Die Zentrale der Commerzbank in Frankfurt am Main. © Daniel Roland/AFP/Getty Images

Weltweit sind 28 Banken derzeit so groß, dass ihr Zusammenbruch das ganze Finanzsystem ins Wanken bringen könnte. Sie müssen sich auf verschärfte Eigenkapitalvorschriften gefasst machen. Das geht aus einem Vorschlag des Finanzstabilitätsrats (FSB) hervor, wie die Financial Times Deutschland berichtet. Der FSB ist ein Gremium, das sich aus staatlichen und nichtstaatlichen Akteuren der internationalen Finanzpolitik zusammensetzt. Dazu gehören Notenbanken, Behörden und Regierungen.

Die Namen der Institute, die als too big to fail gelten, wollen die Basler Aufseher nicht veröffentlichen. Die Deutsche Bank dürfte aber zu diesem Kreis gehören. Auch die Commerzbank werde als systemrelevant eingestuft, schreibt die Zeitung unter Berufung auf mit der Entscheidung vertraute Personen. Multinational vernetzte Großbanken sollen demzufolge einen Aufschlag auf die Basel-III-Standards vorgeschrieben bekommen: Zusätzlich zur harten Kernkapitalquote von sieben Prozent müssten sie einen Risikopuffer von 1,0 bis 2,5 Prozentpunkten bilden.

Die 28 Banken wurden aus einer Liste von 73 Instituten aus 17 Ländern ausgewählt. Welche Institute mit den Aufschlägen leben müssen, soll aber nicht langfristig festgelegt werden. Einmal im Jahr werde überprüft, ob ihre Systemrelevanz so weit abgenommen hat, dass sie aus der Liste herausfallen könnten, sagte Mario Draghi, Chef der Italienischen Notenbank und Leiter des FSB.

Die Bankenaufseher legen mit dem Bericht eine Grundlage für die G20-Staaten, die im November über engere Fesseln für systemrelevante Banken entscheiden sollen. Sie ziehen mit den verschärften Regeln die Konsequenz aus der Finanzkrise, in der die Pleite von Lehman Brothers die Branche erschüttert hatte. "In den Jahren vor der Krise gab es keine ordentliche Marktdisziplin, was die Bewältigung der Krise erschwert hat", sagte Draghi. Die erhöhten Eigenkapitalanforderungen sollten das Finanzsystem mit der Zeit sicherer und gesünder machen. Später wollen sich die Aufseher auch mit der möglichen Systemrelevanz großer Versicherer befassen.

Aufblähung wird bestraft

Wie hoch die Aufschläge für die Banken sind, richtet sich nach einem Punktesystem, das ihre Größe, ihre Verflechtung im System, ihre Komplexität, den Grad ihrer Internationalität und die Frage bewertet, inwieweit sie bei einem Ausfall ersetzbar wären. Der Aufschlag liegt bei 1,0, 1,5, 2,0 oder bei 2,5 Prozentpunkten. Bläht sich eine Bank stärker auf, kann sie auch mit einem Strafzuschlag von 3,5 Prozent belegt werden. Weltweit sollen alle Banken von 2013 an über sechs Jahre ohnehin ein Kernkapital-Polster von sieben Prozent aufbauen.

Systemrelevante Banken gelten in den Augen ihrer Investoren als besonders sicher. Sie vertrauen darauf, dass Großbanken vom Staat nicht fallen gelassen werden. Um falsche Anreize zu vermeiden, will der FSB daher Regeln einführen, wie solche mächtigen Institute in der Krise geordnet und damit gefahrlos für die Branche abgewickelt werden könnten. Das soll auf jeden Fall mit Einbußen für Aktionäre und Anleihenkäufer verbunden sein.