HypothekengeschäfteDeutsche Bank zahlt 145 Millionen Dollar wegen fauler Finanzgeschäfte

Die Deutsche Bank soll US-Genossenschaftsbanken zum Kauf riskanter Hypothekenpapiere verleitet haben. Nun stimmt sie einem Vergleich zu, ohne eine Schuld einzuräumen. von dpa

Die Finanzkrise holt die Deutsche Bank ein: Das Frankfurter Institut zahlt in einem Vergleich in den USA 145 Millionen Dollar (106 Millionen Euro), um Streitigkeiten wegen der Pleite von fünf großen Genossenschaftsbanken beizulegen. Es geht um den Verkauf von Hypothekenpapieren.

Der Finanzmarktregulierer NCUA wirft einer ganzen Reihe an Großbanken vor, die Genossenschaftsbanken mit falschen Versprechungen zum Kauf der Finanzprodukte verleitet zu haben. Sie hätten die Risiken heruntergespielt. Derartige Papiere verloren während der Finanzkrise stark an Wert und führten zur Pleite der Banken.

Anzeige

Auch die Citigroup zahlt Millionen

"Wir sind zufrieden, dass wir das Thema lösen konnten, ohne dass die Parteien vor Gericht ziehen mussten", sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher. Die Bank räumte mit dem Vergleich keine Schuld ein. Das gilt auch für die Citigroup, die sich zur Zahlung von 20,5 Millionen Dollar verpflichtete. Die NCUA-Vorsitzende Debbie Matz begrüßte das Entgegenkommen der beiden Geldhäuser.

Die National Credit Union Administration (NCUA) ist für die US-Genossenschaftsbanken zuständig und springt bei Pleiten ein, um die Kunden zu schützen. Die NCUA versucht nun, die entstandenen Schäden ersetzt zu bekommen. Die jetzt geschlossenen Vergleiche sind die ersten ihrer Art. Der Regulierer hatte auch andere Großbanken ins Visier genommen und im Sommer JPMorgan Chase, die Royal Bank of Scotland und Goldman Sachs verklagt.

Bei den fraglichen Hypothekenpapieren handelt es sich um sogenannte Mortgage-backed Securities. Diesen liegen Hauskredite zugrunde. Als die US-Immobilienblase 2007 platzte, wurde dies einer Vielzahl von Finanzfirmen zum Verhängnis.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • Chali
    • 15. November 2011 7:04 Uhr

    kein Rating von S&P? Moodys? Fitch?

    Wie konnten die Jungs nur so etwas kaufen! Und ausgerechnet unsere Doitsche Bank soll dafür bezahlen? Unfassbar!

  1. wie groß war der angerichtete Schaden im Vergleich zur Zahlung?
    Bleibt es unterm Strich profitabel, Kisten mit faulen Äpfeln zu verkaufen, solange nur die oberste Schicht mit frischer Ware den Schein wahrt?
    In den erlauchten Finanzkreisen ist primitivstes Vertragsrecht außer Kraft gesetzt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...um ihren Tee zu kosten - und ihnen die falschen Äpfel zurückbringen.

  2. Klein-Anleger in Deutschland, die aufgrund falscher Beratung den größten Teil ihrer Ersparnisse verloren haben, bekommen nichts .....

  3. ...und wir könnten wieder ruhig schlafen: Wenn mein Banker - wie früher - in einem schäbigen Anzug um meine Gunst und um mein Geld bettelt.

  4. ...um ihren Tee zu kosten - und ihnen die falschen Äpfel zurückbringen.

    Antwort auf "peanuts"
    • Moika
    • 15. November 2011 8:53 Uhr

    Die Deutsche Bank war im Geschäft mit den Sub-primes nicht nur Hehler, in dem sie diese Papiere paketweise kaufte und weiterverkaufte, sondern gleichzeitig auch Dieb, als sie eigene Pakete schnürte und in den Umlauf brachte.

    Diese Regelung jetzt sind in der Tat Peanuts, denne es laufen in dieser Sache weitere zig Klagen in den USA gegen die Deutsche Bank. Die letzte Klage gegen die DB in Milliardenhöhe (in Sachen Fannie Mae und Freddy Mac) ging im September bei den dortigen Gerichten ein.

    Wie verkommen muß der Zeitgeist geworden sein, wenn sich das einstige deutschen Vorzeigeunternehmen in großem Stile auf solche kriminellen Geschäfte eingelassen hat. Nur: der Zeitgeist kann dieses Handeln nicht entschuldigen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Was hat das mit Diebstahl und Hehlerei zu tun?

