Chemieunternehmen : BASF verlagert grüne Gentechnik in die USA

Der Chemiekonzern BASF schließt in Deutschland seine Gentechnik-Sparte. Hier gebe es keine Akzeptanz für die "Schlüsseltechnologie" des 21. Jahrhunderts.

Wegen der breiten Ablehnung der Gentechnik in der Landwirtschaft in Europa verlagert der deutsche Chemiekonzern BASF diese Sparte komplett in die USA . Die Zentrale der BASF-Pflanzengentechnik werde von Limburgerhof nahe Ludwigshafen in den US-Bundesstaat North Carolina verlegt, teilte BASF mit. Künftig werde man das Geschäft mit der Gentechnik auf Nord- und Südamerika konzentrieren.

Das Unternehmen sei davon überzeugt, dass die grüne Gentechnik "eine der Schlüsseltechnologien" des 21. Jahrhunderts sei, sagte ein Sprecher. Es fehle aber "in weiten Teilen Europas immer noch die entsprechende Akzeptanz bei der Mehrheit der Verbraucher, Landwirte und Politiker". Investitionen in Produkte, die ausschließlich auf den europäischen Markt ausgerichtet seien, wären daher nicht sinnvoll, sagte BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski. BASF wolle sich deshalb "auf die attraktiven Märkte in Nord- und Südamerika und die Wachstumsmärkte in Asien konzentrieren".

Die Entwicklung und der Verkauf aller Produkte, die allein für den europäischen Markt gedacht waren, werden daher gestoppt. Dies betreffe die gentechnisch veränderten Stärkekartoffeln Amflora , Amadea und Modena, die gegen Kraut- und Knollefäule resistente Kartoffel Fortuna, eine weitere Stärkekartoffel sowie eine gegen Pilzbefall resistente Weizensorte, teilte BASF mit. Um alle Optionen für die Kartoffelprodukte zu erhalten, sollten bereits eingeleitete Zulassungsprozesse aber fortgeführt werden.

Amflora war 2010 nach einem 13-jährigen Verfahren für die Produktion von Industriestärken zugelassen worden. 2011 wurde die Sorte – auch wegen starker Proteste – in Deutschland und Schweden auf lediglich zwei Hektar angebaut.

Umweltministerin: "Keine Zukunftstechnologie"

Die Bereiche Entwicklung und Forschung will BASF künftig an drei Standorten bündeln: Raleigh in North Carolina, Gent in Belgien und in Berlin . In Berlin will BASF das Biotechnik-Unternehmen Metanomics ausbauen. "Obwohl in Europa die Bedingungen für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen nicht vorteilhaft sind, gibt es sowohl in Berlin als auch in Gent Forschungsinstitute und Universitäten mit Weltruf", sagte Peter Eckes, Geschäftsführer von BASF Plant Science , einem Pflanzentechnikunternehmen von BASF. Die Forschung solle an diesen Standorten weiter vorangetrieben werden.

Geschlossen werden sollen hingegen die Standorte in Gatersleben in Sachsen-Anhalt und im schwedischen Svalöv. In Limburgerhof und Gatersleben zählt BASF zusammen 214 Mitarbeiter. Davon sollen rund 120 Stellen nach Raleigh verlagert werden , knapp 80 Stellen will die Gentechniksparte in den nächsten zwei Jahren streichen. Soweit möglich wolle BASF den betroffenen Mitarbeitern Stellen innerhalb der Unternehmensgruppe anbieten, hieß es.

Nach Ansicht der rheinland-pfälzischen Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) zeigt der geplante Umzug den mangelnden Erfolg von Gentechnikprodukten. Die Verbraucher in Deutschland und Europa lehnten genmanipulierte Lebens- und Futtermittel ab, sagte Höfken. "Agrogentechnik ist keine Zukunftstechnologie, auf die es sich lohnt zu setzen." Vielversprechender sei der Einsatz der Biotechnologie im Klimaschutz oder bei erneuerbaren Energien. Bei der Entwicklung dieser industriellen Biotechnologie gehöre Deutschland zu den Marktführern. Daran ändere auch die BASF-Entscheidung wenig. Gleichzeitig betonte die Ministerin, die Forschung des Konzerns sei durch keinerlei Maßnahmen behindert worden.

