Energiepolitik "Es kann jederzeit zu Blackouts kommen"

Bis 2050 kann die Hälfte der Stromerzeugung regenerativ erzeugt werden, sagt RWE-Manager Vahrenholt. Im Interview warnt er davor, die Erneuerbaren zu überfordern.

ZEIT ONLINE: Herr Vahrenholt, warum freuen Sie sich nicht über die Energiewende? Für RWE Innogy ist es doch eine gute Nachricht, dass die Erneuerbaren künftig eine größere Rolle spielen sollen.

Fritz Vahrenholt: Einerseits ja, denn vor fünf Jahren war ich der einsame Rufer für die Offshore-Energie. Da hatten sich gerade die CDU und Frau Merkel gegen den Ausbau der Windkraft positioniert. Andererseits ist die Verkürzung der Kernkraft-Laufzeiten alleine noch keine nachhaltige Lösung. Unser Ziel ist es, den Menschen in Deutschland in jeder Sekunde zuverlässig Strom zu liefern. Im Moment wird der Wandel aber so schnell betrieben, dass dieses Ziel in Gefahr ist. Wir überfordern die Erneuerbaren.

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Außerdem muss der Umbau auch finanziert werden. RWE stellt mir Jahr für Jahr 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld kommt aus dem Cash Flow der Kohle und der Kernenergie.

ZEIT ONLINE: Als im Oktober die Laufzeitverlängerung vereinbart wurde, hat sich RWE-Chef Jürgen Großmann auch beschwert: Wegen der Brennelementesteuer und dem Atomfonds sei nun weniger Geld für die Erneuerbaren da, sagte er. Für Investitionen in Erneuerbare scheint es immer an Geld zu fehlen.

Vahrenholt: Die Gewinne aus der Laufzeitverlängerung sollten zu großen Teilen an den Staat fließen. Unabhängig davon: Ein abgestelltes Kernkraftwerk bringt keine Erträge mehr. Und aus der Steuerersparnis allein kann ich keine Windkraftanlagen bezahlen. Trotzdem bleibt RWE dabei, jedes Jahr mindestens eine Milliarde in die Erneuerbaren zu investieren. Sie stellen auf Jahre den größten Investitionsanteil für die Stromerzeugung im Konzern.

ZEIT ONLINE: Mit dem Unterschied, dass RWE nach dem Abschalten der Kernkraftwerke noch mehr in die Erneuerbaren investieren müsste als geplant, um seine Klimaziele zu erreichen. Ab 2013 muss der Konzern Emissionszertifikate ersteigern. Das kostet viel Geld...

Vahrenholt: Ja, in der Tat. 

Fritz Vahrenholt

leitet seit 2008 die Ökostromsparte des RWE-Konzerns. Der gebürtige Westfale gilt als undogmatisch: Er ist SPD-Mitglied, ausgesprochener Kernkraftbefürworter, arbeitete aber auch lange Zeit im Umweltbundesamt, saß im Vorstand der Shell AG und baute den Windanlagenhersteller Repower auf. In den 90er Jahren war der heute 61-Jährige Umweltsenator in Hamburg.

ZEIT ONLINE: Ist das kein Anreiz, jetzt stärker zu investieren, um die künftige Belastung zu verringern?

Vahrenholt: Die Erneuerbaren sind nicht der einzige Weg, um CO2 zu vermeiden. Man muss an allen Hebeln ansetzen. RWE hat beispielsweise ältere Kohlekraftwerke, die jetzt modernisiert werden, um ihren Wirkungsgrad zu erhöhen. Der Konzern hat vor Jahren ein großes Kraftwerks-Erneuerungsprogramm angeschoben. Auch damit vermeiden wir jede Menge CO2. Stellen Sie sich vor, wir hätten jetzt und in Zukunft keine effizienten Kohlekraftwerke mehr.

ZEIT ONLINE: Reden wir über die Energieversorgung Deutschlands. Was muss passieren, damit die Wende weg von der Kernkraft hin zu den Erneuerbaren gelingt?

