Das Schnäppchen-Portal Groupon soll die anstehenden Präsentationen bei Investoren abgesagt haben und überdenke nun den Zeitplan für den Gang aufs Parkett, berichteten das Wall Street Journal und die Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Bereits zuvor war am Geschäftsmodell gezweifelt worden, auch die US-Börsenaufsicht SEC hatte Kritik am geplanten Börsengang geäußert.

Groupon hatte im Juni den Gang angekündigt und wollte ursprünglich bis zu 750 Millionen Dollar bei den Anlegern einsammeln. Damit würde das Internetunternehmen einen der größten Börsengänge des Jahres abliefern. Beobachter hatten Groupon einen milliardenschweren Börsengang zugetraut, nachdem das junge Unternehmen ein Kaufangebot von Google über angeblich sechs Milliarden Dollar abgelehnt hatte.

Das Internetunternehmen bringt Nutzer zusammen, die am Kauf bestimmter Produkte oder Dienstleistungen interessiert sind und sichert ihnen damit Rabatte bei Händlern oder Herstellern. Groupon selbst kassiert dafür eine Provision. Allerdings häuften sich in den vergangenen Monaten Zweifel am Geschäftsmodell.

Zweifel an den Zahlen

Die Zahlen in den Unterlagen zum Börsengang offenbarten, dass Groupon wegen der hohen Kosten für Kundengewinnung auch bei wachsendem Geschäft massive Verluste macht. Eine zusätzliche Kennzahl-Berechnung, bei der die Kosten einfach ausgeklammert wurden, musste Groupon aufgeben, nachdem sie von der SEC kritisiert worden war.

Für weitere Irritationen hatten Äußerungen von Verwaltungsratschef Eric Lefkofsky und Andrew Mason gesorgt. Lefkofsky ließ sich in einem Interview zu der Aussage hinreißen, Groupon werde noch "heftig profitabel" werden. Mason verteidigte das Geschäftsmodell in einer internen E-Mail, die an die Öffentlichkeit gelangte. In den USA ist es aber verboten, vor einem Börsengang auf diese Weise ein Unternehmen anzupreisen. Seinerzeit hatten auch die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin Ärger wegen eines offenherzigen Interviews vor dem Börsengang bekommen.

Eigentlich habe Groupon seine Börsenpläne Mitte September in die Tat umsetzen wollen, schrieb das Wall Street Journal. Nach dem Einbruch des Marktes, vor allem wegen der europäischen Schuldenkrise, werde nun Woche für Woche neu entschieden, ob die Zeit reif sei. Das Unternehmen selbst wollte sich nicht äußern. Groupon hatte keinen Zeitplan veröffentlicht.