    Wenn ich Ihnen einen Karton verkaufen und Ihnen sage der Inhalt gibt Ihnen bis zu 1000€ Gewinn - und tut er es dann nicht,t habe ich Sie nicht bestohlen.
    Betrug hätten Sie auch nur wenn Sie nachweisen können dass "ich" als Verkäufer wusste dass der Inhalt (zum Beispiel Subprimes etc.) nicht die angedeutete Leistung erbringen kann. Als Privatperson müsste ich Sie vielleicht noch ausführlich beraten, aber eine Bank sollte selbst prüfen.

    Wenn es aber keinen Diebstahl gibt, gibt es keine Hehlerei. Und andererseits, warum soll die Deutsche Bank ein Finanzpacket analysieren wenn es doch von den Rating Agenturen bewertet wurde? Wenn Sie einen PKW kaufen und ein Gutachter Ihnen ein Gutachten ausstellt, dann beziehen Sie sich doch auch darauf und nehmen das Fahrzeug nicht selbst auseinander.

    Gut, dass der "Gutachter" Inkompetent ist, ist eine andere Problematik, aber er war nun einmal der Standard... und ist es leider immer noch.

  5. Was hat das mit Diebstahl und Hehlerei zu tun?

    Wenn ich Ihnen einen Karton verkaufen und Ihnen sage der Inhalt gibt Ihnen bis zu 1000€ Gewinn - und tut er es dann nicht,t habe ich Sie nicht bestohlen.
    Betrug hätten Sie auch nur wenn Sie nachweisen können dass "ich" als Verkäufer wusste dass der Inhalt (zum Beispiel Subprimes etc.) nicht die angedeutete Leistung erbringen kann. Als Privatperson müsste ich Sie vielleicht noch ausführlich beraten, aber eine Bank sollte selbst prüfen.

    Wenn es aber keinen Diebstahl gibt, gibt es keine Hehlerei. Und andererseits, warum soll die Deutsche Bank ein Finanzpacket analysieren wenn es doch von den Rating Agenturen bewertet wurde? Wenn Sie einen PKW kaufen und ein Gutachter Ihnen ein Gutachten ausstellt, dann beziehen Sie sich doch auch darauf und nehmen das Fahrzeug nicht selbst auseinander.

    Gut, dass der "Gutachter" Inkompetent ist, ist eine andere Problematik, aber er war nun einmal der Standard... und ist es leider immer noch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...und kann seine Bude im Wiederholungsfall schließen. Genau das verlangen wir auch von den Ratingagenturen.

    • Moika
    • 15. November 2011 10:54 Uhr

    Nehmen Sie den Dieb meinetwegen als Metapher. Ansonsten: Wollen Sie mich veräppeln?

    Kommt ein Kunde in eine Savings and Loans Filiale in Ohio und möcht einen 5.000 $ Kredit für ein neues Auto, das er für die Fahrt zur Arbeit dringend braucht. Geht nicht, sagt der Angestellte - zu schlechte Bonität. Aaaber, sagt der Angestellte, wir können Ihnen eine gute Bonität verschaffen, indem Sie dieses Haus für gerade einmal 200.000 Dollar kaufen. Die Preise für das Haus werden in den nächsten zehn Jahren um weitere 20 Prozent steigen - die finanzieren wir Ihnen vor. Sie bekommen dafür das Haus, das gewünschte Auto und eine nagelneue Einrichtung....

    So und in ähnlicher Form liefen die Geschäfte in den USA. Die waren sich nicht einmal zu schade, sogar 85jährige Rentner mit einer Gesamtrente von 850 $ monatlich zu finanzieren!!!

    Was da gelaufen ist, war organisierter Kreditbetrug in allergrößtem Rahmen! Was glauben Sie wohl, warum die amerikanische Regierung (eigentlich eine der Mitschuldigen an der Misere) und die entsprechenden Aufsichtsbehörden die vielen Prozesse gegen alle Beteiligten eingeleitet hat?

    Die Deutsche Bank hat diese Darlehen millionenfach aufgekauft, weiterverkauft und teilweise selbst vergeben. Sie wußte genau, welche Sprengkraft hinter den Papieren steckte. Und was glauben Sie wohl, warum die Ratingagenturen soviel verdienten? Die ließen sich die positiven Bewertungen gerade in dem Bewußtsein der faulen Geschäfte fürstlich bezahlen...

  6. ...und kann seine Bude im Wiederholungsfall schließen. Genau das verlangen wir auch von den Ratingagenturen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gut, hier kann ich Ihnen zustimmen - aber wo ist denn da die Bank ein Dieb?? Das Maximum das wieder einmal ubrigbleibt ist Betrug - wenn die Bank mit der Rating Agentur zusammenarbeitet und Risiken verschleiert.

    Und dem Gutachter müssen Sie das Fehlverhalten oder die Inlompetenz ja nachweisen, aber das durfte wohl im Bereich Rating-Agenturen aktuell einfach sein.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Deutsche Bank | Goldman Sachs | Citigroup | Dollar | Finanzkrise | Euro
Service