ItalienDer nackte Unternehmer

Mit ihrer chaotischen Politik verprellt die italienische Regierung mittlerweile auch ihre Stammwähler. Einer von ihnen hat jetzt auf ungewöhnliche Art Kritik geäußert.

Der italienische Unternehmer Enrico Frare

Der italienische Unternehmer Enrico Frare

Seine Figur ist nicht mehr so gut wie früher, als er noch professioneller Skifahrer war. Auf dem Foto in der italienischen Zeitung Corriere della Sera sieht Enrico Frare aber noch ziemlich fit aus.

Der Unternehmer hat einen ungewöhnlichen Weg gewählt, die italienische Politik zu kritisieren. Anfang der Woche ließ er in der Zeitung eine ganzseitige Anzeige schalten. Darauf zu sehen: Ein nackter Enrico Frare. "Kein Tag vergeht", lautet die Überschrift, "ohne dass ein italienischer Unternehmer ohne Unterhosen dasteht."

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Mit seiner Aktion will Frare auf die schwierige Lage der italienischen Unternehmer aufmerksam machen. "Jeder Tag könnte für meine Firma der letzte sein", sagt er ZEIT ONLINE. Derzeit gebe es nur zwei Möglichkeiten: "sich bloßstellen oder verschwinden". Er spricht in kurzen, knappen Sätzen, wie es im Nordosten Italiens üblich ist. In der Region, die als wirtschaftlicher Motor Italiens gilt, sind offenbar auch Wörter kostbar. Frares Unternehmen ist nur eins von Tausenden, die seit den siebziger Jahren in der Provinz entstanden sind. Auch das Benetton-Imperium hat hier seinen Hauptsitz.

Als Frare im vergangenen Januar aus der Zeitung erfuhr, dass die italienische Sportmarke Colle vor der Insolvenz stand, investierte er sein komplettes Vermögen in die Rettung des Unternehmens. Es war eine gut durchdachte Aktion. Bevor er seine Unterschrift unter den Kaufvertrag setzte, prüfte Frare akribisch alle Geschäftsbücher und sondierte den Markt, um zu erfahren, wie es um die Akzeptanz der Marke stand. Binnen kurzer Zeit sanierte er das Unternehmen. Ein neuer Katalog wurde erstellt, auf Modemessen präsentierte Frare die neue Kollektion. Die Wende schien geschafft.

Die Erfolgsgeschichte endet jedoch schon im August 2011. Frare braucht dringend einen Kredit. Seine Bank aber will ihm kein Geld geben. Er versucht es bei anderen Instituten, ohne Erfolg. "Die Krise", lautet unisono die lakonische Begründung. Für EU-Finanzierungen sei er mit 36 knapp ein Jahr zu alt. Frares Traum zerplatzt gerade vor seinen Augen.

Leserkommentare
  1. In Italien - wie in vielen anderen europäischen Ländern - pflegt man ein krankes Misstrauen gegenüber Unternehmern und gefällt sich immer noch in den Vorurteilen aus dem 19. Jahrhundert, dass es sich hier um Ausbeuter handelt, die aus Profitgier ihre schwachen Arbeitnehmer ausnutzen und ihrer sozialen Verpflichtung nicht nachkommen. Dabei ist schon lange alles anders: Über die Arbeitsgesetzgebung und die entsprechende Rechtsprechung, die in Italien und in Frankreich noch arbeitnehmerfreundlicher sind als schon z.B. bei uns, steht der Unternehmer häufig mit dem Rücken zur Wand. Militante Gewerkschaften tun ihr Übriges. Viele der kleinen und der mittelständischen Unternehmer riskieren neben ihrem eigenen Geld auch ihr Privatleben und ihre Gesundheit, um etwas auf die Beine zu stellen, was ihnen die Gesellschaft durch Missachtung, durch Neid, durch eine schier unüberwindliche Bürokratie und durch die immer wieder neu genährte Legende der persönlichen Gier dankt, weil doch jeder Unternehmer auf einen Gewinn angewiesen ist.
    Dass jedes Land auf die Arbeitskraft, die Ideen und den Mut solcher Leute angewiesen ist, die auch bei uns die meisten Arbeitsplätze schaffen, wird einfach weggeblendet.
    Und dann kommen manchmal noch die Schwierigkeiten, sich bei den Banken Geld für notwendige, sinnvolle Investitionen zu verschaffen. Die geben es (auch wegen Basel II) aber lieber den mit AAA gerateten Staaten oder Großkonzernen als einem kleinen Unternehmer.

    3 Leserempfehlungen
  2. Und genau da liegt das Problem!

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