Energiewende Offshore-Ziele kaum noch zu schaffen

Jahrelange Planung, komplizierter Netzanschluss, schwierige Finanzierung: Die Windenergie auf See kommt angesichts der vielen Probleme nicht in Schwung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung des Offshore-Windparks Baltic 1 im Mai 2011

Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Eröffnung des Offshore-Windparks Baltic 1 im Mai 2011

Für den Technologiekonzern ABB ist die Energiewende in Deutschland ein Bombengeschäft. Das Unternehmen ist spezialisiert auf Energietechnik – und der geplante Ausbau der Offshore-Windenergie schwemmt gerade Milliarden in die Konzernkasse. Ob Seekabel, Umspannplattformen oder Transformatoren: Es gibt kaum eine Komponente für die Energiewende, die ABB nicht im Angebot hat.

Erst Ende vergangenen Jahres gab das Unternehmen bekannt, seine Stromkabelfabrik im schwedischen Karlskrona für mehr als 400 Millionen US-Dollar zu erweitern. "Das deutsche Offshore-Geschäft hat unternehmensintern immens an Bedeutung gewonnen", sagt Raphael Görner, Vertriebsleiter Grid Systems bei ABB Deutschland.

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Das zeigen auch die Zahlen. Der jüngste Auftrag für den Anschluss von mehreren deutschen Offshore-Windparks in der Nordsee, das Projekt Dolwin2, hat ein Investitionsvolumen von einer Milliarde US-Dollar. Bei einem weltweiten Umsatz von rund 30 Milliarden Dollar eine wichtige Einnahmequelle.

Doch was für ABB ein lukratives Geschäft ist, bringt andere Unternehmen in die Bredouille. Denn der Bau der Stromstecker auf See ist eine enorme Herausforderung. Mehrere Jahre dauern Planung und Realisation, allein für Dolwin2 benötigt ABB mindestens drei Jahre. Mehr als 500 Mitarbeiter arbeiten an dem Netzanschluss.

Stromnetzbetreiber Tennet ist überfordert

Erst vor wenigen Wochen warnte daher der Stromnetzbetreiber Tennet in einem Brandbrief an die Bundesregierung, dass der Anschluss der Windparks unter den derzeitigen Umständen nicht möglich sei. Das mittelständische Unternehmen ist überfordert, egal, ob es um die Finanzierung, das Personal und das Material geht. Allein den Netzanschluss muss der Konzern eigentlich binnen 30 Monaten gelegt haben, so sieht es die Bundesnetzagentur vor. Doch was tun, wenn Firmen wie ABB dafür 40, wenn nicht 50 Monate benötigen?

Es sind solche Probleme, die viele Experten inzwischen pessimistisch stimmen. 10.000 Megawatt Offshore-Kapazitäten will die Bundesregierung bis 2020 ans Netz bringen – theoretisch entspricht das der Leistung von zehn Atomkraftwerken. "Das ist unwahrscheinlich", sagt Verbandspräsident Hermann Albers. Eher würden es wohl nur 6.500 bis 7.000 Megawatt bis 2020. Auch innerhalb der Bundesregierung wachsen die Zweifel an den ambitionierten Plänen. Im aktuellen Energiekonzept spricht die Bundesregierung denn auch lieber vom Ziel "25.000 Megawatt in 2030".

Die bisherige Bilanz ist mager: Gerade zwei Windparks sind komplett in Betrieb: Das Pilotprojekt Alpha Ventus vor Borkum und der EnbW-Windpark Baltic 1 in der Ostsee. Zwei weitere Parks in der Nordsee sind zurzeit im Bau, zudem sollen in diesem Jahr die Arbeiten an fünf bis sechs weiteren beginnen. "Für die mittel- und langfristige Entwicklung ist es entscheidend, wie gut wir die ersten Parks ins Wasser bekommen", sagt Thorsten Falk von der Stiftung Offshore Windenergie. "Die gesammelten Erfahrungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette müssen dann schnell zu weiteren Optimierungen führen."

