Bestechungs-Vorwurf US-Behörden klagen ehemalige Siemens-Manager an

Wegen angeblicher Schmiergeldzahlungen erheben die USA Anklage gegen Ex-Manager des Konzerns. Sie sollen Millionen an argentinische Regierungsmitglieder gezahlt haben.

Fünf Jahre nach der Schmiergeld-Affäre bei Siemens gehen die US-Behörden nun gegen ehemalige Topmanager des Konzerns vor. Wie das US-Justizministerium zusammen mit der Bundespolizei FBI und der Börsenaufsicht SEC bekannt gab, ist gegen acht frühere Siemens-Manager Anklage erhoben worden. Ihnen wird vorgeworfen, in Argentinien 100 Millionen Dollar Bestechungsgelder an Regierungsmitarbeiter gezahlt zu haben, um so einen Auftrag in Höhe von einer Milliarde Dollar in dem Land zu gewinnen.

Die Schmiergelder sollen zum Teil an hochrangige Regierungsvertreter gegangen sein – darunter zwei Präsidenten und Minister. Die Klage wurde in New York eingereicht, da die ehemaligen Siemens-Mitarbeiter den Angaben der US-Behörden zufolge an Treffen in den USA teilgenommen und Konten in den USA genutzt hätten. Unter den Angeklagten ist den Gerichtsunterlagen zufolge auch der ehemalige Siemens-Vorstand Uriel Sharef.

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"Die Anklageschrift beinhaltet ein schockierendes Maß an Betrug und Korruption", sagte der stellvertretende Generalstaatsanwalt Lanny Breuer. Den ehemaligen Siemens-Managern werden unter anderem Bestechung, Geldwäsche und die Fälschung von Büchern vorgeworfen. SEC-Chefermittler Robert Khuzami sagte in einer Telefonkonferenz, die Männer hätten nach und nach immer mehr Geld gezahlt: Zuerst, um an den Auftrag zu gelangen, dann um ihn zu halten und später, um sicherzustellen, dass nichts über die Machenschaften ans Licht komme. Am Ende scheiterte das Geschäft dennoch.

Siemens lehnt Stellungnahme ab

Die Vorfälle sollen sich vor allem in den 1990er Jahren abgespielt haben. Gelder flossen laut Anklageschrift aber noch bis ins Jahr 2007, als die Schmiergeld-Affäre in Deutschland längst ins Rollen gekommen war. Ein Siemens-Sprecher wollte sich zu dieser neuen Wende nicht äußern: "Klagen gegen Individuen können wir nicht kommentieren."

Generalstaatsanwalt Breuer sagte, keiner der Angeklagten halte sich derzeit in den USA auf. Viele seien in Deutschland, andere in der Schweiz oder in Argentinien. Die SEC reichte parallel zivilrechtliche Klage ein.

Bei Siemens sollen über Jahre hinweg rund 1,3 Milliarden Euro zur Erlangung von Aufträgen im Ausland eingesetzt worden sein. Der Argentinien-Auftrag hatte dabei besonders viel Aufsehen erregt. Siemens hatte sich Ende 2008 mit den amerikanischen und deutschen Behörden auf einen Vergleich geeinigt und ein umfangreiches Anti-Korruptionsprogramm aufgelegt. Der größte Korruptionsskandal der deutschen Wirtschaftsgeschichte hatte den Elektrokonzern rund 2,5 Milliarden Euro gekostet.

 
Leser-Kommentare
  1. ...wahrscheinlich haben die Amis nicht genug geboten ! Jetzt sind sie sickig und haben Siemens angezeigt ....bei der amerikanischen Justiz:

    Deutschland verdirbt die Preise !!

  2. Wenn man den Dollar in der Hand hält, merkt man erst wie schmierig er ist, daher kommt der Begriff schmieren.
    Ist nichts schlimmes, denn die CIA bezahlt nur mit Dollar, deswegen haben wir ja den EURO, damit mal die ganze schmiererei aufhört.

    Eine Leser-Empfehlung
    • tokos
    • 14.12.2011 um 9:08 Uhr

    Wie wäre es denn, wenn sich die Behörden in den USA auch einmal mit den etwas größeren Fischen beschäftigen würden?

    Aber als US-Finanzminister mit Goldman-Sachs-Vergangenheit braucht man sich offensichtlich noch nicht einmal für klassische Insidergeschäfte zu rechtfertigen...
    http://pinkepinke-ab2daet...

    • joG
    • 14.12.2011 um 9:49 Uhr

    Es ist immer in Dubio pro Reo.

    Im Falle Siemens und anderer Unternehmen wissen wir allerdings von vielen ähnlichen Situationen. Immerhin wurde die Bestechung mW erst 1997 (USA 1972) verboten.

  3. Ein Vorstand, schon ein Prokurist, ist kein Individuum. Was diese Leute im Namen der Firma tun, ist dieser rechtlich zuzurechnen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 16.12.2011 um 10:38 Uhr

    ...handelt im Namen der Unternehmung. Eine interessante Frage wäre, wie viele Vorstände involviert sein müssen, um eine Kriminelle Organisation zu begründen. War bspw Siemens eine Kriminelle Organisation? Was macht man mit einer solchen Organisation? Alle Mitarbeiter, die Kenntnis hatten bestrafen? Die Aktionäre enteignen und die Aktien neu verkaufen?

    • joG
    • 16.12.2011 um 10:38 Uhr

    ...handelt im Namen der Unternehmung. Eine interessante Frage wäre, wie viele Vorstände involviert sein müssen, um eine Kriminelle Organisation zu begründen. War bspw Siemens eine Kriminelle Organisation? Was macht man mit einer solchen Organisation? Alle Mitarbeiter, die Kenntnis hatten bestrafen? Die Aktionäre enteignen und die Aktien neu verkaufen?

    • joG
    • 16.12.2011 um 10:38 Uhr

    ...handelt im Namen der Unternehmung. Eine interessante Frage wäre, wie viele Vorstände involviert sein müssen, um eine Kriminelle Organisation zu begründen. War bspw Siemens eine Kriminelle Organisation? Was macht man mit einer solchen Organisation? Alle Mitarbeiter, die Kenntnis hatten bestrafen? Die Aktionäre enteignen und die Aktien neu verkaufen?

  4. Da hat GE wahrscheinlich mal wieder ein paar Staatsanwälte 'ermuntert'. US-Firmen dürfen schmieren wen sie wollen, wenn sie eine Tochterfirma der CIA oder der NSA im Konsortium mit aufnehmen. Beide Dienste unterhalten zu diesem Zweck ein Netz von Tarnfirmen, die pro Forma an solchen Aufträgen mitarbeiten. Kommt das Klopapier vom CIA gilt das ganze Projekt als 'wichtig für die Sicherheit der Vereinigten Staaten' und dann darf man, ja muss man sogar schmieren wer gerade die Hand aufhält.

    Und sonst? Da können zweifelhafte Banker Milliarden versenken und dabei hunderte Millionen über 'Boni'in die eigenen Taschen verschieben, da kräht kein Hahn bei den Staatsanwälten. Die ja auch alls politische Beamte sind und es den eigenen Wahlchancen mehr hilft, Ausländer zu belangen als eigene Firmen.

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