Vahrenholt: Wir müssen das ganze System neu justieren. Wenn die Kernkraftwerke abgestellt werden, sind 40 Prozent der Grundlast der deutschen Industrie weg. Das müssen wir ausgleichen. Traditionell ist es so, dass die Kraftwerke sich der Nachfrage nach Strom anpassen. Jetzt müssen wir lernen, mit der schwankenden Erzeugung aus Wind oder Sonne umzugehen und durch intelligente Leitungen, Speicherung und einen effizienten flexiblen Kraftwerkspark garantieren, dass der Bedarf an Strom in jeder Sekunde befriedigt wird. Diese Aufgabe wird massiv unterschätzt.

Leser-Kommentare
    • WIHE
    • 10.05.2011 um 12:54 Uhr

    für eine gute Idee,
    die Idee, dem Herrn Röttgen eine führende
    Position in der CDU einzuräume dagegen für eine ganz
    schlechte.

    Gut, dass die Franzosen und andere nicht so panisch auf ihre KKW reagieren.
    Dann wäre das Chaos in Europa perfekt.

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    ...für den Müll???
    ...für einen (mindestens halbwegs) umweltverträglichen Uranabbau???
    ...für den Umgang mit "Problemen" wie Fukushima, Harrisburg, Chernobyl etc.???

    Ich halte Techniken, die ein Problem lösen und dabei mehrere neue Probleme schaffen für keine allzu gute Idee..

    PDF:

    http://doris.bfs.de/jspui...

    Jetzt werden Sie sagen:"Aber eine neue britische Studie hat ergeben..."

    Dann sage ich:"Wer hat die bezahlt und wollen Sie wirklich eine solche Verantwortung tragen?"

    ...für den Müll???
    ...für einen (mindestens halbwegs) umweltverträglichen Uranabbau???
    ...für den Umgang mit "Problemen" wie Fukushima, Harrisburg, Chernobyl etc.???

    Ich halte Techniken, die ein Problem lösen und dabei mehrere neue Probleme schaffen für keine allzu gute Idee..

    PDF:

    http://doris.bfs.de/jspui...

    Jetzt werden Sie sagen:"Aber eine neue britische Studie hat ergeben..."

    Dann sage ich:"Wer hat die bezahlt und wollen Sie wirklich eine solche Verantwortung tragen?"

    • Chali
    • 10.05.2011 um 12:57 Uhr

    " RWE stellt mir Jahr für Jahr 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung. Dieses Geld kommt aus dem Cash Flow der Kohle und der Kernenergie."

    Doch so viel - als Ersatz-Investition.

    Ich schaue gerade hier
    http://de.wikipedia.org/w...
    unter "Kennzahlen" und zitiere
    Umsatzerlöse[16]: 47,74 Mrd. €
    Betriebliches Ergebnis[16]: 7,09 Mrd. €
    Ergebnis vor Steuern[16]: 5,6 Mrd. €
    Nettoergebnis[16]: 3,57 Mrd. €

    Nun, da darf man sich in der Tat nicht wundern, dass für die Erneuerung der marroden Leitungen kein Geld mehr übrig bleiben kann! Ohne die Witwen und Waisen zu schädigen, die ja bekanntlich den Hauptteil der Aktionäre ausmachen!

  1. Als ich Ostern in Schleswig-Holstein war habe ich so viele Windkrafträder stillstehen sehen(es hatte strammen Ost-Wind die Feiertage),also ich weiss wirklich nicht woher der Herr die Frechheit nimmt den Leser hier so dreist zu belügen.

    http://www.sonnenseite.co...

    http://www.zeit.de/wirtsc...

    http://www.zeit.de/auto/2...

  2. keine technisch versierte Politiker, die diese
    Probleme verstehen und lösen können.

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    Wenn ich aber an die aufgeregte Frau Künast denke, wie sie letztens in ein Mikrofon posaunte, dass die deutschen Ingenieure in kürzester Zeit auch das Problem der Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen lösen, fällt mir nur noch ein: Der Glaube kann Berge versetzen!

