Öffentlicher Fernverkehr Deutsche Bahn verzichtet auf Fernbus-Geschäft
Die Deutsche Bahn hat überraschend beschlossen, doch nicht ins Fernbus-Geschäft einzusteigen. Dabei hatte der Konzern noch vor wenigen Wochen die Marktoffensive geplant.
Die Deutsche Bahn will im Zuge der Öffnung des deutschen Fernbus-Marktes nun doch nicht weiter in diesen Bereich investieren. Die Chancen und Risiken einer geplanten Marktoffensive seien noch einmal intensiv geprüft worden, sagte ein Sprecher der Bahn der Süddeutschen Zeitung. Aufgrund der zu erwartenden Wettbewerbssituation habe die Bahn beschlossen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und auf Investitionen in einem unsicheren Marktsegment zu verzichten.
- Gesetzeslage
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Das Personenbeförderungsgesetz von 1934 sieht vor, dass eine vom Bundesland beauftragte Behörde den Betrieb einer Fernbuslinie genehmigt. Die kann die Genehmigung versagen, wenn die beantragte Strecke mit "den vorhandenen Verkehrsmitteln befriedigend bedient werden kann“, wenn sie den Verkehr auf einer von der Privatwirtschaft oder der DB betriebene Strecke nicht "wesentlich verbessert" oder wenn bereits vorhandene Unternehmer oder Eisenbahnen sich innerhalb einer Frist bereit erklären, die Strecke selbst zu bedienen.
Genehmigt werden müssen auch Fahrkartentarife und Fahrplanänderungen. Betreiber einer Strecke unterliegen der sogenannten Betriebspflicht – wollen sie den Verkehr auf einer Strecke einstellen, muss die Genehmigungsbehörde prüfen, ob das zumutbar ist. Selbst wenn das der Fall ist, darf der Betreiber erst nach sechs Monaten aussteigen.
Weil West-Berlin zu DDR-Zeiten auch per Bus erreichbar sein sollte, wurde hier Fernlinienbusverkehr aus Westdeutschland über den Autobahnkorridor zugelassen. Diese gesetzliche Regelung gilt noch heute – deswegen starten und enden die meisten Fernlinienbusse in Berlin.
- Referentenentwurf
Die weitgehende Liberalisierung sieht zwar weiterhin vor, dass Linien genehmigt werden müssen. Künftig sollen aber auch Parallelverkehre erlaubt sein. Bus und Bus sowie Bahn und Bus können auf einer Strecke konkurrieren. Nicht mehr genehmigt werden müssen Tarife und Fahrplanänderungen. Auch die Betriebspflicht wird aufgeweicht – Betreiber sollen Verbindungen künftig innerhalb von drei Monaten einstellen können. Die sechsmonatige Betriebspflicht der Bahn wird nicht angetastet.
- Deutscher Busmarkt
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Laut Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (bdo) gibt es in Deutschland 4992 Busunternehmen. Nur 77 von ihnen sind ausschließlich im Linienfernverkehr tätig. Es sei aber schwierig, genau abzuschätzen, wie viele Busse im Linienfernverkehr fahren, sagt Bastian Roet vom bdo, "da zum Beispiel privatwirtschaftliche Unternehmen ihre Busse sowohl für Reisen als auch für Fernlinienverkehre einsetzen“. 2010 gab es im Linienfernverkehr 2,6 Millionen Passagiere.
Die DB ist der größte Anbieter im gesamten deutschen Busverkehr – 2009 beförderte das Unternehmen über 22 Busgesellschaften und 70 Beteiligungen an Verkehrsunternehmen mit rund 13.400 Bussen circa 748 Millionen Fahrgäste. Die Busse der DB fahren hauptsächlich im regionalen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).
Die Süddeutsche Zeitung berichtete, der Bahn-Vorstand habe beschlossen, dass zu den mehr als 50 Fernbuslinien, die die Bahn bereits betreibt, keine weitere hinzukommen soll. Auch solle der Fuhrpark nicht vergrößert werden. Der Beschluss sei selbst für hochrangige Mitarbeiter völlig unerwartet gekommen.
Ende April hatte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg in einem Zeitungsinterview in der Financial Times Deutschland noch gesagt, die Bahn fürchte im Zuge der Öffnung des Fernbus-Marktes Gewinneinbußen im Schienenverkehr und wolle deshalb selbst in diesem Bereich investieren. "Wir treffen umfangreichste Vorbereitungen, um selbst eine wichtige Rolle in diesem Markt zu spielen", hatte er erklärt. Die Bahn sei schon jetzt ein wichtiger Busbetreiber und wolle zumindest 50 Prozent Marktanteil bei Fernbussen erreichen. Nach einer Anlaufphase von vier bis fünf Jahren sollte hier ein Umsatz für die Bahn in dreistelliger Millionenhöhe möglich werden.
Derzeit existieren in Deutschland nur sehr wenige Fernbuslinien. Grund dafür ist das 1931 erlassene Personenbeförderungsgesetz, das die Schienen vor Konkurrenz auf der Straße schützen soll. Die Regierung will dieses Gesetz aufheben und künftig auch anderen Unternehmen erlauben, Fernbuslinien zu betreiben.
- Datum 03.06.2011 - 14:00 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 4
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Auf investitionen auf einen"unsicheren Marktsegment zu verzichten", kann nur eine ausrede sein, denn Ihr beherrscht nicht mal das Ihre!
Ich habe es häufig erlebt, dass man mit einem Bus gereist ist und man auch dann angekommen ist, wie es der Fahrplan vorsah. Das ist natürlich für die Bahn ein unsicheres Marktsegment.
von 1931 oder 1934?
Die Deutsche Bahn hat schon im Frachtverkehr auf der Schiene versagt. Bei der Personenbeförderung leistet sie sich seit Jahren Pannen und ökonomische Schnitzer.
Warum sollte sie nun ausgerechnet Busbetriebe hinbekommen? Die Bahnbusse der 50er haben sie ja auch erfolgreich torpediert.
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