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Kommentare

114 Kommentare Seite 1 von 9 Kommentieren

Ist nur konsequent

Wenn es in Deutschland/Europa kein Markt gibt, geht man eben wo anders hin.
Mittelfristig bis Langfristig wird die sich die Gentechnik auch in Europa durchsetzen, wenn es Ertragssteigerungen in anderen Ländern gibt.
Freilich würde ich die Gentechnik, zumindest was die Landwirtschaft betrifft, nicht als Schlüsseltechnologie sehen, da es auf absehbare Zeit kein globales Nahrungsmangel geben wird, welche sich nicht durch effizienteres Einsatz von Ressourcen beheben lässt. Dennoch kann die Gentechnik hier nützliche Beiträge liefern.
Es ist Schade, dass Deutschland hier Kompetenzen verliert, da aus den Erfahrungen in Bereich Gentechnik viele neue Ansätze in Medzin, Biotechnologie etc. liefern.

Nahrungsmangel

Sie schreiben, es wird auf absehbare Zeit keinen globalen Nahrungsmangel geben. Wenn man bestimmten Studien glauben schenken kann, bin ich da pessimistischer:

http://www.smartplanet.co...

Wenn noch hinzukommt, dass Schwellenländer sich den wahnwitzigen Fleischkonsum der westlichen Welt abguckt, kann das noch richtig hässlich werden. Natürlich nicht für Europa, ein Glück!

kritische Gen-Experten?

"Dagegen erklären kritische Gen-Experten:
"Die biologischen Grundlagen von Pflanzen sind viel zu komplex, als dass die Gentechnik der modernen Züchtung auf Dauer überlegen wäre". Sie weisen vor allem auf die Gefahr der Bildung von Resistenzen hin.
Auch sei nachhaltige Landwirtschaft mit Gentechnik nicht möglich."

Über diesen "kritischen Gen-Experten" von Greenpeace findet man seltsamerweise nur wenig Infos, weshalb er jetzt ein Experte sein soll. Irgendwelche Argumente sind in dem von Ihnen verlinkten Artikel nicht zu finden.

Markt vs. Natur und Mensch

Die naive Markt- und Fortschrittsgläubigkeit einiger ist wirklich erschreckend. Fakten sind...

(1) die Auswirkungen derartiger Technologien auf Umwelt und Organismen sind nicht erforscht.

(2) einem Konzern wie BASF geht es - im Sinne der Kapitaleigner - in erster Linie um Profit, also nicht um Artenvielfalt oder die Gesundheit der Verbraucher auf lange Sicht.

Es liegt zumindest nahe, dass Konzerne wie BASF schon aufgrund des am Markt herrschenden Konkurrenzdrucks und aufgrund der Erwartungen des Kapitalmarkts diese Technologien einsetzen werden, ohne sie ausreichend ausgetestet zu haben. Das tun sie vielleicht nicht bewusst und schon gar nicht mit einer bösen Absicht, aber die innere Logik einer marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung zwingt sie ja geradezu dies zu tun.

Das Problem an der ganzen Sache ist, das Profit und 'Nutzen' von etwas nichts darüber aussagen, ob dieses etwas auch moralisch richtig und gut für Umwelt und Mensch ist. Letzteres sind Fragen, die außerhalb von Marktideologie und Profitmaxime in einem vernunftgeleiteten Diskurs erörtert und erforscht werden müssen. Europa tut gut daran, sich diese Zeit zu nehmen.

Dass Europa bzw. Deutschland nun marktwirtschaftlich betrachtet ein ökonomischer Nachteil daraus entsteht, zeigt lediglich, wie verdreht und gefährlich die vermeintliche 'Logik' aus Profit und Marktzwang ist. Dass einige Kommentatoren Marktchancen als absolute Argumente anführen, zeigt wie befangen wir in diesem Denken sind.

Fakten?

"(1) die Auswirkungen derartiger Technologien auf Umwelt und Organismen sind nicht erforscht."

Hm, weil die bisherigen Forschungen keine negativen Auswirkungen gezeigt haben, wird die Technologie als "nicht erfoscht" deklariert. Außerdem wird ja gerade die Forschung durch überzogene Auflagen erschwert, oder gar durch militante Aktivisten zerstört.

"(2) einem Konzern wie BASF geht es - im Sinne der Kapitaleigner - in erster Linie um Profit, also nicht um Artenvielfalt oder die Gesundheit der Verbraucher auf lange Sicht."