Gerade einmal 27 Windräder drehen sich zurzeit in der Nordsee. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie geht davon aus, dass es langfristig rund 10.000 Windmühlen sein müssten, damit Deutschland seine langfristigen Klimaschutzziele erreicht. Allerdings hängt diese Zahl von der Leistung der Turbinen ab – je stärker diese sind, desto weniger Anlagen werden benötigt.

Leser-Kommentare
  1. Das wird ein Milliardengrab ohnegleichen. Wir bauen die Windparks aus und derweilen wird an der Kalten Fusion oder an der Verbesserung von Atomkraftwerken gebastelt.

    Nice Germany.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Einfach zurücklehnen, die anderen werden schon irgendwas cooles entwickeln!
    Schaffen wir die dröge Forschung doch einfach ab, hat doch sowieso keinen Sinn!

    Nice German. (Das Problem ist nicht das Land, es einige Leute die in diesem leben)

    Einfach zurücklehnen, die anderen werden schon irgendwas cooles entwickeln!
    Schaffen wir die dröge Forschung doch einfach ab, hat doch sowieso keinen Sinn!

    Nice German. (Das Problem ist nicht das Land, es einige Leute die in diesem leben)

    • Karl63
    • 11.01.2012 um 18:17 Uhr

    keiner weiß wohin damit - so ähnlich stellt es sich momentan dar.
    Selbstverständlich ist der zwingend Notwendige Ausbau der Netze sowohl mit einem erheblichen Kapitalbedarf, als auch mit wirtschaftlichen Risiken verbunden, nur dies in den letzten 150 Jahren bei jeder Einführung einer neuen Großtechnologie (Eisenbahn, Telegraf, Telefon usw.) so. Während anderswo das "Smart Grid" lediglich als ein Konzept /eine Vision für die Zukunft existiert, besteht hier die Möglichkeit ein solches Schritt für Schritt zu realisieren.
    Es geht dabei nicht nur um die kurzfristige Lösung eines Problems bei der Verteilung von elektrischer Energie in der Bundesrepublik, sondern auch darum die Wettbewerbsfähigkeit unserer Exportindustrie langfristig zu Sichern. Mit der absehbaren Verknappung fossiler Energieträger (und auch Uran) werden irgendwann alle Nationen, die ein ausgebautes Stromnetz besitzen, ein "Smart Grid" benötigen.
    Insofern wäre es jetzt einfach an der Zeit, dass sich Politik und Wirtschaft an einen Tisch setzen und tragfähige Lösungen erarbeiten - mit bereits etablierten Technologien wie der Hochspannungs - Gleichstrom - Übertragung (HGÜ) geht es auch ohne neue Trassen.
    Nein, nicht dass dies bei dem Ringen um die Rettung des Euro irgendwie "unter die Räder kommt"...

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    • Fuji
    • 11.01.2012 um 18:22 Uhr

    ... meinen Sie denn? Etwa die Wirtschaft der Energiemonopolisten, die seit Jahr und Tag auf den Gängen der Parlamente herumschleichen und "Experten" für die Arbeit in Ministerien "kostenlos" abstellen?

    Etwa die Energiemonopolisten, die ganze sicher KEIN Interesse an einer schnellen Energiewende haben, weil dadurch die gewaltigen Profite bedroht sind?

    • Fuji
    • 11.01.2012 um 18:22 Uhr

    ... meinen Sie denn? Etwa die Wirtschaft der Energiemonopolisten, die seit Jahr und Tag auf den Gängen der Parlamente herumschleichen und "Experten" für die Arbeit in Ministerien "kostenlos" abstellen?

    Etwa die Energiemonopolisten, die ganze sicher KEIN Interesse an einer schnellen Energiewende haben, weil dadurch die gewaltigen Profite bedroht sind?

