FamilienunternehmenClans ohne Intrigen

Es muss nicht immer so zugehen wie einst bei "Dallas": Die Oetkers, Quandts und Henkels zeigen, dass reiche Industriellen-Familien auch skandalfrei bleiben können. von Mario Brück und Martin Seiwert

Am liebsten las der alte Patriarch Rudolf-August Oetker in der Zeitung Berichte über Fehden in anderen Familienunternehmen: über Neid und Missgunst bei den Bahlsens, den Porsches oder dem Tchibo-Clan Herz.

Der Pudding-Unternehmer ließ die Artikel von seiner Sekretärin kopieren und kritzelte Anmerkungen an den Rand. Sodann gingen sie an seine Kinder August, Rosely oder Richard, der seit 2010 dem Oetker-Clan vorsteht und das gleichnamige Bielefelder Unternehmen führt.

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Die Abschreckung zeigte Wirkung. Die Oetker-Geschwister praktizieren, zumindest für Außenstehende, eine ungewöhnliche Harmonie. Und das, obwohl das ostwestfälische Imperium mindestens so viel Konfliktstoff hergibt wie das Haniel-Reich.

Auch bei Oetker ist die Zahl der Eigentümer groß, acht Familienstämme halten die Anteile an dem weit über 100 Jahre alten Unternehmen mit 25.000 Beschäftigten und mehr als neun Milliarden Euro Umsatz.

Das Firmenportfolio enthält sechs Sparten, über deren Sinn und Ausrichtung sich noch mehr als bei Haniel streiten ließe: Lebensmittel (Dr.Oetker), Sekt (Henkell & Co.), Bier (Radeberger), Containerschifffahrt (Hamburg Süd), das Bankhaus Lampe und Randbereiche wie Chemiefabriken und Luxushotels.

Ausschüttung quasi garantiert

Dass sich die Oetkers über das zusammengewürfelte Sammelsurium ohne großartige Synergien nicht zerstreiten, könnte einen ganz pragmatischen Grund haben.

Das Imperium steht für die gelungene totale Diversifikation des Familienvermögens – Ausschüttungen quasi garantiert: Wird in einem Jahr weniger Bier getrunken, fahren eventuell mehr Schiffe, backen Hausfrauen und -männer mal weniger Kuchen, landen vielleicht mehr Fertigpizzen im Ofen.

Das verhindert dramatische Umsatzeinbrüche und sorgt für Ruhe bei den Gewinnempfängern. Auch das Risiko, dass ein übermütiges Clan-Mitglied das Gesamtwerk gefährden könnte, ist überschaubar. Die sechs Sparten werden jeweils von einem Manager geführt, nur einer von ihnen trägt den Namen Oetker, eben Richard Oetker.

Dazu bewiesen die Oetkers bisher eine glückliche Hand bei der Nachfolgesuche. Stets fand sich ein geeigneter Oetker, und kein Oetker klammerte am Chefsessel.

Leserkommentare
    • Chali
    • 24. November 2011 8:08 Uhr

    " ... reiche Industriellen-Familien auch skandalfrei bleiben ... "

    Wie gut auch, dass bei uns eine gandenlose Presse, wenn es um die Wahrheit geht, um die Aufklärung der Öffentlichkeit, auch keine Verluste von Anzeigen scheut, von Bier und Sekt, Backmischungen und Fertigpizzen ...

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    • PigDog
    • 24. November 2011 8:49 Uhr

    [...]

    ---

    Die Herren Brück und Seiwert sollten evtl. mal darüber nachdenken, daß beispielsweise die Verschlossenheit der Quands auch etwas damit zu tun haben könnte, wann und unter welchen Umständen der Vater sein Vermögen "erworben" hat.

    Lesetip für die beiden Herren: Noah Chomsky - Manufacturing Consent

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

  1. 2. [...]

    Entfernt. Über konstruktive Kritik würden wir uns freuen. Danke, die Redaktion/mk

    • Saby
    • 24. November 2011 8:43 Uhr

    …wird mir zumute, nachdem ich mir diesen wunderbaren Artikel, ich darf wohl sagen: reingepfiffen habe. Herrlich, zu erfahren, dass es bei den Reichen (ja, auch den Allerreichsten) und Schönen (jawoll, auch den Allerschönsten) ebenso harmonisch menschelt wie bei Dir und mir – nur, versteht sich, auf unvergleichlich höherem Niveau. Endlich weht ein ganz anderer Wind als damals, als Bernt Engelmann sich – igitt! – unangemessen kritisch über ebendiese Familien geäußert hat (und darüber, wie sie ihre Profite gemacht haben. Ich bitte Sie, wer will das schon so genau wissen?). Ich gestehe, ich habe mich meiner Tränen bei der Lektüre nicht geschämt.
    [...]

