ZEIT ONLINE: Am Freitag wird die Höhe der Ökostrom-Umlage bekannt gegeben, mit der sich die Stromkunden am Ausbau der erneuerbaren Energien beteiligen. Aller Voraussicht nach wird sie leicht steigen. Ist das Erneuerbare-Energien-Gesetz das richtige Instrument, um langfristig 100 Prozent Erneuerbare zu erreichen?

Boris Schucht: Nicht mit Blick auf eine hundertprozentige erneuerbare Stromversorgung. Aber das Erneuerbare-Energien-Gesetz hat in Deutschland sehr erfolgreich den Ökostrom-Ausbau vorangetrieben, gewissermaßen als staatlich induziertes Markteinführungsprogramm. Das ist sehr positiv.

ZEIT ONLINE: Aber?

Schucht: Die EEG-Umlage wird mittelfristig an ihre Grenzen stoßen. Sie ist kein geeignetes marktwirtschaftliches Instrument, um einen Markt mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien zu organisieren. Daher müssen wir über eine Weiterentwicklung der EEG-Umlage und des ganzen Marktdesigns im Energiesystem nachdenken. Unter dem Strich gilt: Die Energiewende gibt es nicht zum Nulltarif. Dies schließt die Kosten für den Umstieg auf erneuerbare Energien ebenso ein wie die vergleichsweise moderaten Kosten für den Netzausbau.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?

Schucht: Nehmen Sie einen windstarken Monat. Etwa den Januar, wenn geringer Verbrauch auf ein großes Windstromangebot trifft. Als Netzbetreiber müssen wir dann, wenn es die Netzstabilität erfordert, in den Markt eingreifen und Erzeugungsanlagen herunterfahren, damit das Stromnetz nicht überlastet ist.

ZEIT ONLINE: Aber dann können Sie doch Windräder abschalten – und tun das auch.

Schucht: Das machen wir als Ultima Ratio, wenn konventionelle Anlagen bereits auf ein Minimum zurückgefahren wurden und wir andere Maßnahmen zur Netzstabilisierung getroffen haben. Aber all das folgt keinen marktwirtschaftlichen Kriterien. Ökostrom hat prinzipiell Vorfahrt im Stromnetz und verhindert so einen funktionierenden Energiemarkt. Wir müssen den grünen Strom also marktfähiger machen, er muss bedarfsgerechter produziert werden.