JEDEM Konzern geht es um Profit. Das allein belegt nicht die durch keinerlei seriöse Forschung gestützte These von irgendwelchen Gesundheitsgefahren.

Fakten

"Hm, weil die bisherigen Forschungen keine negativen Auswirkungen gezeigt haben, wird die Technologie als "nicht erfoscht" deklariert. Außerdem wird ja gerade die Forschung durch überzogene Auflagen erschwert, oder gar durch militante Aktivisten zerstört."

-> Jetzt versetzen Sie sich doch mal in die Lage von BASF: Sie haben Millionen bereits in die Forschung und Entwicklung einer Technologie gesteckt und wollen diese auf den Markt bringen. Stecken Sie dann ernsthaft noch einmal Millionen in die Forschung möglicher Risiken dieser Technologie? Nein! Dieses Feld (Erforschung möglicher Risiken) darf nicht den Konzernen oder irgendeiner pseudounabhängigen Auftragsforschung überlassen werden. Deshalb meine Anmerkung, dass dieser Diskurs außerhalb von Marktideologie und Profitmechanismen geführt werden muss. Eine solche Forschung gibt es meines Wissens nach nicht in einem ausreichendem Maße.

"JEDEM Konzern geht es um Profit."

-> Das macht die Sache nicht besser, sondern ist genau das Problem und zeigt, wie universell es ist.

"Das allein belegt nicht die durch keinerlei seriöse Forschung gestützte These von irgendwelchen Gesundheitsgefahren."

-> Nein, das war ja auch gar nicht das Argumentationsziel dieser Prämisse. Diese Prämisse sollte zeigen, wie nahe es liegt, dass aufgrund marktwirtschaftlicher Zwangsmechanismen unausgereifte Technologien in großem Umfang zur Anwendung kommen können. Mit anderen worten: Ich traue keinem Konzern, weil er sein Handeln an Profit ausrichtet.

Vom falschen Ende her

Es gibt reihenweise Studien zur Sicherheitsforschung mit gv-Pflanzen. Ihr zwanzig Jahre altes Argument ist mehr als überholt!!!

Die Züchtung mit Hilfe der Gentechnik ist ja nur so teuer, weil die Zulasungshürden so hoch sind und reihenweise Sicherheitsforschung nötig ist, um überhaupt eine gv-Pflanze in Eurpa zuzulassen. Warumwohl dauerte die Zulassung der Amflora wohl 13 Jahre?
Es kann sich gar kein mittelständischer Saatzüchter mehr leisten, so lange auf die Marktzulassung zu warten, wie auch?
So hat die Öko-Lobby in Brüssel bewirkt, dass nur noch große Konzerne in diesem Bereich arbeiten.
Unsere mittelständischen Züchter wurden so von der Öko-Lobby von diesem Markt verdrängt!

nur eine? wieviele wollen Sie? augen auf!

ich nenne gleich weit über 300. (in worten: dreihundert) hab sie nicht gezählt, dürften aber noch mehr sein: http://www.fass.org/page....
die gelisteten studien aus überwiegend universitärer bzw. öffentlich finanzierter sicherheitsforschung der letzten 15 jahre beschäftigen sich ausschließlich mit den auswirkungen von futtermitteln mit gentechnisch veränderten inhaltstoffen auf das wohlbefinden der tiere in jeglicher hinsicht, z.T. über mehr als 10 generationen. (geflügel, schweine, rinder, mais, raps, soja, zuckerrüben, kartoffeln, baumwolle etc,) noch weitaus mehr studien gibt es zur den auswirkungen auf mensch, umwelt und sozioökonomische zusammenhänge.

wie RoH weiter oben schon angemerkt empfehle auch ich in diesem zusammenhang die wirklich informative internetplattform www.transgen.de (übrigens mitfinaziert vom fibl aus der schweiz)

Flaemingslord

hier eine studie, die

Nochmal: Markt vs. Natur und Mensch

"Es gibt reihenweise Studien zur Sicherheitsforschung mit gv-Pflanzen. Ihr zwanzig Jahre altes Argument ist mehr als überholt!!!"

-> Es ist etwas unfair mein Argument als überholt darzustellen, zumal Ihre Ausführungen zeigen, wie richtig dieses Argument im Kern ist:

"Die Züchtung mit Hilfe der Gentechnik ist ja nur so teuer, weil die Zulasungshürden so hoch sind und reihenweise Sicherheitsforschung nötig ist, um überhaupt eine gv-Pflanze in Eurpa zuzulassen."

