Fukushima-FolgenTepco beantragt Staatshilfe

Der Fukushima-Betreiber kann seine finanziellen Probleme nicht mehr ohne den Staat lösen. Allein für die Stromproduktion braucht Tepco mehr als acht Milliarden Euro. von Reuters und AFP

Tepco-Präsident Masataka Shimizu (2.v.r.) bei einem Besuch einer Notunterkunft in der vergangenen Woche

Tepco-Präsident Masataka Shimizu (2.v.r.) bei einem Besuch einer Notunterkunft in der vergangenen Woche  |  © Yoshikazu Tsuno/AFP/Getty Images

Zwei Monate nach der Katastrophe im zerstörten japanischen Atomkomplex Fukushima sind die Kassen der Betreiberfirma Tepco leer. "Es ist extrem schwierig, Mittel zu besorgen", heißt es in einer Stellungnahme von Konzernchef Masataka Shimizu, mit der er die Regierung in Tokyo um Hilfe bittet: Tepco braucht die finanzielle Unterstützung durch den Staat.

Das Geld will Tepco für zweierlei nutzen: Zum einen muss das Unternehmen davon Erdöl kaufen, um nach der Abschaltung der Atomreaktoren in Fukushima damit die Elektrizitätswerke weiter betreiben zu können. Nur so könne genügend Strom produziert und Engpässe vermieden werden. Allein dafür berechnet Tepco im laufenden Haushaltsjahr Mehrkosten in Höhe von umgerechnet 8,7 Milliarden Euro.

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Zum anderen braucht der Konzern die Unterstützung, um die von dem Unfall Betroffenen zügig zu entschädigen.

Handelsminister Banri Kaieda ermahnte Tepco, die vom Staat erbetene Summe so klein wie möglich zu halten. Auch sollten die Kosten der Katastrophe nicht über eine Erhöhung der Strompreise wieder hereingeholt werden.

Lage in Fukushima-1
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4
Abschaltung nach Beben, Explosion am 12.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 15.03.2011 Abschaltung nach Beben, Explosion am 14. und 16.03.2011 Abgeschaltet vor Beben, Brände und Explosion am 15.03.2011
Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Weil Temperaturen im Reaktor unter 100 Grad Celsius sind, spricht Tepco von Kaltabschaltung Abgeschaltet und auch vor dem Beben nicht in Betrieb
Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter und Reaktordruckbehälter beschädigt, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude leicht beschädigt, Außenhülle löchrig, Leck im Sicherheitsbehälter vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Sicherheitsbehälter beschädigt, Leck vermutet, in den Reaktorkern wird Wasser eingeleitet Gebäude schwer beschädigt, Wasserstoff aus Block 3 sprengte das Dach, keine Brennelemente im Kern
Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde Strombetriebene Kühlsysteme mit Frischwasser und Wärmetauscher nicht funktionsfähig, es läuft ein alternatives Kühlsystem, das nach dem Tsunami eingerichtet wurde
Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 400 Brennelemente, Zustand der 292 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen, Zustand der 587 Brennelemente im Abklingbecken unklar (Wasser wird eingespeist) Kernschmelze bestätigt (Tepco), Reaktorkern mit 548 Brennelementen beschädigt, Schäden an den 514 Brennelemente im Abklingbecken vermutet (Wasser wird eingespeist) keine Brennelemente im Reaktorkern, die meisten der 1331 Brennelementen im Abklingbecken sind vermutlich nicht beschädigt (Wasser wird eingespeist)
Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes. Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser Radioaktiv belastetes Wasser im Untergeschoss und unterirdischen Tunneln des Gebäudes, Abpumpen läuft. Eine Aufbereitungsanlage, die nach dem Tsunami installiert wurde, dekontaminiert das Wasser
Kunststoffzelt über dem Reaktorblock zur Abschirmung austretender Strahlung fertiggestellt kein Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung geplant Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung Kunststoffzelt zur Abschirmung austretender Strahlung in Planung
BLOCK 1 BLOCK 2 BLOCK 3 BLOCK 4

Quellen (u.a.): GRS, JAIF, Stand: März 2012
Blöcke 5 und 6
BLOCK 5 BLOCK 6
Abgeschaltet vor Beben Abgeschaltet vor Beben
Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt Gebäude intakt, Sicherheitsbehälter intakt
548 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 946 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt 764 Brennelemente im Reaktorkern unbeschädigt, 876 Brennelemente im Abklingbecken intakt, Kühlung wieder intakt
Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden Lüftungsloch im Dach soll Wasserstoffexplosion vorbeugen, Elektrizität wieder vorhanden
Keine Informationen über austretende Radioaktivität Keine Informationen über austretende Radioaktivität
 
AKW-Übersicht

© ZEIT ONLINE

Die sechs Reaktoren von Fukushima-Daiichi liegen direkt an der Küste im Osten Japans. Ihr Zustand kann auf noch unabsehbare Zeit kritisch bleiben. Die japanische Regierung schätzt, dass eine sichere Demontage der Anlage mindestens 40 Jahre dauern werde. Im Dezember verkündete sie die Kaltabschaltung des Kraftwerks, allerdings ist umstritten, wie sicher die Lage dort wirklich ist.

