InternetunternehmenGroupon verschiebt offenbar Börsengang

Die Schnäppchen-Website Groupon hat ihren Start an der Börse vorerst verschoben. Zuvor hatte es Kritik von der Börsenaufsicht und Zweifel am Geschäftsmodell gegeben. von dpa

Der Groupon-Firmensitz in Chicago

Der Groupon-Firmensitz in Chicago  |  © Scott Olson/Getty Images

Das Schnäppchen-Portal Groupon soll die anstehenden Präsentationen bei Investoren abgesagt haben und überdenke nun den Zeitplan für den Gang aufs Parkett, berichteten das Wall Street Journal und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Bereits zuvor war am Geschäftsmodell gezweifelt worden, auch die US-Börsenaufsicht SEC hatte Kritik am geplanten Börsengang geäußert.

Groupon hatte im Juni den Gang angekündigt und wollte ursprünglich bis zu 750 Millionen Dollar bei den Anlegern einsammeln. Damit würde das Internetunternehmen einen der größten Börsengänge des Jahres abliefern. Beobachter hatten Groupon einen milliardenschweren Börsengang zugetraut, nachdem das junge Unternehmen ein Kaufangebot von Google über angeblich sechs Milliarden Dollar abgelehnt hatte.

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So funktioniert Groupon

Das Unternehmen sucht Händler, die neue Käufer locken wollen und bereit sind, dafür einen hohen Rabatt auf ihre Leistungen zu geben. Groupon verlangt mindestens einen Rabatt von 50 Prozent. Die an Groupon zu zahlende Provision wird sofort fällig.

Ortsgebunden

Verbraucher melden sich bei Groupon mit ihrer E-Mail-Adresse an und wählen, aus welcher Stadt sie Angebote bekommen wollen. Nach eigenen Angaben hat das Unternehmen bereits 70 Millionen registrierte Nutzer. Sie alle bekommen auf eine bestimmte Region begrenzte Angebote zugeschickt. Diese können auch nach Interessen gefiltert werden.

Einlösen

Gefälllt einem Kunden ein Angebot, bezahlt er per Kreditkarte, das Geld wird sofort abgebucht. Anschließend schickt das Unternehmen eine E-Mail mit dem Gutschein. Der Kunde druckt diesen aus und geht damit zum Händler, um ihn einzulösen.

Erwartung

Der Händler hofft einerseits, dass die Groupon-Nutzer ihm als Stammkunden erhalten bleiben, was sich selten erfüllt. Die meisten sind Schnäppchenjäger, die von einem Angebot zum anderen ziehen. Andererseits sind die Rabattaktionen immer so gestaltet, dass der Kunde mehr ausgibt, als auf dem Gutschein steht und im Restaurant nicht nur etwas verbilligt essen, sondern beispielsweise noch Getränke bestellen (die nicht auf dem Coupon stehen). Diese Hoffnung erfüllt sich wohl eher, zumindest sagt Groupon-Gründer Andrew Mason, Kunden ließen ungefähr die Hälfte mehr an Geld im Laden, als auf dem Gutschein steht.

Das Internetunternehmen bringt Nutzer zusammen, die am Kauf bestimmter Produkte oder Dienstleistungen interessiert sind und sichert ihnen damit Rabatte bei Händlern oder Herstellern. Groupon selbst kassiert dafür eine Provision. Allerdings häuften sich in den vergangenen Monaten Zweifel am Geschäftsmodell.

Zweifel an den Zahlen

Die Zahlen in den Unterlagen zum Börsengang offenbarten, dass Groupon wegen der hohen Kosten für Kundengewinnung auch bei wachsendem Geschäft massive Verluste macht. Eine zusätzliche Kennzahl-Berechnung, bei der die Kosten einfach ausgeklammert wurden, musste Groupon aufgeben, nachdem sie von der SEC kritisiert worden war.

Für weitere Irritationen hatten Äußerungen von Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky und Andrew Mason gesorgt. Lefkofsky ließ sich in einem Interview zu der Aussage hinreißen, Groupon werde noch "heftig profitabel" werden. Mason verteidigte das Geschäftsmodell in einer internen E-Mail, die an die Öffentlichkeit gelangte. In den USA ist es aber verboten, vor einem Börsengang auf diese Weise ein Unternehmen anzupreisen. Seinerzeit hatten auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin Ärger wegen eines offenherzigen Interviews vor dem Börsengang bekommen.

Eigentlich habe Groupon seine Börsenpläne Mitte September in die Tat umsetzen wollen, schrieb das Wall Street Journal. Nach dem Einbruch des Marktes, vor allem wegen der europäischen Schuldenkrise, werde nun Woche für Woche neu entschieden, ob die Zeit reif sei. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht äußern. Groupon hatte keinen Zeitplan veröffentlicht.

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Leserkommentare
  1. Der Vergleich zu lets bye bye it com drängt sich auf auch wenn das Modell ein anderes war.
    Das ist nichts als ein Hype und der beste Beweis ist eigentlich noch das Google ein Angebot gemacht hat.
    Google hat bislang keinen einzigen Zukauf zu Geld verwandeln können. Als wenn die Abschreibungsobjekte kaufen!
    Die L

  2. 2. Nein!

    ...wir brauchen unbedingt diese mutigen und menschennützlichen Html-Seiten. Die sind Milliarden wert und viel wichtiger als Bäckereien oder Krankenhäuser. So ein technologisches Meisterwerk bekommt kein 14jähriger Webseiten-Designer hin...

    Das war Sarkasmus in einer Zeit, in der virtuelle und frei kopierbare Code-Schnipsel mehr wert sind, als Fabriken die ausreichen würden, ganz Afrika zu versorgen. Ein Wert nur geschaffen aus Werbung, Marketing und Lügen - jene Methoden, die nicht weniger überflüssig für die Menschliche Koexistenz sind...

    • Hermez
    • 07. September 2011 18:23 Uhr

    heute kommt es doch gar nicht mehr auf Bilanzen oder andere Nebensächlichkeiten an. Wir alle glauben bloss noch an bedruckte Papierschnipsel, die keinerlei Wert mehr bsitzen. Nur unser GLAUBE daran hält alles noch halbwegs zusammen.So ist es auch nur folgerichtig, dass solche Unternehmen gehypt werden...und JA! natürlich funktioniert es, solange alle ganz fest daran glauben-,)

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Google | Bloomberg | Börsengang | Larry Page | SEC | Sergey Brin
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