Die Deutsche Bahn will im Zuge der Öffnung des deutschen Fernbus-Marktes nun doch nicht weiter in diesen Bereich investieren. Die Chancen und Risiken einer geplanten Marktoffensive seien noch einmal intensiv geprüft worden, sagte ein Sprecher der Bahn der Süddeutschen Zeitung. Aufgrund der zu erwartenden Wettbewerbssituation habe die Bahn beschlossen, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und auf Investitionen in einem unsicheren Marktsegment zu verzichten.

Die Süddeutsche Zeitung berichtete, der Bahn-Vorstand habe beschlossen, dass zu den mehr als 50 Fernbuslinien, die die Bahn bereits betreibt, keine weitere hinzukommen soll. Auch solle der Fuhrpark nicht vergrößert werden. Der Beschluss sei selbst für hochrangige Mitarbeiter völlig unerwartet gekommen.

Ende April hatte Bahn-Vorstand Ulrich Homburg in einem Zeitungsinterview in der Financial Times Deutschland noch gesagt, die Bahn fürchte im Zuge der Öffnung des Fernbus-Marktes Gewinneinbußen im Schienenverkehr und wolle deshalb selbst in diesem Bereich investieren. "Wir treffen umfangreichste Vorbereitungen, um selbst eine wichtige Rolle in diesem Markt zu spielen", hatte er erklärt. Die Bahn sei schon jetzt ein wichtiger Busbetreiber und wolle zumindest 50 Prozent Marktanteil bei Fernbussen erreichen. Nach einer Anlaufphase von vier bis fünf Jahren sollte hier ein Umsatz für die Bahn in dreistelliger Millionenhöhe möglich werden.

Derzeit existieren in Deutschland nur sehr wenige Fernbuslinien. Grund dafür ist das 1931 erlassene Personenbeförderungsgesetz, das die Schienen vor Konkurrenz auf der Straße schützen soll. Die Regierung will dieses Gesetz aufheben und künftig auch anderen Unternehmen erlauben, Fernbuslinien zu betreiben.