InternetUS-Wettbewerbshüter nehmen sich Google vor

Die Kartellbehörden scheinen es ernst zu meinen: Sie ermitteln jetzt, ob Google in den USA seine Marktmacht missbraucht hat. Eine Vorladung wird vorbereitet. von AFP, dpa und Reuters

Die Unternehmenszentrale von Google in Mountain View, Kalifornien

Die Unternehmenszentrale von Google in Mountain View, Kalifornien  |  © Justin Sullivan/Getty Images

Dem Internetkonzern Google stehen möglicherweise in den USA die bislang bedeutendsten kartellrechtlichen Ermittlungen bevor. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC werde Google "innerhalb von Tagen" formelle Auskunftsanträge zustellen, berichten übereinstimmend das Wall Street Journal und die New York Times. Dies sei der Auftakt zu einer "weitreichenden, formellen Anti-Kartell-Untersuchung". Auch andere Firmen würden solche Vorladungen erhalten, bei denen es um ihre Beziehungen zu Google gehen soll.

Untersucht werden soll, ob Google seine Marktmacht zum Nachteil von Konkurrenten ausnutzt. Die Frage sei, ob das Unternehmen Nutzer der Google-Suchmaschine zum Schaden der Konkurrenz zu seinen Online-Angeboten leite. Über Google laufen in den USA etwa zwei Drittel aller Internetabfragen. Zu den nun möglicherweise anlaufenden Ermittlungen äußerte sich das Unternehmen nicht.

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Untersuchung des Kerngeschäfts

Zwar wurde gegen Google schon wiederholt kartellrechtlich ermittelt, etwa durch die Wettbewerbshüter der FTC und das US-Justizministerium. Die Ermittlungen jetzt sind aber die bislang bedeutendsten, weil die Grundlagen von Googles Geschäftsmodell untersucht werden könnten. Im November hatte die EU-Kommission ein Kartellverfahren gegen Google eröffnet, weil das Unternehmen womöglich die Seiten anderer spezialisierter Suchdienste bei seinen Ergebnissen vorsätzlich zu weit unten und seine eigenen Dienste zu weit oben angezeigt haben soll.

Zudem prüfen die Staatsanwaltschaften mindestens dreier US-Bundesstaaten, ob der weltgrößte Suchmaschinenbetreiber seine Marktmacht missbraucht. Die Ermittlungen der Behörden aus Kalifornien, New York und Ohio stünden noch am Anfang, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person. Google wird von Konkurrenten vorgeworfen, Rivalen mit seiner Dominanz gezielt auszubremsen.

Das Unternehmen beherrscht weltweit die Internet-Suche. In den USA liegt der Marktanteil bei mehr als 60 Prozent, in Europa zum Teil sogar bei mehr als 90 Prozent. Das Suchmaschinen-Geschäft ist auch die Basis für die Milliardengewinne des Konzerns: Google verdient sein Geld nach wie vor überwiegend mit Anzeigen im Umfeld der Suchergebnisse.

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Leserkommentare
    • jagu
    • 24. Juni 2011 10:08 Uhr

    Ähnlich wie bei Microsoft damals mit Windows (da gings um die Offenheit des Systems, die NSA hat dann die Verschlüsselungstechnologie gestellt, Gates hat sich sehr lange geweigert "Sicherheitslücken" einzubauen, am Ende wollte er sein Unternehmen von einem Flugzeugträger außerhalb der USA betreiben) will die Regierung an die Daten ran, die Google in der ganzen Wellt gesammelt hat.

    Facebook wird genau das gleiche passieren.

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    • Khef
    • 24. Juni 2011 10:21 Uhr

    dass die Regierung das erzwingen muss. Ich hätte immer gedacht, die großen amerikanischen Firmen sind so "loyal", dass sie sofort sämtliche Daten rausrücken, wenn ein träger Beamter aus dem amerikanischen Staatsapparat ruft.

    Überraschen tut es mich generell jedoch nicht, dass Google seine Marktmacht ausnutzt. Welcher große Konzern würde das denn nicht machen? (siehe Deutsche Bahn, "Energieriesen", etc.)

    • Khef
    • 24. Juni 2011 10:21 Uhr

    dass die Regierung das erzwingen muss. Ich hätte immer gedacht, die großen amerikanischen Firmen sind so "loyal", dass sie sofort sämtliche Daten rausrücken, wenn ein träger Beamter aus dem amerikanischen Staatsapparat ruft.

    Überraschen tut es mich generell jedoch nicht, dass Google seine Marktmacht ausnutzt. Welcher große Konzern würde das denn nicht machen? (siehe Deutsche Bahn, "Energieriesen", etc.)

  1. Es wäre so schön wenn google zerschlagen würde...

    Vor allem weil die meisten Angebote am Ende zum Nachteil der Nutzer sind -> siehe filter bubble, die mit jedem weiteren google Zusatzdienst optimiert wird.

    Ferner wird die google "Spyware" (obwohl sich da wohl bisher was getan hat) chrome gerne in anderer Software versteckt... Warum? Wenn ich CClenaer installieren will, will ich denn installieren und nicht irgendwelchen google Müll.
    Die "Bloatware" "google toolbar" wird auch gern mitgeliefert - wieder Müll den keiner braucht (und der das Starten eines Browsers je nach Festplatte verlangsamen kann).

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Google | EU-Kommission | Anzeige | Ermittlung | Kartellbehörde | Staatsanwaltschaft
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