Die Deutsche Bank muss sich zurzeit vielen Fragen stellen. Eine dieser Fragen ist politisch: Können Anshu Jain und Jürgen Fitschen die Fußstapfen von Bankchef Josef Ackermann als Gesprächspartner der Mächtigen ausfüllen und die globale Rolle des größten deutschen Geldhauses stärken? Eine andere Frage ist juristisch: Dürfen die beiden überhaupt in der von der Bank geplanten Form eine Doppelspitze bilden? Die Antwort ist umstritten.

Jain und Fitschen sollen nach der Hauptversammlung 2012 die Führung übernehmen . Dazu werden die beiden Manager, wie die Bank offiziell mitteilt, "zu gleichberechtigten Co-Vorsitzenden des Vorstands" ernannt. Eine Doppelspitze ist in deutschen Aktiengesellschaften an sich nicht einzigartig – auch der Walldorfer Software-Konzern SAP hat ganz oben zwei Leute. Anders als bei der Deutschen Bank sind die SAP-Chefs aber Vorstandssprecher. Bei der Deutschen Bank sollen Jain und Fitschen Vorstandsvorsitzende sein. Und das ist ein entscheidender Unterschied.

Die von der Deutschen Bank gewählte Konstruktion ist in der Fachwelt umstritten. Für einen Vorstandsvorsitzenden gibt es Regeln im Aktiengesetz, und deren Wortlaut folgt dem Highlander-Prinzip: Es kann nur einen geben. Das steht geschrieben in Paragraf 84 Absatz 2: Der Aufsichtsrat wählt "ein Mitglied" des Vorstands zum Vorsitzenden. Ein Mitglied. Nicht zwei, drei oder vier. Das Aktienrecht ist streng und akzeptiert Abweichungen nur in gesetzlich ausdrücklich vorgesehenen Fällen – die Bestellung von mehr als einem Vorstandsvorsitzenden gehört nicht dazu. 

Die Deutsche Bank verweist auf Nachfrage auf mehrere rechtswissenschaftliche Werke, die ihre These stützen, der zufolge man trotzdem zwei Vorstandsvorsitzende bestellen dürfe. Doch so eindeutig ist die Sache nicht. Anderer Ansicht ist beispielsweise Gerald Spindler, Professor für Wirtschaftsrecht an der Universität Göttingen und langjähriger Kommentator des Aktienrechts. "Meiner Ansicht nach widerspricht das nicht nur dem Wortlaut des Gesetzes, sondern auch dessen Zielsetzung. Schließlich soll der Vorstand mit dem Vorsitzenden einen eindeutigen Ansprechpartner und Koordinator haben", sagt Spindler.

Eine Alternative wäre, so Spindler, neben einen Vorstandsvorsitzenden einen Stellvertreter zu bestimmen. Aber von diesem Vorschlag dürften die beiden neuen Chefs der größten deutschen Bank nun wirklich nicht begeistert sein.