Frankreichs reichste Frau, die fast 89-jährige L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt, wird entmündigt. Das teilten die Anwälte Bettencourts und ihrer Tochter Françoise Bettencourt-Meyers nach einer Entscheidung eines französischen Vormundschaftsgerichts in Courbevoie bei Paris mit. Bettencourt werde unter Vormundschaft ihres ältesten Enkels Jean-Victor Meyers gestellt, die Verwaltung ihres Vermögens werde der Tochter und ihren zwei Enkeln übertragen. Einem medizinischen Gutachten zufolge leidet Bettencourt an Demenz. Liliane Bettencourt hatte im Vorfeld angekündigt, im Falle einer Entmündigung ins Ausland zu gehen.

Die einzige Tochter Bettencourts hatte sich monatelang einen Familienstreit mit ihrer Mutter geliefert und bereits mehrmals erfolglos versucht, diese entmündigen zu lassen. Bettencourt-Meyer sieht ihre Mutter von Mitarbeitern und Beratern ausgebeutet. So wirft sie etwa dem Künstler François-Marie Banier vor, Bettencourt fast eine Milliarde Euro in Form von Gemälden, Immobilien, Lebensversicherungen und Schecks abgenommen zu haben. Nach Schätzungen des US-Magazins Forbes verfügt Bettencourt über ein Vermögen von etwa 16 Milliarden Euro.

Der Familienstreit hatte eine Reihe von Affären ausgelöst, die im vergangenen Jahr auch die konservative Regierung von Präsident Nicolas Sarkozy erschütterten. Neben Steuerhinterziehung wurde Bettencourt vorgeworfen, illegale Parteispenden an die konservative Regierungspartei UMP übergeben zu haben. Die Justiz untersuchte, ob eine illegale Spende in Höhe von 150.000 Euro für den Präsidentschaftswahlkampf von Sarkozy im Jahr 2007 floss.