-> Dass es staatliche Zulassungshürden gibt und geben muss ist doch das Resultat aus der Tatsache, dass man solche Forschung nicht einem nach Marktmechanismen funktionierendem Konzern überlassen kann. Ein klarer Fall von Marktversagen.

"Es kann sich gar kein mittelständischer Saatzüchter mehr leisten, so lange auf die Marktzulassung zu warten, wie auch?
So hat die Öko-Lobby in Brüssel bewirkt, dass nur noch große Konzerne in diesem Bereich arbeiten."

-> Und hier wieder ein ökonomisches Argument. Es ist mir gelinde gesagt völlig 'wurscht', was mit dem Mittelstand ist, solange nicht alle Fragen für Gesundheit von Mensch und Umwelt geklärt sind. Wenn wir das Primat nicht auf Umwelt und Mensch legen, sondern auf kurzfristige ökonomische Erwägungen, dann werden wir das irgendwann sehr 'teuer' bezahlen. Es ist - was die Richtigkeit angeht - nicht das Problem vernünftiger Überlegung und Prioritätssetzung, dass irrationale Marktzwänge diesen widersprechen und zu unvernünftigen Handeln zwingen.

Masse statt Klasse?

Natürlich gibt es unterschiedliche Studien, die deutlich auf Risiken hinweisen, als Beispiele:

Pusztai A. and Bardocz S. GMO in animal nutrition: potential benefits and risks. In: Biology of Nutrition in Growing Animals, eds. R. Mosenthin, J. Zentek and T. Zebrowska, Elsevier Limited, pp. 513-540, 2006.

Long-term effect of GM crops serves up food for thought. Nature, 398: 651-653, 1999.

Genetically modified soya leads to the decrease of weight and high mortality rate of rat pups of the first generation. Ermakova I.V. EcosInform, 1: 4-9, 2006.

Fine structural analysis of pancreatic acinar cell nuclei from mice fed on GM soybean. Malatesta M. et al. Eur J Histochem., 47: 385-388, 2003.

Ultrastructural morphometrical and immunocytochemical analyses of hepatocyte nuclei from mice fed on genetically modified soybean. Malatesta M et al. Cell Struct Funct., 27: 173-180, 2002.

Ultrastructural analysis of testes from mice fed on genetically modified soybean. Vecchio L. et al. Eur J Histochem., 48: 448-454, 2004.

Identification of a Brazil-nut allergen in transgenic soybeans. Nordlee J.E. et al. N England J Med., 334: 688-692, 1996.

Transgenic expression of bean alpha-amylase inhibitor in peas results in altered structure and immunogenicity. Prescott V.E. et al. J Agric Food Chem., 53: 9023-9030, 2005.

Insbesondere in letzten beiden unterstreichen das Allergierisiko für den Menschen.
Die Prescott-Studie war Anlass einen großangelegten Freilandversuch in Australien zu stoppen.

Transgen.de

Ja, klar! Transgen.de wird auch finanziert von:
Bayer CropScience,
BASF,
Dow Agro Sciences,
Monsanto Agrar,
Du Pont / Pioneer Hi-Bred International,
Syngenta Agro
http://www.transgen.de/ho...

Werden alle direkt als Förderer der ersten Stunde genannt.

So langsam wird es immer interessanter, vor allem bei dem, was Sie hier verschweigen.

Auch zur "Unabhängigkeit" universitärer, öffentlicher Forschung kann man nicht per se davon ausgehen, dass diese Studien auch komplett unabhängig finanziert wären.
Gerade bei EU-finanzierten Projekten MÜSSEN GMO-Firmen Partner sein.

Auch wenn Sie eine zunächst eindrucksvolle Liste auffahren, so können Sie trotzdem nicht für alle Publikationen die Hand ins Feuer für die Unabhängigkeit der Studie bzw ihrer Verfasser eintreten.

Legendär ist mittlerweile die breite Manipulation von wissenschaftlichen Ergebnissen zur Schädlichkeit des Rauchens durch die Philip-Moris Stiftung. Bei gesundem Menschenverstand und realistischer Betrachtungsweise darf man davon ausgehen, dass solche Manipulation im Milliarden-Geschäft mit den GMOs auch stattfindet.