    Wenn ich aber an die aufgeregte Frau Künast denke, wie sie letztens in ein Mikrofon posaunte, dass die deutschen Ingenieure in kürzester Zeit auch das Problem der Speicherung von Energie aus erneuerbaren Quellen lösen, fällt mir nur noch ein: Der Glaube kann Berge versetzen!

  3. ...für den Müll???
    ...für einen (mindestens halbwegs) umweltverträglichen Uranabbau???
    ...für den Umgang mit "Problemen" wie Fukushima, Harrisburg, Chernobyl etc.???

    Ich halte Techniken, die ein Problem lösen und dabei mehrere neue Probleme schaffen für keine allzu gute Idee..

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    "Ich halte Techniken, die ein Problem lösen und dabei mehrere neue Probleme schaffen für keine allzu gute Idee.."

    Guter Satz von Ihnen, wenn sie das Interview gelesen haben sollten sie auch sehen, dass die Öko-Energiewende Probleme schafft.

    Das ist ein riesiges Experiment mit offenem Ausgang. Hauptsache Sie fühlen sich gut dabei.

    Auf globaler oder nur europäischer Ebene löst diese Energiewende nichts. Ohne AKW wird Kohle das Rückgrat der Energieversorgung bleiben, mögen sich noch soviele Windräder drehen. Kostet halt ein paar Zertifikate mehr, Sie zahlen es ja. Dann gibts auch Tafelstrom vom Tafelladen.

    Das Schweizer für unsere Vision Speicher bauen ist Wunschdenken.

    Ich habe einen offiziellen Artikel zu Desertec eines lokalen Energieversorgers in die Hand bekommen. Geothermiekraftwerk in Istabul,,,, Biomassekraftwerke überall in Europa,.... Erinnerte mich an die Grössenwahnsinnigen Projekte aus den 50ern mit Mittelmeer trocken legen. Kostet 500 Mrd für 15% des Europäischen Stromes in 2050. Glaube sie daran?

    Die alternativen Visionen die jetzt exekutiert werden, ich habe sie mit 15 kenerngelernt, habe das Büchlein noch von rororo-Aktuell.
    Meine Kinder kommen heute aus der Schule und erzählen wie Ihre Lehrer sie auf Öko-Kurs trimmen. Wenn ein Manager dann davon spricht Verfahren zu beschleunigen ..... wird mir langsam mulmig.

    Ich glaube nicht an die 50% regnererativ bis 2050. Meine Wette, dies ist Geld verbrennen auf dem Weg ins Utopia. Halten sie dagegen?

    MFG

    "Ich halte Techniken, die ein Problem lösen und dabei mehrere neue Probleme schaffen für keine allzu gute Idee.."

    Guter Satz von Ihnen, wenn sie das Interview gelesen haben sollten sie auch sehen, dass die Öko-Energiewende Probleme schafft.

    Das ist ein riesiges Experiment mit offenem Ausgang. Hauptsache Sie fühlen sich gut dabei.

    Auf globaler oder nur europäischer Ebene löst diese Energiewende nichts. Ohne AKW wird Kohle das Rückgrat der Energieversorgung bleiben, mögen sich noch soviele Windräder drehen. Kostet halt ein paar Zertifikate mehr, Sie zahlen es ja. Dann gibts auch Tafelstrom vom Tafelladen.

    Das Schweizer für unsere Vision Speicher bauen ist Wunschdenken.

    Ich habe einen offiziellen Artikel zu Desertec eines lokalen Energieversorgers in die Hand bekommen. Geothermiekraftwerk in Istabul,,,, Biomassekraftwerke überall in Europa,.... Erinnerte mich an die Grössenwahnsinnigen Projekte aus den 50ern mit Mittelmeer trocken legen. Kostet 500 Mrd für 15% des Europäischen Stromes in 2050. Glaube sie daran?