Evakuierungszone

© ZEIT ONLINE

Ende September wurde die Sperrzone auf Gebiete in einem Umkreis von 20 Kilometern reduziert. Einige Städte außerhalb dieses Bereichs, wie etwa Iitate, die sehr stark durch radioaktiven Fallout belastet worden sind, bleiben jedoch vorerst gesperrt. 

Bei dem Erdbeben und dem anschließenden Tsunami am 11. März war die Atomanlage in Fukushima schwer beschädigt worden. Wegen der Unterbrechung des Kühlkreislaufs kam es zu teilweisen Kernschmelzen in den Reaktoren, Wasserstoffexplosionen und der Freisetzung von Radioaktivität. Es ist die schlimmste Atomkatastrophe seit Tschernobyl 1986. Die Regierung hat ein Sperrgebiet im Umkreis von 20 Kilometern um die Atomanlage eingerichtet, Zehntausende Bewohner mussten das Gebiet verlassen und leben seither in Notunterkünften. Derzeit arbeiten rund 800 Techniker und Ingenieure in Fukushima daran, die notwendige stromversorgte Wasserkühlung der Brennstäbe in Druckbehältern und Abklingbecken langfristig wiederherzustellen. Es kann noch Monate dauern, bis die Lage sich nachhaltig stabilisiert hat.

Durch die Natur- und Atomkatastrophe muss auch die mächtige japanische Energiewirtschaft umdenken. So sah sich das Unternehmen Chubu Electric Power nach einer entsprechenden Aufforderung der Regierung jetzt gezwungen, das Atomkraftwerk Hamaoka südwestlich von Tokyo für etwa zwei Jahre abzuschalten. In dieser Zeit sollen nun die Sicherheitsstandards wegen der Erdbeben- und Tsunamigefahr verbessert werden.

Japanische Atomkraftgegner argumentieren seit Langem, dass die seismisch aktive Gegend rund um Hamaoka das AKW zum gefährlichsten im ganzen Land mache. Der am Pazifik gelegene Meiler befindet sich nahe einer tektonischen Erdplatte. Seismologen warnen, dass in der Region ein schweres Erdbeben überfällig sei. Regierungschef Naoto Kan zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit eines Bebens der Stärke 8 in den kommenden 30 Jahren bei 87 Prozent.

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Leserkommentare
  1. Kernkraft und fossile Energien haben keine Zukunft. Die Menschheit kann langfristig nur mit erneuerbaren Energien ueberleben. Natuerlich kann man das nicht von heute auf morgen bewerkstelligen, aber als erstes sollte das Quasi-Energiemonopol gebrochen werden. Die Energiepreise steigen ins Unendliche, und die Quasi-Monopolisten verdienen sich eine goldene Nase, weil nicht ueberall Konkurrenz verfuegbar ist.

    Desweiteren sind die grossen Energiekonzerne nur wenig daran interessiert in alternative Energien zu investieren, da die AKWs im Moment mehr fuer sie abwerfen (Subventionen?).

    Es wird langsam Zeit.

  2. Behauptet noch jemand Atomstrom ist billig?

    AKWs sind in Deutschland nicht voll versicherbar, die Versicherer wissen warum

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • QUOTE
    • 10. Mai 2011 10:53 Uhr

    Der Herr "von" Rantow, z.B.

    "Die Entsorgung zahlen die Betreiber. Die Versicherung sowie die Schadensdeckung ebenfalls."

    http://www.zeit.de/online...

    Und: "So könnte ich nun fortfahren, aber ich will hier nicht ins Dozieren geraten."

    Na, Gott sei Dank!

    • QUOTE
    • 10. Mai 2011 10:53 Uhr

    Der Herr "von" Rantow, z.B.

    "Die Entsorgung zahlen die Betreiber. Die Versicherung sowie die Schadensdeckung ebenfalls."

    http://www.zeit.de/online...

    Und: "So könnte ich nun fortfahren, aber ich will hier nicht ins Dozieren geraten."

    Na, Gott sei Dank!

    • Maori
    • 10. Mai 2011 11:10 Uhr

    Um was für eine Art Staatshilfe handelt es sich? Um einen Kredit (mit oder ohne Zinsen), um geschenktes Geld? Das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Punkt.