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihren Tonfall. Danke, die Redaktion/mk

    • PigDog
    • 24. November 2011 8:49 Uhr

    [...]

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    Die Herren Brück und Seiwert sollten evtl. mal darüber nachdenken, daß beispielsweise die Verschlossenheit der Quands auch etwas damit zu tun haben könnte, wann und unter welchen Umständen der Vater sein Vermögen "erworben" hat.

    Lesetip für die beiden Herren: Noah Chomsky - Manufacturing Consent

    Gekürzt. Bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/mk

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    • PigDog
    • 24. November 2011 9:00 Uhr

    dann lassen Sie es mich so ausdrücken:

    Die journalistische Qualität dieses doch recht einseitigen Artikels entspricht in keinster Weise dem von einer Zeitung mit Qualitätsanspruch zu Erwartenden Niveau.

    ---

    Ich hoffe, damit die rechte Form der Kritik gewahrt zu haben. Denn OHNE Kritik kann ich Ihnen diesen Artikel nicht durchgehen lassen!

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

    vermag für den einzelnen ein sehr emotionales Ereignis zu sein, für andere hingegen ist ein geschichtliches Muss.

    Wenn es einige auch immer noch nicht wahr haben wollen.

    http://www.sueddeutsche.d...
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    Allein das Eingeständnis, dass es KZ-Häftlinge in Quandts Werken gab, wäre für ihn Entschuldigung genug. Und er würde sie heute annehmen, obwohl seine Erfahrungen mit den Quandts in den letzten Jahrzehnten schlecht waren. Er hatte Anfang der siebziger Jahre mit Leidensgenossen die Quandts um finanzielle Unterstützung gebeten. Die Ex-Häftlinge waren schwer krank von der Zwangsarbeit. Die Quandts verweigerten Geld mit der Begründung, sie hätten sich bei älteren Mitarbeitern erkundigt, doch niemand wisse etwas über KZ-Arbeiter.
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    Ein

  2. Sicher, doch! Sie leben sehr unauffällig. "Abgesehen vom Herbert-Quandt-Journalistenpreis..." Dieser Journalistenpreis ging in diesem Jahr an Reporter der BILD "Zeitung" für ihre "vorbildliche Arbeit" bei der Griechenland "Berichterstattung".

    Neeeee....die Puddingfabrikanten sind mir 100000 Mal lieber!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf provozierende Vergleiche. Danke, die Redaktion/mk

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    persönlich auch lieber.

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    Neeeee....die Puddingfabrikanten sind mir 100000 Mal lieber!
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    Schlieslich haben fast alle Mitglieder der Familie in führenden Positionen einen akademischen Lebenslauf aufzuweisen.

    MfG

    • PigDog
    • 24. November 2011 9:00 Uhr

    dann lassen Sie es mich so ausdrücken:

    Die journalistische Qualität dieses doch recht einseitigen Artikels entspricht in keinster Weise dem von einer Zeitung mit Qualitätsanspruch zu Erwartenden Niveau.

    ---

    Ich hoffe, damit die rechte Form der Kritik gewahrt zu haben. Denn OHNE Kritik kann ich Ihnen diesen Artikel nicht durchgehen lassen!

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    • TDU
    • 24. November 2011 10:26 Uhr

    Dann kritisieren Sie doch, bringen Argumente und weisen Sie nach statt Herrn Chomsky zu zitieren. Es ging im Artikel um Familienstrukturen, die scheinbar besser sind als die von Tschibo und etlichen anderen Mittelständlern, bei denen Missgunst gegeneinander und Habgier die Firmen und damit Arbeitsplätze vernichtet haben.

    Was hat das mit früher zu tun. Langsam kann ja hier kein wirtschaftsartikel mehr erscheinen, in dem anlasslos pauschale! Gesellschaftskritik raus (nett ausgedrückt)gelassen wird.

    Zumal das sowieso jeder weiss, dass Firmen und Familien durch Zwansgarbeiter und Kooperation mit Hitler groß geworden sind. Aber bitte, man könnte ja an jeden Artikel in dem über heutige Verhältnisse berichtet wird, einen Anhang stellen: "Bitte beachten Sie die Tätigkeit des Unternehmens im Dritten Reich".

    Wäre Ihnen das so recht? Klicks würde es vermutlich genug geben. Was interessiert auch die Gegenwart, wenn man für sein Bedürfnis, was raus zu (nett)lassen, die Vergangenheit besser nutzen kann.

  3. 7. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich sachlich und konstruktiv. Danke, die Redaktion/mk

  4. Mitgliedschaft in verschiedenen NAzi-Organisationen und frühe Spenden an den "Freundeskreis Himmler" absieht gab es keine Skandale......

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