    Die alternativen Visionen die jetzt exekutiert werden, ich habe sie mit 15 kenerngelernt, habe das Büchlein noch von rororo-Aktuell.
    Meine Kinder kommen heute aus der Schule und erzählen wie Ihre Lehrer sie auf Öko-Kurs trimmen. Wenn ein Manager dann davon spricht Verfahren zu beschleunigen ..... wird mir langsam mulmig.

    Ich glaube nicht an die 50% regnererativ bis 2050. Meine Wette, dies ist Geld verbrennen auf dem Weg ins Utopia. Halten sie dagegen?

    MFG

  4. PDF:

    http://doris.bfs.de/jspui...

    Jetzt werden Sie sagen:"Aber eine neue britische Studie hat ergeben..."

    Dann sage ich:"Wer hat die bezahlt und wollen Sie wirklich eine solche Verantwortung tragen?"

    • TDU
    • 10.05.2011 um 13:27 Uhr

    Gutes Interview egal ob er nun uneingeschränkt recht hat oder nicht. Nachvollziehbare Argumente statt Versprechungen und Hoffnungen, wie letztens im Moma "alles aus desertec". Was den Naturschutz angeht?. Da werden auch vielleicht die Grünen schwach, bei dem Geld, was zu verdienen ist. Auch durch Privatleutchen, die ein Stück Wald oder Wiese besitzen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Gutes Interview egal ob er nun uneingeschränkt recht hat oder nicht."

    Gutes Interview, egal ob er nun uneingeschränkt unrecht hat oder nicht. - Hallo, geht's noch?

    Deutsche Medienlandschaft ade. Ein Manager pustet abstruse und teilweise offensichtlich falsche Aussagen in den Raum und der Reporter bedankt sich höflichst für das Gespräch. Kritisches Hinterfragen? Fehlanzeige!

    "Gutes Interview egal ob er nun uneingeschränkt recht hat oder nicht."

    Gutes Interview, egal ob er nun uneingeschränkt unrecht hat oder nicht. - Hallo, geht's noch?

    Deutsche Medienlandschaft ade. Ein Manager pustet abstruse und teilweise offensichtlich falsche Aussagen in den Raum und der Reporter bedankt sich höflichst für das Gespräch. Kritisches Hinterfragen? Fehlanzeige!

  5. Es sind in der Tat dreiste Lügen die Herr Vahrenholt hier im Namen von RWE wiederholt.

    Es sind eindeutig in erster Linie die vier Energiemonoplisten in Deutschland, die auf dem Kabel stehen in Sachen Ausbau der Netze, auch die Bürgere sind es nicht wirklich.
    Bei insgesamt 24 geplanten Ausbauprojekten gibt es nur bei 8 Problemen und nur drei mal sind Bürgerinitiativen beteiligt !

    Also dreiste Lügen von RWE und Co., Frau Merkel und insbesondere Netzbetreiber Eon, der in diesem Beitrag als Lügner entlarvt wird
    http://www.zdf.de/ZDFmedi...

    Systematisch wird der Ausbau der Netze blokiert und noch dreist versucht, es den Bürgern in die Schuhe zu schieben, dabei ist es glasklar, das die vier Strommonopolisten kein Interesse an einer dezentralen Energieversorgung z.B. mit privaten Windmüllern wie im Beitrag haben haben, denn das untergräbt Ihre Monopolstellung.

    Herr Varenholz gibt noch mehr Preis, auch die Solarförderung will er noch viel massiver runterfahren, als eh schon geplant, auch hier gibt es aus RWE Sicht "gute Gründe dafür"
    Solar und Windstrom dämpfen nämlich schon längst den Strompreis an der Börse das kann RWE nicht gefallen
    Die Lüge vom teuren Ökostrom
    http://www.wdr.de/tv/moni...

    ES läuft geradezu einen Medienkampagne gegen erneuerbare Energien zur Zeit und Ökostrom wird weiter einfach abgeschaltet.

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