    • Fuji
    • 11.01.2012 um 18:18 Uhr

    ... die offshore Windenergie ist schon heute teurer als die PV hierzulande im Kraftwerksmaßstab. Der einzige Grund für die offshore Windenergie ist die politisch gewollte Beibehaltung der monopolistischen Versorgungsstruktur.

    Zudem ist das Windkraftpotential im Inland noch lange nicht ausgeschöpft, meist Dank der bremsenden Politik der schwarz-gelben Regierung. Aber da tut sich ja mittlerweile was... wenngleich nicht von der Bundesregierung, sondern auf Länderebene. Insbesondere zu nennen wären Hessen, BW und Bayern.

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    "Zudem ist das Windkraftpotential im Inland noch lange nicht ausgeschöpft.."

    Deutschland schafft sich komplett ab. Nicht nur gesellschaftlich und politisch, auch das Land, die Landschaft selbst. Schönste Landschaften mit Investitionsindustriebauten verschandelt, auf jedem Maulwurfshügel ein einzelnes Windrad, erbaut von pseudoökologischen Investitionsgrünen, die sich damit auch noch feiern lassen und als Zugezogene jede Dorfgemeinschaft unter Druck setzen.

    Die Flächen drumherum mit Mais und Raps monokulturisiert, um die Biogasanlagen, die erst dies Dorf, dann das Dorf errichtet zu versorgen, oder nachgewiesenermaßen mit negativer Umweltbilanz den Autofahrern aufgezwungen zu werden. Die Bauern sehen nur die langfristigen Lieferverträge.

    Was dann noch an Freiflächen übrigbleibt wird hochsubventioniert mit Photovoltaikanlagen zugepflastert. In der Presse lässt man sich dann als großer Investor feiern - der dank der Subventionierung keinerlei unternehmerisches Risiko eingeht.

    Deutschland war schön, seine Landschaften waren typisch ...

    "Zudem ist das Windkraftpotential im Inland noch lange nicht ausgeschöpft.."

    Deutschland schafft sich komplett ab. Nicht nur gesellschaftlich und politisch, auch das Land, die Landschaft selbst. Schönste Landschaften mit Investitionsindustriebauten verschandelt, auf jedem Maulwurfshügel ein einzelnes Windrad, erbaut von pseudoökologischen Investitionsgrünen, die sich damit auch noch feiern lassen und als Zugezogene jede Dorfgemeinschaft unter Druck setzen.

    Die Flächen drumherum mit Mais und Raps monokulturisiert, um die Biogasanlagen, die erst dies Dorf, dann das Dorf errichtet zu versorgen, oder nachgewiesenermaßen mit negativer Umweltbilanz den Autofahrern aufgezwungen zu werden. Die Bauern sehen nur die langfristigen Lieferverträge.

    Was dann noch an Freiflächen übrigbleibt wird hochsubventioniert mit Photovoltaikanlagen zugepflastert. In der Presse lässt man sich dann als großer Investor feiern - der dank der Subventionierung keinerlei unternehmerisches Risiko eingeht.

    Deutschland war schön, seine Landschaften waren typisch ...

    • Fuji
    • 11.01.2012 um 18:22 Uhr

    ... meinen Sie denn? Etwa die Wirtschaft der Energiemonopolisten, die seit Jahr und Tag auf den Gängen der Parlamente herumschleichen und "Experten" für die Arbeit in Ministerien "kostenlos" abstellen?

    Etwa die Energiemonopolisten, die ganze sicher KEIN Interesse an einer schnellen Energiewende haben, weil dadurch die gewaltigen Profite bedroht sind?

  2. so gestiegen sind. Nun weiß ich Bescheid. Toll, wenn Unternehmen nicht das halten was sie versprechen.

  3. Bin ich der Einzige, der hier gleich an Don Quixote denkt? Doch die Aktionäre daheim in Zürich dürfen sich freuen, dass es ABB Brown-Boveri gelang, dieses absurde Milliardenprojekt an die Bundesregierung zu verkaufen.