    Es wäre schon abstrus, sollten meine Landsleute und sämtliche Steuerzahler dort drüben für die Verseuchung ihres Landes zur Kasse gebeten werden. Danke, Tepco.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wird aber zur Kasse gebeten werden und sogar gebeten werden müssen - ein Unfall wie Fukushima ist von einem Unternehmen allein nicht zu bewältigen, dazu sind die Folgen zu gravierend und langfristig. Es handelt sich eben nicht um ein konventionelles Kraftwerk, das man bei Zerstörung wieder aufbauen könnte oder einen gebrochenen Damm, den man reparieren könnte, was innerhalb von 1 - 2 Jahren machbar wäre. Die Verstrahlung sorgt ja jetzt schon dafür, daß das Land im Umkreis von Fukushima für die nächsten 30 Jahre auf jeden Fall unbewohnbar ist - dieser Zeitraum wird sich verlängern.
    Ein GAU wie Fukushima zeigt eben deutlich, daß die Folgen von Atomkraft ganz andere Auswirkungen haben als konventionelle Energieformen.

  3. Der Supergau von Fukushima zeigt erneut glasklar, wer vom "billigen Atomstrom" einzig profitiert.

    Es sind die Atommonopolisten, die Jahrzehnte auf Kosten der Sicherheit Milliarden gescheffelt haben, teure sicherheitstrelevante Nachrüstungen verhindert und die Politik immer kräftig eingeseift haben bzw. in Ihr "System integriert haben"...heißt Klappe halten und zustimmen.

    Beim Supergau darf der Steuerzahler die Zeche zahlen, Staatshilfe genant, außerdem soll auch der Strompreis erhöht werden, der Dumnme ist wieder RICHTIG der Normalbürger !

    Aber der wird sich hoffentlich weiter lautstark zur Wehr setzen und ein weiter so verhindern.

    Ca. 15.000 Teilnehmer bei einer Anti.Akw Demo in Tokio sind für japanische Verhältnisse als kleine Revolution anzusehen. Herr Kan wird diese Bewegung nun nicht mehr einfach ignorieren können und das ist gut so.

    Ein AKW hat er ja jetzt aus geologischen Gründen runterfahren lassen, weil die Risiken auch von Ihm als zu hoch eingeschätzt werden. Die drohenden Nachrüstungen werden teuer, das macht diesen Strom noch unattraktiver eine Spirale die auch in Japan hoffentlich bald zum Ausstieg führen wird.
    http://www.tagesspiegel.d...
    Erneut erhöhte Strahlenwerte im AKW Fukushima
    http://diepresse.com/home...
    http://diepresse.com/home...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ruhrstädter 5: Japans Atomstrom ist teurer Harakiri_der Steuerzahler zahlt !
    .
    Lösche Japan ersetze JEDER!
    .
    Das ist bei uns genau so. Der Schadensfall ist nicht versichert. Transport der Brennstoffe, Entsorgung des Mülls.....
    .
    Und wenn man das die als Forschungsmittel "getarnten" Subvetionen da zu rechnet zahlen wir VORHER und HINTERHER.
    .
    Nur in der Zeit in der man mit dem Strom gutes Geld verdienen kann, sind auch unsere AKW's Privateigentum. Davor und danach gehören sie uns allen.
    .
    Das zu dem Märchen preiswerter Atomstrom!
    .
    Gruss
    Sikasuu

  4. Ruhrstädter 5: Japans Atomstrom ist teurer Harakiri_der Steuerzahler zahlt !
    .
    Lösche Japan ersetze JEDER!
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    Das ist bei uns genau so. Der Schadensfall ist nicht versichert. Transport der Brennstoffe, Entsorgung des Mülls.....
    .
    Und wenn man das die als Forschungsmittel "getarnten" Subvetionen da zu rechnet zahlen wir VORHER und HINTERHER.
    .
    Nur in der Zeit in der man mit dem Strom gutes Geld verdienen kann, sind auch unsere AKW's Privateigentum. Davor und danach gehören sie uns allen.
    .
    Das zu dem Märchen preiswerter Atomstrom!
    .
    Gruss
    Sikasuu

  5. Auf Wiedersehen Hightechnation Japan.

  6. wird aber zur Kasse gebeten werden und sogar gebeten werden müssen - ein Unfall wie Fukushima ist von einem Unternehmen allein nicht zu bewältigen, dazu sind die Folgen zu gravierend und langfristig. Es handelt sich eben nicht um ein konventionelles Kraftwerk, das man bei Zerstörung wieder aufbauen könnte oder einen gebrochenen Damm, den man reparieren könnte, was innerhalb von 1 - 2 Jahren machbar wäre. Die Verstrahlung sorgt ja jetzt schon dafür, daß das Land im Umkreis von Fukushima für die nächsten 30 Jahre auf jeden Fall unbewohnbar ist - dieser Zeitraum wird sich verlängern.
    Ein GAU wie Fukushima zeigt eben deutlich, daß die Folgen von Atomkraft ganz andere Auswirkungen haben als konventionelle Energieformen.

    Antwort auf "Staatshilfe"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP
  • Schlagworte AKW | Atomkraftgegner | Atomkraftwerk | Energiewirtschaft | Erdöl | Katastrophe
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