Dazu sei Ihnen die ARTE-Dokumentation Mit "Gift und Genen" ans Herz gelegt,
die nicht nur Beispiele für Drehtüreffekte mit der Politik beleuchtet, sondern auch ein Beispiel für Forschungsmanipulation aufzeigt.

http://video.google.com/v...

Studien

Eine Studie ist nur so gut wie ihr Design. Bei ihren Beispielen ist Pusztai ganz oben genannt, dabei ist seine Studie selbst unter Fachkollegen höchst umstritten. Die Kartoffel-Diät, denen die Ratten ausgesetzt waren, sind ja nicht unbedingt die ideale Ratten-Nahrung, kein Wunder, wenn die krank werden, ob nun GV oder normale Kartoffeln.
Und wenn sich in Studien gezeigt hat, dass Gene für ein Allergierisiko in der Pflanze drin waren, dann wurden diese Pflanzen nicht auf den Markt gebracht. Solche Studienergebnisse sind ja dann die besten Beispiele dafür, dass Pflanzen mit einem Allergierisiko überhaupt nicht zur Marktreife entwickelt werden. Kein Unternehmen kann sich solche Schadenersatzforderungen wirklich gravierenden Schadensfällen leisten, gerade in den USA mit den horrenden Schadenersatzzahlungen. Da ist es günstiger, das Produkt erst gar nicht auf den Markt zu bringen.

Uni-/FH-Studien und Zahlungen der Industrie

Da der Staat immer weniger Geld für die Unis übrig hat, wurden die Unis/FHs schon vor Jahren dazu gedrängt, mehr und mehr über Drittmittel (= Wirtschaft/Industrie) zu finanzieren.

Seltsamerweise macht es nix, wenn die Automobilindustrie irgendwelche Projekte unterstützt. Oder die Medizintechnik. Aber bei der Gentechnik kommt der große Aufschrei.

Wenn jedoch das Institut vom Seralini von Greenpeace gefördert wird und daraufhin brav verkündet, wie gefährlich doch die Gentechnik ist, dann ist das okay, oder?

Orwells Doppeldenk lässt grüßen ...

RE: Und was heißt das nun für die Zukunft?

Sagen Sie's mir!

GMO-Forschung Firmen überlassen, die per se im Verdacht stehen, ungünstige Ergebnisse zu unterdrücken, weil sie ein Milliarden-Geschäft gefährden könnten?

Oder unabhängige Forschung ermöglichen durch mehr staatliche Finanzierung und zwar transparent und öffentlich? Ethische Standards für beteiligte Forscher...und viel Zeit.
Und sicherstellen, dass alle Ergebnisse public domain bleiben und nicht patentierbar sind.

Forschung in der Zukunft

Mir persönlich wäre es am liebsten, wenn staatliche Forschung gestärkt würde, allein schon, um den Vorwurf der nicht-objektiven Resultate zu entkräften. Ich fürchte nur, im Bereich Gentechnik wird das nicht mehr funktionieren, weil a) nach dem Pollen-Urteil keine Versuchsfelder mehr im Freiland möglich sind und weil b) irgendwelche radikalen Idioten bei Nacht und Nebel die Felder zerstören. Wie soll Forschung da noch möglich sein? Akademische Einrichtungen mit ihren knappen Budgets haben da in den letzten Jahren ebenso wenig Chancen gehabt wie kleine und mittelständische Unternehmen - als Folge davon sind nur noch finanzstarke Konzerne übrig geblieben und die ziehen sich jetzt auch noch zurück. Forschung ist dann nur noch im Ausland möglich, dort wird sich die Grüne Gentechnik auch weiterentwickeln und Europa wird (wie schon bei der Roten Gentechnik) in die Röhre kucken. Gute Nacht, schöne Heimat ...

ende der diskussion.

man weiß zuverlässig, dass zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen keine anderen auswirkungen als konventionell gezüchtete pflanzen haben. es gibt bisher keinen nachweis/hinweis einer schädigung von umwelt, mensch oder tier durch gentechnisch veränderte pflanzen.
am ende der diskussion taucht immer wieder das totschlagargument auf, dass die ergebnisse der (hier genannten) studien gekauft sind. vor einem jahrzehnt hat es noch wesentlich länger gedauert bis dieser punkt erreicht war. heute in dialogen schon nach wenigen sätzen bzw. in foren wie diesem schon nach wenigen kommentaren. für mich zeigt das nur eins. den kritikern/gegnern wird durch sicherheitsforschung die grundlage ihrer ideologie geraubt.

