EnBW-Vorstandschef Hans-Peter Villis hat seinen Rückzug aus dem Energiekonzern angekündigt. Er stehe nach Auslaufen seines Vertrages Ende September 2012 nicht mehr zur Verfügung, teilte das Unternehmen mit. Villis sagte, er könne nicht mehr vom ungeteilten Vertrauen des Aufsichtsrates ausgehen.

Der 53-jährige Manager muss vermutlich auf politischen Druck hin das durch den Atomausstieg angeschlagene Unternehmen verlassen. Als langjährige Verfechter der Kernkraft stellte Villis ein Problem für die grün-rote Landesregierung in Baden-Württemberg dar. Das Land und der Kommunalverband Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) halten jeweils 46,5 Prozent an dem Karlsruher Konzern.

Der Aufsichtsrat respektiere die Entscheidung, teilte dessen Vorsitzender Claus Dieter Hoffmann mit. Das Land Baden-Württemberg hatte EnBW Ende 2010 vom französischen Energiekonzern EDF zurückgekauft.

Das Geschäft über fünf Milliarden Euro wurde ohne Zustimmung des Landtags vollzogen, was der Staatsgerichtshof jüngst als verfassungswidrig einstufte. In der Folge war der ehemalige Finanzminister und zwischenzeitliche Landtagspräsident, Willi Stächele (CDU), zurückgetreten. Auch der damalige Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) steht in der Kritik.

Von CDU dominierte OEW lange an Villis festgehalten

Baden-Württembergs neuer Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) sagte: "Ich nehme den Schritt mit Respekt zur Kenntnis." Einen Nachfolger für Villis gebe es noch nicht. "Es wird jetzt in bewährter Einigkeit zwischen OEW und Land ein entsprechendes Suchverfahren geben." Die Federführung dabei habe Aufsichtsratschef Claus Dieter Hoffmann.

Das Land und die OEW hatten zuvor deutlich gemacht, dass sie nicht mehr mit Villis planen. Die von CDU-Politikern dominierte OEW hatte lange an dem Manager festgehalten. Dem Vernehmen nach hat sich das Land aber jetzt bereit erklärt, im Gegenzug für den Rückzug von Villis einer Kapitalerhöhung zuzustimmen. Allerdings muss der Landtag darüber entscheiden.

Der bisherige Atomstrom-Konzern EnBW musste wegen des Ausstiegs aus der Kernkraft zwei seiner vier Reaktoren abschalten und schreibt nun Verluste. Villis hatte die Eigner zu einer Finanzspritze in Höhe von 800 Millionen Euro aufgefordert, um den Ausbau der Erneuerbaren Energien vorantreiben zu können.

Die OEW erklärte sich sofort bereit, die 400 Millionen Euro aufzubringen. Die Regierung zögerte und pochte auf eine klare Strategie. Grün-Rot dringt dabei unter anderem auf Kooperationen mit den Kommunen und Investitionen in Baden-Württemberg.