ZEIT ONLINE: Herr Ostermayr, Sie haben Marketing studiert und wissen, wie wichtig der gute Ruf für ein Unternehmen ist. Da müssen Sie doch im Moment verzweifeln.

Andreas Ostermayr: Warum sollte ich verzweifeln?

ZEIT ONLINE:Danone betreibt einen ungeheuren Aufwand, um als Umweltfreund dazustehen. Zuletzt haben Sie sogar einen Joghurtbecher auf den Markt geworfen, der ohne Plastik und damit ohne fossile Rohstoffe auskommt. Dennoch werden Sie von Umweltorganisationen scharf kritisiert. Was läuft da falsch?

Ostermayr: Momentan kritisiert uns nur die Deutsche Umwelthilfe , sonst niemand. Und die Vehemenz dieser Kritik macht uns ratlos. Natürlich bietet ein neuer Kunststoff auch Angriffspunkte. Die neue Verpackung ist ein erster Schritt und noch lange nicht perfekt. Wir sind aber enttäuscht und überrascht, so scharf kritisiert zu werden. Die Verpackung haben wir ja nicht alleine, sondern gemeinsam mit dem WWF entwickelt.

ZEIT ONLINE: Der Vorwurf lautet: Sie haben die Verbraucher bewusst getäuscht. Auf der Verpackung steht, die neuen Joghurtbecher seien umweltfreundlicher als gewöhnliche Becher. Obwohl das Material im Gegenteil auch sehr viele Nachteile hat, sagen die Umweltschützer.

Ostermayr: Das weisen wir zurück! Die neuen Becher werden aus Futtermais hergestellt und nicht aus Erdöl. Dadurch verringern wir die Treibhausgasemissionen um ein Viertel und reduzieren die Verwendung fossiler Rohstoffe um 40 Prozent – das ist doch ein Fortschritt!

ZEIT ONLINE: Eine Studie des IFEU-Instituts, die Sie selbst in Auftrag gegeben haben, kommt zu einem anderen Ergebnis: Die Umweltbilanz der neuen Becher ist im Vergleich zu den alten gleich null. Anders gesagt: Sie betreiben Greenwashing .

Ostermayr: Einspruch! Man muss die Studie schon richtig lesen. Sie listet Kriterien auf, die gewichtet werden müssen. Wir sehen die Reduktion von Treibhausgasen und fossilen Rohstoffen bereits als großen Fortschritt. Wir werden den Becher weiter entwickeln, ich rechne damit, dass das auch seine Ökobilanz verbessert. Übrigens haben wir nie behauptet, dass PLA, der neue Kunststoff, das Nonplusultra sei. Das sagt auch der WWF nicht. Wir sind da vollkommen einer Meinung.

ZEIT ONLINE: Sie haben den WWF für seine Expertise bezahlt.

Ostermayr: Das ist üblich, wenn man beraten wird.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Verständnis dafür, dass man Ihnen misstraut?

Ostermayr: Wenn ein Unternehmen von sich behauptet, dass es etwas besonders gut macht, wird es kritisch begutachtet. Das ist völlig legitim. Wir sind aber überzeugt, das Richtige zu tun. Natürlich wird dieser Joghurtbecher nicht die Welt retten. Aber er ist der beste Becher, der mit der heutigen Technologie möglich ist. Sagen Sie uns gerne, wie wir ihn verbessern können! Wir sind die ersten, die diese Verpackung in diesem Umfang nach Deutschland bringen.