Die Regierungen von Belgien und Frankreich wollen die Großbank Dexia mit umfangreichen Garantien stützen. Das Geldinstitut ist von der Pleite bedroht und soll über die Gründung einer Bad Bank gerettet werden. Geplant ist, riskante Wertpapiere in die Abwicklungsanstalt auszulagern.

Dexia werden akute Liquiditätsprobleme nachgesagt. Die Schwierigkeiten der belgisch-französischen Bank gehen zum großen Teil auf Darlehen an französische Gebietskörperschaften in Höhe von 70 Milliarden Euro zurück. Außerdem besitzt Dexia risikoreiche Wertpapiere über 95 Milliarden Euro. Vor allem wegen ihres starken Griechenland-Engagements gilt die Bank als angeschlagen.

Belgiens Ministerpräsident Yves Leterme und Finanzminister Didier Reynders kündigten nach einer Krisensitzung in Brüssel die Schaffung der Bad Bank an. Zuvor hatte der französische Finanzminister François Baroin mitgeteilt, dass Frankreich und Belgien an der Seite der Bank stünden. "Was auch passiert, wir werden eine schnelle und effektive Lösung durchsetzen", sagte Baroin. In der derzeitigen Form könne Dexia nicht fortbestehen: "Das ist unbestritten."

Kursverlust von fast 40 Prozent

Dexia ist in Belgien, Luxemburg und Frankreich sowie über die Tochter Deniz-Bank in der Türkei aktiv. Die Bank hat 35.000 Mitarbeiter und allein in Belgien 850 Filialen. Nachdem die Rating-Agentur Moody's mit einer Herabstufung der Bank gedroht hatte, waren Dexia-Aktien am Dienstag zeitweise um knapp 40 Prozent eingebrochen.

Das Institut war bereits vor drei Jahren, zu Beginn der Finanzkrise, in große Schwierigkeiten geraten. Damals hatten Frankreich, Belgien und Luxemburg das Institut mit 6,4 Milliarden Euro gestützt und ihm öffentliche Garantien gegeben. Seitdem halten Frankreich und Belgien Anteile an Dexia.

Kein Dexia-Kunde soll sein Geld verlieren

Zur Höhe der belgischen Garantien sagte Finanzminister Reynders, sie würden diesmal kleiner ausfallen als 2008, als Belgien 90 Milliarden Euro beigesteuert hatte. Belgiens Regierung werde alles tun, damit kein Bankkunde sein Geld verliere, sagte Ministerpräsident Leterme. Ziel sei es, dass das Geschäft des Bankhauses in Belgien weitergeführt werden könne. Die Verstaatlichung von Dexia sei eine Möglichkeit, die in Betracht gezogen werden müsste. Die Auswirkungen auf den belgischen Haushalt würden "relativ begrenzt" sein.

EU-Kommissar Olli Rehn sagte der Financial Times, die EU-Finanzminister dächten über einen koordinierten Plan zur Rekapitalisierung der Banken nach. Dies solle helfen, die Unsicherheit an den Märkten zu reduzieren. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warnte: "Die große Sorge ist, dass die beunruhigenden Entwicklungen aus den Finanzmärkten in einer Bankenkrise eskalieren können."