Heimweh04, nennen sie mir einen wissenschaftlichen beleg für ihre behauptungen. nur EINEN. ich spreche nicht von pseudowissenschaft á la tesbiotech.

Flämingslord

Gute Nacht, schöne Heimat ...

Sie möchten also, dass wir unsere Ernährung und unsere Grundnahrungsmittel dem Profit der großen GMO-Firmen ausliefern und unterordnen?

Sie möchten also, dass -wenn erst mal Tür und Tor geöffnet-
GMO-Lebensmittel den Verbrauchern untergejubelt werden, ohne Kennzeichnung, trotz nachgewiesenem Allergierisiko?

Unserer traditionelle Landwirtschaft und -ja auch mit und durch de EU- haben in den letzten Jahrzehnten Ernteerträge wie niemals zuvor in der Geschichte der Menschheit gebracht.- So viel Überschuß, dass wir Butterberge und Milchseen erschufen. Trotz aller Fehler ist nun der europäische Kontinent ernährungsbezogen vollkommen autark, was uns in Europa eine gewisse Freiheit und Unabhängigkeit garantiert.
Ich sehe nicht ein, warum wir das ohne Not aufgeben sollten.
Aber wenn das so kommt, dann Gute Nacht, schöne Heimat ...

Der BASF wäre zu empfehlen, sich gut für das rauhe US-Geschäft gegen Wirtschaftsspionage und Schadensersatzklagen zu wappnen.

Ich wage mal einen Blick in die Kristallkugel, was passiert wenn man ernste Risiken in Bezug auf die grüne Gentechnik aus Profitgier übersieht- es braucht nur einen Fall zu geben, in dem ein durch GMOs zu Schaden gekommener US-Bürger klagt und Recht bekommt...dann kann die BASF einpacken und wieder in Ludwigshafen anfangen- in einer Garage.

Ende der Diskussion?

Warum fragen Sie dann noch?

"man weiß zuverlässig, dass zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen keine anderen auswirkungen als konventionell gezüchtete pflanzen haben. "

Weiß man nicht zuverlässig. Sie können eine so pauschale Behauptung gar nicht aufstellen.

Gut, es gibt Studien, dass zb GMOs nicht das Wachstum von Hühnern beeinflusst... so what?

Es gibt immer noch das ungeklärte Risiko für den Mensch, zB Allergikern. Proteine können in der GMO-Pflanze neue Eigenschaften bekommen und allergen werden. Das wurde zB in der vorher von mir zitierten Studie von Prescott et al. gezeigt.
Das war immerhin Grund genug, darauf hin einen geplanten Freilandversuch in Australien abzublasen.

Von den Freilandversuchen mal abgesehen, könnten nur große seriöse Doppelblind-Studien (vergleichbar den klinischen) überhaupt testen, wie und ob GMOs für den Menschen schädlich sind.
Das müsste dann für JEDES GMO-Produkt getestet werden.
Gibt es toxische Kurzzeiteffekte oder auch Langzeiteffekte?
Solche Studien gibt es aber nicht.

Umso verwerflich ist das Scheinargument der Hungerbekämpfung. Hier testet man einfach an hungernden Menschen auf anderen Kontinenten. Bei dieser Art von Menschenversuchen muss man keinen Ethik-Antrag schreiben und keine Diskussion fürchten.

GMOs braucht niemand. Selbst wenn sie im Idealfall gesundheitlich harmlos wären, sind sie für die meisten Menschen nutzlos. Nützlich sind sie nur für die Profit-orientierten Hersteller, die wegen der Patente zur Kasse bitten.

Wieso immer nur der Hunger?

Wenn Sie mal beobachtet hätten, welchen Einsatzzweck die erste BASF-Genpflanze hat, dann hätten Sie festgestellt, dass die Amflora-Kartoffel als reine Stärkekartoffel für die Industrie entwickelt worden ist - mit dieser Genpflanze sollte nie der Hunger gestillt werden. Aber offensichtlich haben Sie ganz schöne Lücken in der Wahrnehmung von Gentechnik-Produkten ...

Allergie..

