Für Manfred Lührs steht fest: Ohne eine finanzielle Beteiligung der Bürger wird die Energiewende nicht klappen. Der Windenergiepionier aus Süderdeich in Schleswig-Holstein denkt dabei vor allem an die Stromnetze im Norden .

Deren Ausbau ist dringend nötig. Allein Schleswig-Holstein fehlen 500 Kilometer Höchstspannungsnetz, um den Windstrom von der Küste zu den Verbrauchern zu transportieren. "Warum sollen sich die Menschen hier vor Ort nicht am Stromnetzausbau beteiligen – am Risiko, aber auch am Profit", fragt Lührs.

Der gelernte Ingenieur kennt sich aus in der Branche und in der Region. Der 55-Jährige ist Gründer eines Gutachter-Netzwerks für Windanlagen und hat zahlreiche Windparks an der Nordseeküste auf den Weg gebracht. "Lässt man die Bürger beim Netzausbau außen vor, dann werden sie die Stromnetzbetreiber mit Klagen überfluten", sagt er.

Die Idee, für die Unternehmer wie Lührs in Schleswig-Holstein werben, käme einer Revolution gleich. Sie nennt sich Bürgernetze und stammt von der Arge Netz, einem Zusammenschluss von Windparkbetreibern in Schleswig-Holstein. Wie bei einem Bürgerwindpark sollen Privatleute und Banken in eine GmbH &Co. KG investieren.

Die "Grünes Bürgernetz Westküste GmbH & Co KG" könnte zwischen 150 bis 300 Millionen Euro finanzieren und zusammen mit Übertragungsnetzbetreibern wie Tennet den Stromnetzausbau stemmen. Der Gesellschaft würde dann das Stromnetz gehören, der Netzbetreiber würde es von ihr pachten und betreiben.

"Die breite finanzielle Beteiligung der Menschen vor Ort erhöht die Akzeptanz des Stromnetzausbaus", sagt Martin Grundmann. Er ist Geschäftsführer der Arge Netz und verhandelt zurzeit mit Tennet und Behörden über die Idee. "Der Charme ist: Die Bürger werden an den Netzerlösen beteiligt", sagt Grundmann. "Sie sichern sich so ihre Altersvorsorge."

Was Grundmann, Lührs und zahlreiche Bürgermeister und Landwirte in der Region vorhaben, wäre einmalig in Deutschland. Bürgerwindparks, die kennt man. Und in immer mehr Orten gründen sich Energiegenossenschaften, in denen Bürger etwa ein Fernwärmenetz selbst finanzieren. Aber Bürgerstromnetze, noch dazu die Höchstspannungsebene, das ist neu.

Der zuständigen Regulierungsbehörde, der Bundesnetzagentur, hat Grundmann sein Bürgernetz bereits präsentiert. "Wir stehen der Idee offen und positiv gegenüber", sagt ein Sprecher. Zwar gebe es noch Details zu klären. "Aber es wäre eine sinnvolle Idee, die Akzeptanz neuer Strommasten zu erhöhen, indem die Bürger von den Netzrenditen profitierten."