler im großen Stil von Sony verabschieden, halten Fachleute ohnehin nicht für wahrscheinlich. "Onlinespieler sind eine junge Zielgruppe, die sich nicht primär um Datenschutz sorgt und die im Moment eher stört, dass sie nicht ihre Spiele spielen können", sagt Friedrich. Ein Blick ins amerikanischen Playstationforum scheint ihm recht zu geben: Dort treibt die Spieler neben der Frage, wann denn ihre Spielewelten wieder online verfügbar sind, vor allem die Frage um, ob den bereits erspielte Trophäen nun für immer verloren sind.