Zur Allergiethematik zitiere ich noch einmal das von mir weiter oben verlinkte Interview:

"Sage niemals niemals. Vielleicht treten gesundheitliche Effekte erst nach 20 Jahren auf? Nach dem Stand der Wissenschaft gibt es keine gesundheitlichen Schäden. GV Pflanzen werden wesentlich (!) besser auf potenzielle Gesundheitseffekte untersucht als z.B. neu importierte Früchte. Wie verträgt der Mitteleuropäer Kiwis oder Physalis? Man weiß, dass für viele Mitteleuropäer dadurch massive Allergieprobleme aufgetreten sind – eine Kennzeichnung „kann schwere Allergien auslösen“ habe ich bisher nicht gesehen."

Es ist wissenschaftlich natürlich nicht auszuschließen, dass Allergien auch auf GMO's auftreten. Aber das ist eben bei konventionellen Pflanzen und Züchtungen genauso.

Generell gelten die meisten Anti-GMO Argumente genauso für konventionelle Zuchtprodukte, aber das wird natürlich gern von den Kritikern übersehen.

Stark gesprochen: "man weiß zuverlässig...

dass zugelassene gentechnisch veränderte Pflanzen keine anderen auswirkungen als konventionell gezüchtete pflanzen haben."

Dazu meine ehrlichen (nicht provokativen) Fragen:
1. Wer bitte ist "man"?
2. Was versteht "man" unter "zuverlässig"
3. Welcher wissenschaftliche Rang bzw. welche zweifelsfreien (!) Expertisen erlauben es Ihnen zu behaupten:
"es gibt bisher keinen nachweis/hinweis einer schädigung von umwelt, mensch oder tier durch gentechnisch veränderte pflanzen."

Bitte @Flaemingslord "nennen sie mir einen wissenschaftlichen beleg für ihre behauptungen. nur EINEN." Auch ich spreche nicht von Pseudowissenschaft á la transgen & Mo

Ich wäre zunächst auch schon mit der Beantwortung der 1. Frage zufrieden.

antworten @ #82

1. man = öffentlich finanzierte wissenschaftler.
2. zuverlässig = in peer reviewed journalen veröffentlicht. sprich: von mehreren wissenschaftlern anonym auf stichhaltigkeit geprüft.
3. nennen sie mir eine.

transgen.de ist lediglich eine plattform auf der studien bekannt gemacht und seriös diskutiert werden. erstellt werden sie von wissenschaftlern (siehe 1. und 2.) testbiotech hingegen bezeichnet sich selbst als institut, bringt veröffentlichungen raus und sugeriert damit wissenschaftlichkeit. dabei ist es ein einfacher eingetragener verein.

auf alle meine gebrachten studien treffen 1. und 2. zu.
ich warte auf ihre.

wäre mit einer zufrieden.

Flaemingslord

Und der Verbraucher?

"Mutter Natur" ist nicht unfehlbar, insofern stehe ich der Gentechnik in der Landwirtschaft "freundlich" gegenüber. Allerdings hat mir noch niemand die Frage beantwortet, welche Vorteile ich als Verbraucher durch Gentechnik in der Landwirtschaft habe. Wird der Einkauf billiger? Schmecken die Kartoffeln besser? Wenn ich als Verbraucher durch den Einsatz von Gentechnik keine Vorteile verspüre, ist es mir echt wurscht, ob BASF nach Raleigh geht oder nicht.

Re: Und der Verbraucher?

Nun, ich bin kein Experte auf dem Gebiet und weiß nicht, was für Sie persönlich drin ist. Allerdings kann durch Gentechnik der Einsatz von z.B. Pestiziden deutlich reduziert werden, was gut für Böden und Grundwässer und auch die Artenvielfalt in den Feldern ist. Zudem können höhere Erträge pro Fläche erzielt werden, was sicher notwendig werden wird.
Ob dadurch Lebensmittel billiger oder schmackhafter werden? Kann ich nicht beurteilen. Allerdings gibt es noch andere Faktoren als die Dicke ihres Geldbeuteld oder ihre Zunge.

Das ist das Problem

Die bisherigen Produkte grüner Gentechnik haben keinen offensichtlichen Nutzen für den Verbraucher- deswegen ziehen die Angstkampagnen.

Die bisherigen Produkte bringen in erster Linie Nutzen für Landwirte und Umwelt.

Aber welchen satten Großstädter interessieren schon Landwirte, oder gar solche in Entwicklungsländern? Wen interessiert ernsthaft eine Verbesserung der Umwelt, abgesehen von konsequenzlosen Glaubensbekundungen und Ritualen?