    • joG
    • 11.01.2012 um 19:03 Uhr

    .... zinsgünstigen Krediten für Offshore-Windparkbetreiber zur Verfügung."

    Und so verschleiert man wieder den Preis, den uns Strom kostet, indem man sie in der allgemeinen Steuer versteckt.

  4. Energie wird immer teurer, sog. alternative sowieso. Ein weit entfernter Hoffnungsschimmer könnte die Kernfusion sein. Bleibt zu hoffen, dass wir diese Technologie nicht aus ideologischen Gründen verpennen.

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    • Fuji
    • 11.01.2012 um 19:47 Uhr

    ... die letzten paar Jahre mit dem z.T. extremen Preisverfall der Erneuerbaren Energien verpennt zu haben, kann das sein?

    Und dann setzen Sie auch noch Hoffnungen in die Kernfusion, die seit Jahrzehnten immer "in 50 Jahren" endlich soweit sein soll? Zumal der ITER jetzt schon Kostensteigerungen von 200% vorzuweisen hat und es der Kernfusion ganz ähnlich wie dem Transrapid gehen könnte... ein einziger Technologie-Flop.

    mein Beitrag von eben war eine Antwort auf #8.

    Kernfusion ? Ist ein Vager hoffnungsschimmer in der zukunft. Der Typische reflex.. Technik wird richten. Je größer komplexer (anfälliger ?) desto besser. Eine technik die dann sowieso nur noch von megamonopolisten beherscht werden kann.

    Doch haben Sie mal den ITER angeschaut ? Was alle vergessen. Wie viel Energie muß denn eigentlich in die Konstruktion solch eines (sicher faszinierenden) monsters gesteckt werden. Kann es denn in seiner Betriebszeit von ca 40Jahren diese Primärenergie jemals wieder einfahren ? Wie sieht also der EROEI aus (Energie return on Energie invested ).

    Die leute glauben immer energie sei energie. Es geht aber vor allem als wichtigstem Kennwert um den Nettoenergiegewinn. Und um die Frage ob wir zb. genügend resourcen haben um zb. 20000 windräder oder 300000 solaranlagen oder zb. 500 Iter zu bauen.

    • Fuji
    • 11.01.2012 um 19:47 Uhr

    ... die letzten paar Jahre mit dem z.T. extremen Preisverfall der Erneuerbaren Energien verpennt zu haben, kann das sein?

    Und dann setzen Sie auch noch Hoffnungen in die Kernfusion, die seit Jahrzehnten immer "in 50 Jahren" endlich soweit sein soll? Zumal der ITER jetzt schon Kostensteigerungen von 200% vorzuweisen hat und es der Kernfusion ganz ähnlich wie dem Transrapid gehen könnte... ein einziger Technologie-Flop.

    mein Beitrag von eben war eine Antwort auf #8.

    Kernfusion ? Ist ein Vager hoffnungsschimmer in der zukunft. Der Typische reflex.. Technik wird richten. Je größer komplexer (anfälliger ?) desto besser. Eine technik die dann sowieso nur noch von megamonopolisten beherscht werden kann.

    Doch haben Sie mal den ITER angeschaut ? Was alle vergessen. Wie viel Energie muß denn eigentlich in die Konstruktion solch eines (sicher faszinierenden) monsters gesteckt werden. Kann es denn in seiner Betriebszeit von ca 40Jahren diese Primärenergie jemals wieder einfahren ? Wie sieht also der EROEI aus (Energie return on Energie invested ).

    Die leute glauben immer energie sei energie. Es geht aber vor allem als wichtigstem Kennwert um den Nettoenergiegewinn. Und um die Frage ob wir zb. genügend resourcen haben um zb. 20000 windräder oder 300000 solaranlagen oder zb. 500 Iter zu bauen.

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