Als Steve Jobs im Jahr 1997 nach Cupertino zurückkam, stand sein Lebenswerk vor dem Aus. Der Computerkonzern Apple hatte seine Linie verloren und damit den Anschluss an den Massenmarkt. Die Rechner aus Kalifornien waren inkompatibel, galten als Nischenprodukte und überteuert. Die Umsätze waren seit Jahren rückläufig, der Konzern hatte riesige Schulden angehäuft, der Aktienkurs war auf einem Tiefstand. Jobs griff durch. Er verschlankte die Firma, schüttelte die Führungsebene durch und erneuerte die Produktlinie. Auf der Suche nach weiteren Einsparungen stieß der neue Chef auch auf die Charity-Programme des Unternehmens. Ohne zu zögern fror Jobs sämtliche Programme bis auf Weiteres ein.

Heute, 14 Jahre später, ist Apple der erfolgreichste Technologiekonzern der Welt. Allein im abgelaufenen Quartal fuhr Apple einen Rekordumsatz von 28,6 Milliarden Dollar ein, der Gewinn lag bei 7,3 Milliarden Dollar. Das sind 125 Prozent mehr als im Vorjahr. "Wir sind begeistert, das beste Quartal unserer Firmengeschichte zu vermelden", jubelte der damalige Apple-Chef Mitte Juli. Vor gut zwei Wochen hatte Apple den Öl-Konzern Exxon Mobil zum ersten Mal als wertvollstes Unternehmen der Welt abgelöst.

Doch trotz der Rekordergebnisse liegen die Charity-Programme bei Apple bis heute auf Eis. Während Konzerne wie Microsoft, Intel oder Cisco jedes Jahr zweistellige Millionenbeträge an gemeinnützige Einrichtungen und Organisationen spenden, taucht Apple nach Informationen der Organisation The Giving USA Foundation in keiner nennenswerten Statistik auf. Einzige Ausnahme: Eine Spende von 100.000 Dollar im Kampf gegen Proposition 8, dem Gesetzesvorschlag in Kalifornien, der 2008 die Homo-Ehe verhindern sollte. Im Jahresbericht heißt es lediglich, man ermuntere Mitarbeiter, gemeinnützige Organisationen ihrer Wahl zu unterstützen. Apple ist einer der am wenigsten sozial engagierten Konzerne der Welt.

Auf Spendenlisten taucht nur Ehefrau Laurene auf

"Von den Großen ist Apple der Einzige, der sich vollkommen raushält", meint Perla Ni, Gründerin des Charity-Netzwerks Great Nonprofits. Zwar stehe im Silicon Valley bei vielen die Technologie im Mittelpunkt. Trotzdem säße etwa bei LinkedIn oder Google "fast jedes Vorstandsmitglied gleichzeitig in einer gemeinnützigen Organisation", sagt Ni. Inzwischen ist sogar die Einzelhandelskette Wal-Mart auf Druck von Gewerkschaften und Öffentlichkeit dabei, das Image des ewig bösen Branchenriesen loszuwerden. Erst vor wenigen Wochen verpflichtete sich der Konzern, bis zum Jahr 2015 zwei Milliarden Dollar zu spenden, um notleidende Amerikaner zu unterstützen.

Bei Apple sei die spendenfeindliche Einstellung dagegen tief in der Unternehmenskultur verankert, glaubt Perla Ni. "Der Konzern wird von Perfektionisten geleitet, die die volle Kontrolle über alles haben wollen, was sie in die Hände nehmen." Das sei bei Charity-Programmen schwierig. Deswegen entscheide Apple wohl, sich von vornherein rauszuhalten. Kritiker sagen, das politische und soziale Engagement des bisherigen Konzernchefs Steve Jobs beschränke sich darauf, Ex-Präsident Clinton während eines Besuch im Silicon Valley 1996 zum Essen eingeladen zu haben. Auf Spendenlisten taucht nur Ehefrau Laurene auf – mit Dutzenden von Geldspenden an die Demokratische Partei.

Auch dass der Apple-Chef seine Krebserkrankung nicht nutzte, um die öffentliche Aufmerksamkeit für die Krankheit zu erhöhen, werfen ihm viele vor. Der einzige Versuch Jobs’, seine Popularität zu nutzen, liegt Jahrzehnte zurück. 1987 hatte der Apple-Chef mit großem Aufwand eine eigene Stiftung gegründet. Für das Logo der Steven P. Jobs Foundation engagierte der Jungunternehmer eigens den Designer Paul Rand, der schon für IBM und Enron gearbeitet hatte. Keine 15 Monate später war Schluss.

Dass sich mit dem neuen Chef etwas ändern könnte, glaubt Perla Ni nicht. "Tim Cook hat genauso wenig wie Steve Jobs einen Ruf, sich besonders stark in wohltätigen Programmen zu engagieren." Trotzdem, so Ni, habe der Konzern ein extrem positives Image. "Es gibt für sie kaum Gründe, irgendetwas zu ändern."