Atomkatastrophe in JapanTepco-Präsident tritt zurück

Masataka Shimizus räumt seinen Posten an der Spitze der Betreiberfirma des havarierten AKW Fukushima-1. Tepco verzeichnet zudem einen Rekordverlust in Milliardenhöhe. von AFP und dpa

Die Tokyo Electric Power Company (Tepco) steht seit dem Reaktorunfall in Fukushima in der Kritik. Nun tritt der Präsident des Betreibers des havarierten japanischen Atomkraftwerks Fukushima zurück, wie das Unternehmen mitteilte. Damit übernehme der 66-jährige Konzernchef Masataka Shimizu Verantwortung für die folgenschwere Pannenserie, schrieb die japanische Tageszeitung Yomiuri. Neuer Tepco-Chef solle der derzeitige Geschäftsführende Direktor Toshio Nishizawa werden.

Tepco teilte weiter mit, wegen des Unglücks einen Rekordverlust im abgelaufenen Geschäftsjahr in Höhe von umgerechnet 10,69 Milliarden Euro (1,25 Billionen Yen) verzeichnet zu haben. Das ist der höchste Verlust eines japanischen Unternehmens außerhalb der Finanzbranche, der je verbucht wurde, schrieb Wirtschaftszeitung Nikkei. Bei den Verlusten seien auch die Kosten für die Stilllegung von vier Reaktoren von Fukushima sowie für die Reparatur von Wärmekraftwerken eingerechnet, deren Inbetriebnahme einen Engpass bei der Stromversorgung verhindern soll. Tepco werde auch einen Restrukturierungsplan vorlegen.

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Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
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Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Tepco ist von dem Erdbeben und dem nachfolgenden Tsunami am 11. März schwer betroffen. Die Regierung hatte daher vergangene Woche zugesichert, das Unternehmen finanziell zu unterstützen. Ziel sei es, dass das Unternehmen nicht unter der Last der Milliardenentschädigungen für die Opfer zusammenbreche.

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Leserkommentare
  1. Ja, so macht man das:

    Man sagt: "Ich übernehme die Verantwortung für ...",
    nimmt sein bisher verdientes Geld + nach Möglichkeit Abfindungen mit, und geht einfach.

    Geholfen ist damit niemandem. (...außer dem der geht natürlich!)

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ja nicht, ob man heute in Japan noch Seppuku begeht - vermutlich eher nicht. Ich hoffe aber, daß Shimizu soweit als möglich auch finanziell zur Verantwortung gezogen wird. Sollte er eine teure Villa besitzen, kann die ja in die Vermögensmasse von Tepco eingerechnet werden.

  2. Mit Fukushima und Beiträge darüber dürften seriöse Medien kein Geld verdienen und jeden Cent, den sie doch einnehmen, sollten sie den mutigen Arbeitern, die in diese Hölle einsteigen, spenden.

    Nicht ein einziger Journalist oder Reporter selbst traut sich in diese Ruine, denn er weiß ganz genau, dass seine Tage innerhalb kürzester Zeit gezählt wären. Ich wäre ja auch nicht so dämlich. Und trotzdem erscheinen fast jeden Tag in den Bezahlmedien irgendwelche großartigen Abhandlungen, was getan oder auch nicht wird, aber diese Berichte und Abhandlungen und Beiträge sind so hilfreich, wie wenn alle Menschen dieser Erde sich um Fukushima herum stellen würden, ihren Rotz im Mund sammeln und gleichzeitig auf diese Reaktoren spucken und gleichzeitig pissen würden. Hier der Rest: http://freies-in-wort-und...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... also besser finden, wenn die "Medien" nichts berichten würden.

    Soso.

    Das sind sicher auch viele Andere Ihrer Meinung:

    - Atom-Lobbyisten
    - Atomaktionäre
    - Bezahlte Pro-Atomschreiberlinge
    - AKW-Mitarbeiter
    - AKW-Besitzer
    - Kein-Strom-Angsthasen
    - Dumschwätzer

    Zu welcher Gruppe zählen Sie sich, wenn Sie doch lieber das Tuch des Schweigens über die Katastrophe in Japan legen wollen?

  3. ... also besser finden, wenn die "Medien" nichts berichten würden.

    Soso.

    Das sind sicher auch viele Andere Ihrer Meinung:

    - Atom-Lobbyisten
    - Atomaktionäre
    - Bezahlte Pro-Atomschreiberlinge
    - AKW-Mitarbeiter
    - AKW-Besitzer
    - Kein-Strom-Angsthasen
    - Dumschwätzer

    Zu welcher Gruppe zählen Sie sich, wenn Sie doch lieber das Tuch des Schweigens über die Katastrophe in Japan legen wollen?

  4. 4. Schön

    Gott sei Dank, damit ist wenigstens Tepco gerettet...wenn der japanische Steuerzahler den angerichteten Schlamassel finanzieren darf.

  5. ja nicht, ob man heute in Japan noch Seppuku begeht - vermutlich eher nicht. Ich hoffe aber, daß Shimizu soweit als möglich auch finanziell zur Verantwortung gezogen wird. Sollte er eine teure Villa besitzen, kann die ja in die Vermögensmasse von Tepco eingerechnet werden.

    Antwort auf "Verantwortung"
  6. Damen und Herren bei EON, Vattenfall, EnBW und RWE einmal darüber nachdenken, was an Kosten auf die Firmen zukäme, wäre ein vergleichbarer Fall in Deutschland eingetreten - und was das für sie persönlich bedeuten könnte; aber in Deutschland ist es ja leider so, daß ausscheidende Manager eine Abfindung erhalten - sogar wenn sie das Unternehmen gegen die Wand gefahren haben.

  7. Kosten? Ach, zur Not druckt man einfach Geld, dann passt das schon. Irgendwie muß der traurige Restschaden des Restrisikos ja bezahlt werden. Derweil drohen in Fukushima bald die Tanks voll radioaktiver Brühe überzulaufen, man erwägt, den giftigen Schwall noch einmal in den Pazifik abzulassen. Guten Appetit! Warum baut man nicht auf die Schnelle ein hübsches Spaßbad und schickt die Herren von Tepco und Co. eine Runde schwimmen? Runde ohne Wiederkehr – man kann nur noch zynisch kommentieren

  8. Ein aktueller Bericht zur Lage in Fukushima:

    http://www.ftd.de/politik...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa
  • Schlagworte Japan | Atomkraftwerk | Erdbeben | Nikkei | Reaktor | Stromversorgung
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