Die italienische Justiz ermittelt gegen die Rating-Agenturen Moody's und Standard & Poor's. Den Ermittlern liegen Strafanzeigen zweier Verbraucherverbände vor. Darin geht es um ungewöhnliche Kursbewegungen an der Mailänder Börse. Die beiden Agenturen sollen sich in ihrer täglichen Arbeit nicht an die Regeln des Geschäfts gehalten haben, teilte die Staatsanwaltschaft im süditalienischen Trani mit.

Ermittler durchsuchten Geschäftsräume der Agenturen in Mailand und beschlagnahmten Material. S&P und Moody's erklärten sich zur Zusammenarbeit mit den Staatsanwälten bereit. Beide Agenturen betonten, sich stets korrekt verhalten zu haben.

In der ersten Strafanzeige wird die Veröffentlichung eines Moody's-Berichts im Mai 2010 bemängelt, in dem vor Ansteckungsgefahren der Griechenland-Krise für die italienischen Banken gewarnt wird.

Die zweite Anzeige richtet sich gegen S&P. Die Agentur hatte im Mai dieses Jahres mit einer Herabstufung der Kreditwürdigkeit Italiens gedroht. Untersucht wird laut Staatsanwaltschaft auch, ob hinter Kursstürzen am 8. und 11. Juli kriminelle Machenschaften stecken. Damals waren viele Anleger aus Angst vor einem Übergreifen der Schuldenkrise aus den Aktien geflüchtet.

Die Rating-Agenturen stehen aufgrund ihres großen Einflusses auf die Weltwirtschaft seit Monaten in der Kritik. Unter anderem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble forderte, die Macht der Agenturen aufzubrechen.